Dienstag, 30. März 2021

Bolzano Film Festival Bozen goes online

Das Filmfestival Bozen wird in diesem Jahr vom 13. bis zum 18. April online, also #dacasa zu erleben sein. Am Dienstag wurde das Programm vorgestellt.

v.l.: Antonella Arseni, Dorothea Vieider, Martin Kaufmann, Helene Christanell, Angelika König
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v.l.: Antonella Arseni, Dorothea Vieider, Martin Kaufmann, Helene Christanell, Angelika König - Foto: © filmfestival
„Nach monatelangen, intensiven Vorbereitungen für eine Hybridform mussten wir uns an diesem Wochenende von unserem Vorhaben verabschieden, ein großes, zukunftsweisendes 34. Filmfestival Bozen ab 13. April zu zeigen“, bedauert die Festivalleiterin Helene Christanell.

„Unser Vorhaben war ambitioniert, hätte das Publikum im Saal und jenes zu Hause mit einem maßgeschneiderten Programm bedient. Wir hatten alle im Laufe von über 30 Jahren gesammelten Erfahrungen in diese Ausgabe gesteckt und haben uns in den letzten Monaten ein beachtliches Know-how in Sachen Online-Veranstaltungen angeeignet. Warum haben wir uns im Winter dafür entschieden? Weil wir in erster Linie es wichtig finden, dass Kultur wieder stattfindet. Nicht nur punktuell, sondern in einer Veranstaltung, die sich über 6 Tage zieht, die unser gewohntes Festivalprogramm mit wenigen Abstrichen ins Netz verlegt. Wir sehen unsere diesjährige Online-Version aber nicht als Notlösung, sondern als Chance, neue Wege in der Kulturvermittlung zu gehen, die neuen Formen auch in Zukunft mit den gewohnten zu verbinden. Wir freuen uns auf unser neues Abenteuer!“

Kleinsprachen DOC

Was bedeutet es, eine Sprache zu sprechen, die von den meisten Menschen in der Umgebung nicht geteilt wird? Wie hält man eine Minderheitensprache innerhalb einer kleinen Gemeinschaft lebendig und welchen Sinn hat das überhaupt?

Diesen Fragen widmet sich die Reihe „Kleinsprachen DOC“, die in Zusammenarbeit mit der Freien Universität Bozen und dem Masterstudiengang Angewandte Linguistik organisiert wird. 

„Kleinsprachen DOC“ ist eine Reise durch nahe und ferne Gebiete, die zwei verschiedenen Wegen folgt: einerseits der Erhaltung von Minderheitensprachen, die tief im Land verwurzelt sind (frankoprovenzalisch, sardisch, friaulisch), und andererseits der Entdeckung, dass selbst „große“ Sprachen klein werden, wenn sie von Migrantinnen und Migranten als Bindeglied zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen neuer und alter Heimat fungieren, wie es für das Englisch der „Dreamers“, die nach Mexiko-Stadt zurückkehren, geschieht, oder für das Kreolische der Haitianer in Chile und für das Italienisch der Krim. Jede Situation ist anders, jede Minderheit hat ihre eigenen Besonderheiten, aber der innere Blick, den diese Filme bieten, lässt uns schlussendlich ein ähnliches Gefühl wahrnehmen. 
Kuratiert wird die Reihe von Silvia Dal Negro, Daniele Ietri, Daniela Veronesi und Eleonora Mastropietro. 

Die Filme im Überblick:

Sotto le stelle fredde des friaulischen Regisseurs Stefano Giacomuzzi ist ein Spielfilm, der in den Karnischen Alpen spielt.

Bar Seui des Sarden Andrea Deidda erzählt die Geschichte des 23-jährigen Armando, der 1946 aus dem Dorf Seui im Inneren Sardiniens nach Cagliari auswandern muss.

Die mexikanische Regisseurin Fernanda H. García Besné bringt in Littel LA die Geschichte der mexikanischen Auswanderer auf die Leinwand, die nach Trumps Ausweisung aus den USA in ihr Land zurückkehren.
Ferro von Alessio Zemoz ist ein Kurzfilm aus dem Aostatal, der sich auf eine junge Generation konzentriert und den Umgang mit den traditionellen Bräuchen.

Stefano Conca Bonizzonis Castaways of Kerch ist ein Dokumentarfilm, der uns nach Kerch auf die Halbinsel Krim führt, wo eine italienische Minderheit dafür kämpft, dass ihre Geschichte anerkannt und erzählt wird.

Zanmi des chilenischen Regisseurs Rubén Sánchez ist ein Kurzfilm über die Schwierigkeiten haitianischer Einwanderer in Chile.

In memoriam Valentina Pedicini

Das Festival widmet zusammen mit der Filmschule ZeLIG eine Hommage an die talentierte Regisseurin aus Apulien Valentina Pedicini, die im vergangenen Herbst viel zu früh gestorben ist.

2007 kommt Valentina nach Bozen an die ZeLIG um Regie zu studieren. Hier begegnet sie auch ihren vielen Mitschülerinnen und Mitschülern, die sie auf ihrem beruflichen Werdegang begleiten werden. „Filmemachen war für Valentina eine wahre Berufung, eine große Leidenschaft“, so die Direktorin der ZeLIG Heidi Gronauer. „Sie hat es sich nie einfach gemacht. Sie war eine Kämpferin, die sich immer auch selbst ins Spiel gebracht hat. Das war die Stärke ihrer Filme, weil sie den ProtagonistInnen Raum gab, sich in ihrer Vielschichtigkeit, Brüchigkeit und Menschlichkeit zu zeigen. In den Filmen von Valentina spürt man ihre Stimme, ihre Suche und eine leidenschaftliche Notwendigkeit, die Geschichte ihrer ProtagonistInnen zu erzählen.“

Der Filmfestival knüpft an die Online-Reihe „Non molliamo. Weiter geht’s“ des Filmclub an, der das Gesamtwerk Valentina Pedicinis ab 8. April online auf www.filmclub.it zeigt. Am Festival laufen der Kurzfilm Pater Noster (2008) und ihr letzter Film Faith (2019), der die Geschichte der „Kriegerin des Lichts“ Laura erzählt.

Alle Filme des Festivalprogramms werden über die Webseite des Festivals www.filmfestival.bz.it im Zeitraum vom 13. – 18. April übertragen.

Für das Online Festival 2021 gibt es die Möglichkeit, einzelne Tickets zum Preis von 3,50 oder den Festivalpass für Euro 19,50 zu erwerben, der den Zugang zu allen Filmen ermöglicht. Die Tickets können einige Tage vor Beginn des Festivals über unsere Webseite gekauft werden.

stol

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