<b>Von Ida Walder<BR /></b><BR />Als mehrsprachiges Festival in einer Grenzregion widmet das BFFB dem Geschehen jenseits der Landesgrenzen besondere Aufmerksamkeit und behält gleichzeitig die lokale Filmproduktion im Blick. Der Filmemacher spricht über die Hintergründe beim Dreh zu „Elon Musk Unveiled. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1299507_image" /></div> <BR /><BR /><b>Was hat Sie ursprünglich dazu motiviert, diesen Film zu machen?</b><BR />Andreas Pichler: Ich wollte eigentlich schon vor sieben oder acht Jahren einen Film über Google machen, weil ich diese enorme Machtkonzentration im Silicon Valley als ein extrem gesellschaftsrelevantes Thema empfinde. Damals ist es allerdings nicht gelungen, den Film zu finanzieren. Als dann die Kollegen von Beetz Brothers auf mich zugekommen sind – das sind alte Bekannte, mit denen ich schon öfter zusammengearbeitet habe – waren sie bereits länger an einer Projektidee dran, vor allem an der Whistleblower-Geschichte in Kongsberg in Norwegen. Sie haben mich gefragt, ob ich die Regie übernehmen möchte, und ich war sofort Feuer und Flamme.<BR /><BR /><BR /><b>Im Film arbeiten Sie mit geleakten internen Daten, etwa den sogenannten Tesla-Files. Das setzt intensive Recherchen voraus. Gab es dabei juristische oder ethische Hürden, um an dieses Material zu gelangen?</b><BR />Pichler: Lukas Kupski, der Whistleblower der sogenannten Tesla-Files, war gewissermaßen der Ausgangspunkt für unsere Recherchen. Die Kollegen von Beetz Brothers waren von Beginn an in das Projekt involviert. Als ich dazukam, haben wir die Perspektive erweitert und weitere Personen einbezogen, die man im weitesten Sinne als Whistleblower bezeichnen kann – auch wenn der Begriff inzwischen etwas schwierig geworden ist. Im Kern handelt es sich um Menschen, die Bedenken gegenüber bestimmten Abläufen und Praktiken geäußert haben und dadurch selbst in schwierige Situationen geraten sind. Dazu zählen <Fett>Christina Balland,</Fett> eine Ingenieurin aus den frühen Tesla-Jahren, sowie <Fett>John Darnall,</Fett> der im KI-Team von Tesla tätig war. Beide waren mit ihren Aussagen nicht völlig neu in der Öffentlichkeit: John Darnall hatte beispielsweise bereits Videos veröffentlicht. Gerade durch diese Offenlegungen sind sie schließlich auch in Konflikt mit Tesla geraten.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1299510_image" /></div> <BR /><BR /><b>Welche Herausforderungen ergaben sich dann im weiteren Verlauf der Produktion, insbesondere im Umgang mit rechtlichen Fragen?</b><BR />Pichler: Insofern war das Thema Personenschutz in diesem Fall nicht unmittelbar zentral, was bei Whistleblowern ja oft eine große Rolle spielt. Ein wesentliches Thema für uns war vielmehr die Frage, was wir letztlich sagen können und was nicht – beziehungsweise mit welchen Aussagen wir uns oder auch unsere Protagonistinnen und Protagonisten angreifbar machen. Wenn man einen kritischen Film über die reichste Person der Welt macht, muss man sich natürlich entsprechend absichern. Das haben wir getan, indem mehrere Anwaltskanzleien den Film eingehend geprüft und quasi „auseinandergenommen“ haben, um sicherzustellen, dass wir rechtlich auf der sicheren Seite sind.<BR /><BR /><BR /><b>Erwarten Sie eine Reaktion von Elon Musk oder anderen Tesla-Verantwortlichen?