Freitag, 18. August 2017

„Annabelle 2“: Die Horror-Puppe kehrt zurück

Die Stoffpuppe sitzt in der Vitrine, unter ihr in blutroten Buchstaben: „Auf keinen Fall öffnen!“. Annabelle ist heute Exponat im Occult Museum in Connecticut – und spätestens seit dem gleichnamigen Film Horror-Liebhabern ein Begriff.

Die Horror-Puppe kehrt auf die Kino-Leinwand zurück. - Foto: Facebook/Annabelle
Die Horror-Puppe kehrt auf die Kino-Leinwand zurück. - Foto: Facebook/Annabelle

„Saw“-Schöpfer James Wan hat sich schon mehrfach von der Puppe inspirieren lassen. Mit „Annabelle 2“ kehrt diese am Donnerstag nun ins Kino zurück.

Der Film ist keine Fortsetzung im klassischen Sinne, sondern ein Prequel, erzählt also eine Vorgeschichte. Die soll die Ursprünge der mysteriösen Puppe und ihrer dämonischen Besessenheit näher beleuchten.

Lieblingsspielzeug der verstorbenen Tochter

In dem Werk nehmen der Puppenmacher Samuel Mullins und seine Frau Jahre nach dem Tod ihrer Tochter 6 Waisenkinder und deren Betreuerin, eine junge Nonne, bei sich zu Hause auf. Das Haus, das auf den ersten Blick so charmant und einladend wirkt, entpuppt sich jedoch bald als gefährliche Falle.

Denn die Mullins leben nicht alleine. Eine dunkle Präsenz scheint sich von der Puppe Annabelle, dem Lieblingsspielzeug der verstorbenen Tochter der Mullins, immer weiter auszubreiten und wie ein Schatten über die zahllosen Zimmer und Gänge zu legen. Bald schon wird klar, dass die Mädchen in dem Haus keine Gäste sind – sondern Gefangene.

Absenz von Licht

Der von James Wan in den Regiestuhl berufene David F. Sandberg setzt zumindest bei der Inszenierung des Films auf Altbewährtes. Verschlossene Türen, verbotene Räume, ein abgeschiedenes Haus in der Ödnis: All das klingt zunächst einmal nicht nach einem neuartigen Gruselerlebnis, das sich von vergleichbaren Filmen des Genres abhebt.

Sandberg macht jedoch das, was ihn überhaupt erst in die Riege der Hollywoodregisseure katapultiert hat: „Licht aus“. Mit seinem YouTube-Kurzfilm „Lights Out“ war ihm 2013 eine virale Sensation gelungen. Der Film wurde Millionen Male angesehen und zeigte eindrucksvoll, wie Einsatz und Absenz von Licht aufwendige Computereffekte in den Schatten stellen können.

Und auch in „Annabelle 2“ beweist Sandberg wieder einmal das Potenzial, das in vollkommener Schwärze liegt. Kaum ein Filmmonster kann an das heranreichen, was die eigene Vorstellungskraft der Zuschauer in Sandbergs pechschwarze Gänge und dunkle Ecken hineinzuprojizieren vermag.

Nostalgischer Akustikhorror

Mit besonders weiten Kamerawinkeln und breiten Bildern wird dem Bösen zudem auch perspektivisch großflächiger Raum zur Entfaltung eingeräumt. Untermalt wird das Ganze von Musik, bei der sich der Regisseur stark von Stanley Kubricks Soundtrack zu „The Shining“ inspirieren ließ: nostalgischer Akustikhorror.

Ein weiterer klarer Pluspunkt des Films ist, dass ausnahmslos alle Schauspieler in ihren Rollen überzeugen. Vor allem die Chemie zwischen den beiden Kinderdarstellern Talitha Bateman und Lulu Wilson verschafft dem Film zusätzliche Glaubwürdigkeit.

All das trägt dazu bei, dass der Film deutlich gruseliger daherkommt als sein Vorgänger. Und es lässt hoffen, dass die bereits abgedrehte Fortsetzung atmosphärisch auf vergleichbar hohem Niveau angesiedelt sein wird. Die steht nämlich bereits in den Startlöchern: „The Nun“ soll im Juli 2018 Premiere feiern.

apa/dpa

stol