Samstag, 13. Juli 2019

„Der König der Löwen“: Ein schwacher Brüller

1994 ging „Der König der Löwen“ als erfolgreichster Zeichentrickfilm in die Geschichte ein. Weil man in Hollywood einen Faible für Remakes hegt, wurde der Klassiker als Teil von Disneys Remake-Offensive nun von Jon Favreau neu verfilmt – und zwar komplett virtuell. Das Problem dabei: die Neuverfilmung sieht aus wie eine befremdliche Naturdoku mit singenden Raubkatzen. Am Mittwoch kommt der Film in deutsche und österreichische Kinos, Südtiroler Filmfans müssen sich noch bis 21. August gedulden.

Obwohl die Optik des neuen "König der Löwen" überragend ist, kommen die Gefühle durch das CGI nicht immer durch. - Foto: Screenshot
Obwohl die Optik des neuen "König der Löwen" überragend ist, kommen die Gefühle durch das CGI nicht immer durch. - Foto: Screenshot

US-Regisseur Favreau („Das Dschungelbuch“), der ganz offensichtlich Angst hatte, ein nur ein einziges Haar auf Simbas fotorealistischer Mähne zu ändern, zeigt dem Publikum Szene für Szene genau die gleiche Story, die es vor 25 Jahren gesehen hat: Erzählt wird die Geschichte von Simba (als Erwachsener von Donald Glover und als Kind von JD McCray gesprochen), der als Löwenjunges von seinem Vater Mufasa (James Earl Jones), unter den wachsamen Augen seines Vogelfreundes Zazu (John Oliver), zum König ausgebildet wird.

Doch als Mufasa versucht, seinen Sohn vor einer Horde Gnus zu retten, stirbt er durch die Hand seines bösartigen Bruders Scar (Chiwetel Ejiofor). Geplagt von Schuldgefühlen flieht Simba ins Exil, wo er von Timon und Pumbaa, einem Erdmännchen (Billy Eichner) und einem Warzenschwein (Seth Rogen) gerettet wird. Eine zufällige Begegnung mit Nala (als Erwachsene von Beyonce und als Kind von Shahadi Wright Joseph gesprochen) erinnert Simba schließlich an seine königliche Pflicht.

Was ist neu?

Was der neue „Der König der Löwen“ anbietet, ist keine neue Interpretation in Bezug auf Charakterentwicklung und Motivation, Dialog oder Musik (alle Hits von „Circle of Life“ bis „Hakuna Matata“ sind vertreten). Nein, das Neue kommt in Form der Optik. Wen interessiert die Geschichte wirklich, wenn die Technologie so erstaunlich ist? Das scheint die Mentalität hinter dieser Hightech-Neuauflage zu sein.

Wie Jon Favreau kürzlich bei der Weltpremiere erklärte, kam die modernste Technologie zum Einsatz. Computergenerierte Charaktere wurden von Kameramann Caleb Deschanel auf virtuellen Sets „gefilmt“ und damit der erste komplett virtuell produzierte Film geschaffen. Das Ergebnis ist die realistischste computeranimierte Erzählung, die es je gab. Es ist schön gemacht, aber man hat das Gefühl einer bizarren Naturdokumentation mit Musicalnummern beizuwohnen.

Mit Ausnahme der seltsamen, nicht synchronen Mundbewegungen, die beim Sprechen dieser digitalen Kreaturen zu beobachten sind, sehen sie mit Sicherheit aus wie echte Löwen, was ein beeindruckender Anblick ist, aber der Nachteil ist, dass es zutiefst befremdlich aussieht, wenn ein Löwenjunges „I Just Can“t Wait to Be King“ singt. Und weil die Tiere keine ausdrucksstarken Gesichter haben – anders als die Figuren in dem handgezeichneten Film – ist es schwer, mit ihnen zu fühlen.

„Eine neue Version, die es nicht sicher braucht“

Davon abgesehen haben sowohl Alfre Woodard – Simbas Mutter Sarabi – wie auch Beyonce fantastische Stimmen, haben aber leider wenig zu tun. Beyonce hat auch ein unnötiges Lied beigesteuert mit dem Titel „Spirit“, das die Rückkehr von Simba und Nala zum Königsfelsen untermalt. Wie bereits beim Originalfilm komponierte Hans Zimmer die Filmmusik. Elton John und Tim Rice haben dem Soundtrack, den sie 1994 schufen, ein neues Lied hinzugefügt, das während des Abspanns läuft – wo es auch hingehört.

Eine neue Generation von Kindern wird diese Version sicher lieben. Es ist jedoch schwer zu sagen, warum dies erforderlich ist, wenn die erste bereits vorhanden ist. Jeff Nathanson („Rush Hour 2“) gilt als Drehbuchautor, aber der Dialog des Originals wurde fast Zeile für Zeile übernommen.

Die beiden erfreulichen Ausnahmen sind Billy Eichner und Seth Rogen als der geschwätzige Timon und Pumbaa, die allen die Show stehlen. Obwohl sie nicht gravierend anders sind als das originale Duo, sind ihre Witze ein wenig schärfer und improvisierter.

„Der König der Löwen“ ist Disneys drittes Remake in diesem Jahr, nach „Aladdin“ und „Dumbo“, und es ist ein gutes Beispiel dafür, dass die lukrative Remakemaschine des Unternehmens niemandem einen Gefallen tut – außer Disney.

apa/Marietta Steinhart

stol