</b><BR />Pichler: Mein Hauptmotiv, einen solchen Film zu machen, ist in erster Linie, Menschen aufzuklären. Natürlich muss man grundsätzlich damit rechnen, dass es Reaktionen gibt. Bis jetzt hat es allerdings noch keine gegeben. Der Film lief bisher vor allem auf Festivals und startet nun in verschiedenen Ländern im Kino. Später wird er auch im Fernsehen in mehreren Ländern ausgestrahlt. Insofern bleibt abzuwarten, ob und wann es zu Reaktionen kommt. Interessanterweise ist es uns bislang nicht gelungen, den Film in die USA zu verkaufen – was, glaube ich, kein Zufall ist. Angesichts des aktuellen politischen und kulturpolitischen Klimas dort besteht große Zurückhaltung, einen solchen Film öffentlich zu zeigen, geschweige denn, ihn auf einer Plattform oder bei einem Sender zu platzieren.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1299513_image" /></div> <BR /><BR /><b>War es für Sie ein wichtiges Ziel, den Film auch in den USA zu zeigen?</b><BR />Pichler: Ja, das war selbstverständlich ein zentrales Ziel. Wir arbeiten bereits seit etwa drei Vierteljahren daran. Also eigentlich schon, bevor der Film fertiggestellt war. Viele Menschen aus der Branche haben uns großes Interesse signalisiert, uns auf die Schulter geklopft und das Projekt als spannend und wichtig bezeichnet. Allerdings hat sich in den USA seit etwa März oder April einiges verändert. Man sieht leider ständig, wie insbesondere Donald Trump im kulturellen Bereich vorgeht – etwa mit Klagen gegen die New York Times, die BBC oder auch gegen Anwaltskanzleien. Diese Form der Einschüchterung hat dazu geführt, dass der öffentliche Diskurs in den USA zunehmend eingeschränkt wird. Und leider zeigt diese Strategie auch Wirkung.<BR /><BR /><BR /><b>Der Film dauert etwa eineinhalb Stunden und kann naturgemäß nicht die gesamte Tesla-Entwicklung abdecken. Wie war Ihr Ansatz von Anfang an – was nimmt man inhaltlich auf, und was lässt man bewusst weg?</b><BR />Pichler: Der Ansatz war vor allem, sich auf die Kerngeschichte zu konzentrieren: den Autopiloten, den Tesla und Elon Musk seit über zehn Jahren versprechen, ankündigen und auch bewerben. Die Realität dieser Technologie entspricht dem allerdings nicht vollständig. Es handelt sich letztlich um ein unfertiges Produkt, das auf den Markt gebracht wurde, wobei die Nutzer im Grunde als eine Art Beta-Tester fungieren – mit entsprechenden Folgen.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1299516_image" /></div> <BR /><BR /><b>Es kommen auch Expertinnen und Experten zu Wort…</b><BR />Pichler: Ja genau. Diese erklären, warum und inwiefern die Technologie nicht funktioniert. Gleichzeitig zeigt der Film, wie Musk und Tesla dennoch das Narrativ weitertragen, dass autonomes Fahren bereits Realität sei oder kurz davorstehe. Gerade das finde ich im größeren Silicon-Valley-Kontext interessant, auch im Hinblick auf künstliche Intelligenz: Es wird etwas als kurz bevorstehende Realität versprochen, wodurch enorm viel Aufmerksamkeit und Kapital angezogen wird, obwohl die Technologie tatsächlich noch nicht so weit ist. Der Film ist dabei nicht grundsätzlich gegen Autopilot-Technologie gerichtet, sondern beschäftigt sich vielmehr mit der Art und Weise, wie Musk damit umgeht. Gleichzeitig versucht er auch, einen Einblick in sein Denken sowie in die Firmenkultur von Tesla zu geben.<BR /><BR /><BR /><b>War es für Sie ein Ziel, Elon Musk zu interviewen?</b><BR />Pichler: Nein, das war ehrlich gesagt nicht zentral. Interessant wäre es natürlich gewesen, aber wir haben stattdessen sehr viel mit Archivmaterial gearbeitet – Stunden über Stunden in verschiedensten Formen. Tesla produziert ja selbst auch laufend eigenes Material, in dem Musk indirekt vorkommt oder spricht. Diese Arbeit im Schnitt war besonders wichtig, um als Zuschauer ein Gefühl für ihn zu bekommen – nicht im privaten Sinn, das interessiert mich weniger, sondern als CEO, als Manager und als treibende Figur dieses Silicon-Valley-Denkens.