Ihr ist eine Werkschau gewidmet. Zwei Mal, 1996 und 1998, war sie schon zu Gast im Filmclub Bozen, im Filmporträt über Martin Kaufmann „Der Kinomann aus Südtirol“ erinnert sie sich im Interview lebhaft an gute Gespräche und eine bezaubernde Landschaft, nun kehrt die Grande-Dame des deutschen Films wieder nach Bozen zurück. Im Gepäck hat sie ihren neuesten Film: Hannah Arendt, ein Filmporträt jener Jahre der bedeutenden jüdischen Theoretikerin, in denen sie zunächst als Reporterin dem Eichmann-Prozess in Jerusalem beiwohnte und anschließend ihr berühmt gewordenes Buch „Eichmann in Jerusalem" verfasste. Gespielt wird Hannah Arendt von einer großartigen Barbara Sukowa, wie sie vor gut 25 Jahren bereits Rosa Luxemburg im gleichnamigen Film von Margarete von Trotta verkörperte und noch davor Marianne alias Gudrun Ensslin in Die bleierne Zeit. Auch dieser Film, der 1981 Zeitgeschichte schrieb und mit dem Margarethe von Trotta als erste Filmemacherin mit dem Goldenen Löwen in Venedig prämiert wurde, wird im Rahmen einer Werkschau, die auch eine Plakatausstellung (ab 10. April in der Sparkasse, Agentur 1 am Waltherplatz und im Schaufenster der Gallerie Foto-Forum in der Weggensteinstraße 3) und ein Publikumsgespräch (19. April um 15.30 Uhr in der Stiftung Südtiroler Sparkasse in der Talfergasse 18) mit der Regisseurin umfassen wird, gezeigt.Auswahl der Spielfilme im Wettbewerb um den Preis des Landes Südtirol Mit dabei ist bei dieser 27. Ausgabe der Bozner Filmtage L’intervallo, eine italienisch-, schweizerisch-, deutsche Koproduktion des Italieners Leonardo di Costanzo, der bereits auf dem diesjährigen Festival von Venedig als Geheimtipp gehandelt wurde. Von einer Liebesgeschichte unter besonderen Umständen handelt auch der Film Ende der Schonzeit von Franziska Schlotterer: Auf einem abgelegenen Bauernhof im Schwarzwald 1942 versteckt das Ehepaar Emma und Fritz einen Juden; er soll bei der täglichen harten Arbeit helfen und schließlich sogar dem Paar zum lang ersehnten Nachwuchs verhelfen, was erwartungsgemäß nicht ohne emotionale Spannungen verläuft. Gewissenskämpfe um die Echtheit von Gefühlen tragen auch die jugendlichen Protagonisten im Film Aquadro aus. Der erste Spielfilm des Regisseurs Stefano Lodovichi, der übrigens in Bozen spielt, handelt von einer zarten Schülerliebe, die durch Cyber-Mobbing in Gefahr gerät. Die Leidenschaften und Lebensentscheidungen der drei Jugendlichen im Film Tutti giù des Schweizers Nicolò Castelli scheinen da schon gefestigter, wenn auch sie um ihren Platz in der Gesellschaft kämpfen. Ebenfalls aus der Perspektive einer Jugendlichen erzählt ist Draußen ist Sommer von Friederike Jehn, in der die 14jährige Wanda es sich zur Aufgabe stellt, die Verhältnisse ihrer Familie wieder ins Lot zu bringen. Die Lebenden, der neue Film der Österreicherin Barbara Albert (bekannt geworden durch „Nordrand“ 1999), erzählt die Reise einer Frau auf der Suche nach ihren eigenen Wurzeln und dem Geheimnis ihrer Familie, die sie von Berlin über Wien und Warschau bis nach Rumänien führt. Nach „La Pivellina“ (im Wettbewerb bei den Bozner Filmtagen 2010) präsentieren die Boznerin Tizza Covi und Rainer Frimmel ihren Film Der Glanz des Tages, das Porträt eines Schauspielers im Konflikt zwischen der Welt der Bühne und des Alltags. Der Film wurde auf der Diagonale in Graz soeben mit dem Großen Preis für den besten österreichischen Spielfilm ausgezeichnet.Acht Dokumentarfilme bewerben sich um den Preis der Stiftung Südtiroler SparkasseDer Film Grenzfällevon Kurt Langbein begleitet den Schriftsteller Robert Menasse an die Grenzen Österreichs und der EU. Er trifft Grenzgänger, Grenzschützer, Grenzbewohner. Sein prominentester Gesprächs- und Gehbegleiter ist dabei der Südtiroler Reinhold Messner. Um die politischen Realitäten von Grenzen und dem Versuch, diese zu überwinden, geht es auch in den Filmen La nave dolce von Daniele Vicari, der bei den letztjährigen Filmtagen mit dem Spielfilm „Diaz“ beeindruckte, und in Nadea e Sveta der Boznerin Maura Delpero. Hier das Schicksal zweier moldawischer „badanti“, deren Wege sich in Bologna kreuzen, bei Vicari das Ereignis der Schiffslandung der Vlora am 8. August 1991 in Bari mit 20.000 albanischen Flüchtlinge an Bord.Von Grenzgängern der besonderen Art handelt auch der Film Winternomadendes Schweizers Manuel von Stürler, der mit seinem Filmteam 2 Jahre lang die jährlich stattfindende Wanderung von achthundert Schafen und ihrer Hirten durch die Westschweiz begleitete.Mit unterschiedlichen Formen des persönlichen Widerstands gegen erfahrenes Leid setzen sich die Filme Oma&Bella von Alexa Karolinski, Klänge des Verschweigens von Klaus Stanjek und Abschied von den Fröschen von Ulrike Schamoni auseinander.Während die beiden holocaustüberlebenden Frauen im Film von Karolinski sich heute ganz der Pflege der jiddischen Küche hingeben, hütet die Familie von Wilhelm Heckmann, der Onkel des Regisseurs Klaus Stanjek, sorgsam das Geheimnis rund um seine KZ-Internierung. Im Porträt des 1998 an Leukämie erkrankten deutschen Filmemachers Ulrich Schamoni zeigt dessen Tochter hingegen einen Menschen, der den Herausforderungen und der Tragik seiner tödlichen Krankheit mit Kreativität und dem ihm eigenen lakonischen Witz begegnet. Mit (Selbst-)Ironie geht auch Marko Doringer in seinem neuen Film Nägel mit Köpfen an sein Thema heran: In seinem ironisch-analytischen Portrait der heutigen Generation der thirtysomething auf der Suche nach erfüllenden Partnerbeziehungen setzt er sich mit seiner eigenen Beziehung dem Blick des Zuschauers aus.Lesung und Co.Wie bereits im vergangen Jahr gibt es auch heuer wieder eine Lesung. Robert Menasse wird aus „Der Europäische Landbote“ lesen (18. April 18 Uhr). Danach gi8bt es noch ein Gespräch mit dem Autor, das Ferruccio Delle Cave führen wird.„Zu Gast“ sind heuer Werner Mastens Filme: „Das Glück beim Händewaschen“ (20. April, 18 Uhr) und „Die Piefke-Saga, Teil 4“ (19. April 22.30 Uhr).In Zusammenarbeit mit dem Jazzfestival wird der Film „Sing! Inge! Sing!“ gezeigt. Es ist eine Dokumentation über die Jazzsängerin Inge Brandenburg.