Mit dem Preis, der mit 32.500 Euro dotiert ist, ausgezeichnet wurde Tartarotti für ihr Porträt der Schriftstellerin Friederike Mayröcker, das die Jury als "Meisterwerk" bezeichnet. In der Jurybegründung heißt es: "Ein magischer Film über Friederike Mayröckers wundersame Schreibwelt – wie geht das? Vor allem, wenn die mittlerweile 84-jährige Schriftstellerin eigentlich gar nicht sprechen mag? Aus ihrem vorgeblichen Schweigen und ihrem manischen Schreiben destilliert Carmen Tartarotti mit unendlicher Geduld und viel Einfühlungsvermögen ein Meisterwerk, das sich ganz in den Dienst Friederike Mayröckers stellt und doch von ganz eigener Ausstrahlung ist. Ein Film über das fragile Verhältnis von Lebenswirklichkeit und Poesie: Behutsam taucht er ins berühmte Zimmer der Mayröcker ein, das Schreibzimmer, den Träumerplatz voller Manuskripte, Skizzen und Fundstücke. Die Intimität des Schreiborts wird zum Programm der filmischen Annäherung: Alles Geschaute wird Material – nicht für eine Interpretation, sondern, wie Carmen Tartarotti treffend sagt, für "ein Festhalten der Zwischentöne in der Stimme, ein leises Lachen, einen schweren Atmer, lange Pausen, ein Infragestellen, das Nachklingen der Stille". Ein Film als Zusammendenken des Unzusammenhängenden, ein sensitives und sensibles Assoziationswunder, das der Kunst Friederike Mayröckers ein filmisches Äquivalent entgegen hält."Vergeben wird der Film- und Kinopreis vom hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst in Zusammenarbeit mit der hessischen Filmförderung, und zwar an Regisseure, die "inhaltlich Mut beweisen und ästhetisch neue Wege gehen"."Der Film ist in Südtirol eine durchaus junge Sparte der Kultur, umso bemerkenswerter ist, wenn Filmemacher aus unserem Land mit ihrem Werk Beachtung finden", so Kulturlandesrätin Sabina Mur, die der Preisträgerin in einem Schreiben zum großen Erfolg gratuliert hat.