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1299519_image" /></div> <BR /><b>Hat Sie das Projekt in einigen Aspekten persönlich überrascht oder vielleicht sogar verändert?</b><BR />Pichler: Interessant ist, dass ich 2011 bereits ein Interview mit Musk geführt habe. Damals für ein Projekt mit den Beetz Brothers über Lithium, also zur ersten großen Welle der Elektromobilität. Tesla stand noch ganz am Anfang, und er wirkte sehr stark als dieser junge, grüne Tech-Visionär, so wie er sich selbst präsentiert hat. In der halben Stunde, die wir mit ihm verbracht haben, war er sehr zugänglich und sympathisch. Im Laufe der Jahre habe ich ihn dann über Archivmaterial weiter verfolgt. Dieser Prozess im Schnitt, der sich über Wochen und Monate zieht, ist ziemlich intensiv, man taucht da regelrecht ein. Zu sehen, wie sich diese Figur verändert hat, war schon beeindruckend, vor allem in Auftreten und Gestus. Was für mich zusätzlich spannend war: Wir haben im vergangenen Jahr auch in den USA gedreht und waren damit Zeitzeugen eines sehr radikalen politischen und gesellschaftlichen Einschnitts mit Entwicklungen, die auch weltweit spürbar waren. Das hat das Projekt noch einmal auf einer anderen Ebene geprägt.<BR /><BR /><BR /><b>Der Film feierte seine Premiere am IDFA Filmfestival in Amsterdam. Wie haben Publikum und Beteiligte darauf reagiert?</b><BR />Pichler: Ich war bei der Premiere ziemlich beschäftigt, weil wir sieben oder acht Protagonistinnen und Protagonisten in Amsterdam hatten. Das war für uns alle sehr emotional – einige haben sich dort zum ersten Mal gesehen. Sie sind dafür auch extra aus den USA angereist, was zeigt, wie groß ihr persönliches Engagement ist, diese Geschichte rund um den Autopiloten öffentlich zu machen. Das ist teilweise auch sehr mutig. Generell war die Reaktion des Publikums von großer Überraschung geprägt, vor allem über die Dimensionen des Ganzen. Dass es Probleme mit dem Autopiloten gibt, war zwar schon länger bekannt, aber das Ausmaß und vor allem der systemische Charakter des Scheiterns waren vielen so nicht bewusst, ebenso wenig, dass im Unternehmen offenbar sehr früh darüber Bescheid gewusst wurde. Auch das dahinterliegende Weltbild war für viele neu: dass Elon Musk und Tesla nur ein Teil eines größeren techno-utopischen Denkens sind, das weit über Tesla hinausgeht. Und dass es im Silicon Valley viele ähnliche Denkansätze gibt. Das waren im Wesentlichen die zentralen Reaktionen.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1299522_image" /></div> <BR /><BR /><BR /><b>Der Film eröffnet heute Abend das BFFB. Freuen Sie sich als Südtiroler Filmemacher eröffnen zu dürfen?</b><BR />Pichler: Mich freut das natürlich sehr. Wir haben uns bewusst dafür entschieden, die Italienpremiere im Rahmen des Festivals zu machen, weil eine besondere Verbundenheit mit Südtirol besteht. Ich finde es auch besonders schön, dass das Filmfestival in Bozen mit einem Dokumentarfilm eröffnet wird – meines Wissens ist das das erste Mal. Das Thema ist zudem sehr international: Tesla ist überall präsent, und die damit verbundenen Fragen betreffen viele Länder. Insofern kann man den Film grundsätzlich überall zeigen. Ich bin mir sicher, dass es auch in Bozen ein großes Interesse geben wird.<BR /><BR /><BR /><b>Eröffnung BFFB:</b><BR />Am heutigen Freitag, 19.30 Uhr, Wiederholung 20.30 Uhr <BR /><b>Weiterer Termin:</b>11.4., 15.15 Uhr, Capitol Kino Bozen. <Fett></Fett>