Welche Filme der Schauspieler sonst noch gedreht hat, warum er Theater als anstrengend empfindet und über eine schicksalhafte Begegnung, erzählt Martin Maria Abram im Gespräch. <BR /><BR /><b>Zufrieden mit der IDM Film Commission?</b><BR />Martin Maria Abram: Es funktioniert gut, bietet Menschen Berufsmöglichkeiten auch abseits vom Schauspielberuf. Ich war einige Male in IDM geförderten Filmen dabei, das erste Mal in <TextHBlau>„Un passo dal cielo“</TextHBlau> mit Terence Hill. Die Ausflüge in den italienischen Film habe ich aus Neugier gemacht. Nach 50 Jahren in deutschen und österreichischen Produktionen hatte ich das Bedürfnis nach etwas Neuem. Leider ist die Bezahlung im italienischen Filmgeschäft äußerst schlecht. Es wird alles von dir verlangt und nichts gezahlt. Es gibt keine Tarifregelung für Schauspieler wie in Österreich oder Deutschland. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="973684_image" /></div> <BR /><b>Trotzdem haben Sie erst vor Kurzem in Marco Bellocchios „Rapito“, einem historischen, preisgekrönten Film um ein geraubtes Judenkind, mitgespielt?</b><BR />Abram: Da hat mich der Regisseur Bellocchio sehr interessiert, nachdem ich seinen Film über Aldo Moro gesehen hatte. Deshalb habe ich mich schon sehr gefreut, in Rapito für die Rolle des Generals Curten ausgewählt worden zu sein. Ich hatte das Glück, eine prägnante Szene zu bekommen, das Gespräch des Generals mit dem Papst. <BR /><BR /><BR /><b>Haben Sie Rollen auch abgelehnt?</b><BR />Abram: Oft. Im Film von Bellocchio wäre ich beinahe ausgestiegen, weil die Maskenbildnerin unbedingt meinen Bart abrasieren wollte. Schlussendlich habe ich mich mit Bart durchgesetzt, was auch für die Rolle super war. Sonst wäre ich sofort mit dem nächsten Zug nach Hause gefahren. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="973687_image" /></div> <BR /><BR /><b>Als Schauspieler haben Sie im Theater begonnen. Viele Ihrer Kollegen antworten auf die Frage, ob sie Film oder Theater bevorzugen würden, dass man in Film und Fernsehen zwar besser verdiene, Theater jedoch interessanter sei. Trifft das auch für Sie zu?</b><BR />Abram: Nicht unbedingt. Im Theater habe ich es nicht lange ausgehalten. Die Zeit mit einem ständig anwesenden Regisseur zu verbringen, der dir sagt, wie du den Mund verziehen sollst oder mit den Ohren wackeln – nichts für mich. Da muss ich gerade an den Regisseur Zadek denken – im Theater hieß er nur „Der Zadek“ – der, je nach Laune, während der Proben einen Schauspieler oder eine Schauspielerin vor dem ganzen Ensemble fertig machte! <BR />Es zirkuliert in der deutschen Regieriege das nur selten formulierte, fast geheime, aber für sehr wirksam gehaltene Leitmotiv, dass man jemanden zur Schnecke machen muss, um ihn dann langsam wieder aufzubauen, um „gutes Theater“ zu machen. Vollkommen krank und menschenfeindlich. Ich hätte mir das, Kunst oder Karriere hin oder her, niemals gefallen lassen und habe ich auch nicht. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="973690_image" /></div> <BR /><BR /><b>Diesbezüglich scheint sich im Betrieb Einiges zu ändern, Theaterleute setzen sich gegen menschenunwürdige Machtverhältnisse zur Wehr. Es gab am Beginn Ihrer Berufslaufbahn Ensembles, die weniger autoritäre und hierarchische Formen pflegten…</b><BR />Abram: Ich habe bei der politisch engagierten Theatermanufaktur in Berlin begonnen, war in Wien beim Off-Theaterfestival mit Rudi Ladurner dabei, habe Erfahrungen mit Augusto Boals Forum Theater gemacht. Auch an meine Anfänge im Ensembletheater 1978 in Freiburg erinnere ich mich gerne. Manfred Beilharz war ein sehr offener Intendant, von Seiten der Schauspieler gab es ein Mitspracherecht. In Südtirol denke ich mit großer Dankbarkeit an Franco Marini. Er war mein erster Förderer. So bescheiden er sich gegeben hat, so viel hat er zum Entstehen einer fruchtbaren Theaterszene in Südtirol beigetragen. <BR />Theater habe ich aus einem anderen Grund interessant gefunden. Wenn man in einer so kopflastigen Schule wie dem Bozner Franziskanergymnasium groß geworden ist, wo man damals der Kreativität keinen Raum gelassen hat, dann bedeutet Theater etwas Befreiendes und Erholsames. Man darf in einem geschützten Raum Gefühle zulassen und ausprobieren, Liebe, Hass, Wut, Eifersucht ausdrücken.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="973693_image" /></div> <BR /><BR /><BR /><b>Deshalb Ihre Berufswahl?</b><BR />Abram: Vielleicht. Aber es war eher Zufall. Ich habe während des Studiums, in den Sommerferien, alle möglichen Berufe ausprobiert. Schlussendlich bin ich beim Schauspielen hängengeblieben. Es wurde für mich ein Brotberuf mit allen seinen Tücken und Zweifeln. Aber er hat mir viel gegeben, viel Freiheit, viele Erfahrungen, viel Einblick in die menschliche Seele. Was mir ganz besonders gefallen hat, war die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Ich habe über 50 Projekte im Schultheater gemacht. Das hat mir viel gegeben und über manche Durststrecken hinweggeholfen. <BR /><BR /><BR /><b>Würden Sie aus der heutigen Erfahrung heraus etwas anders machen?</b><BR />Abram: Nichts. Meine Laufbahn mag zwar etwas wirr und chaotisch erscheinen, aber wenn ich zurückblicke, dann war mir wohl immer meine Freiheit und Unabhängigkeit wertvoller als mehr oder viel Geld zu verdienen. Das durchzuhalten war oft mit Zukunftsängsten verbunden, aber schlussendlich habe ich es doch geschafft und bin jetzt sehr glücklich damit.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="973696_image" /></div> ZUR PERSON<BR /><BR />Martin Maria Abram hat lange in München gelebt und lebt seit 10 Jahren in Paris. Er legt großen Wert darauf zu erzählen, wie es zu seinem neuen Lebensmittelpunkt gekommen ist: „Es hängt mit dem Film 'Bergblut' von Philipp J. Pamer zusammen. Der Film war zu einem Bergfilmfestival in Autrans in der Nähe von Grenoble eingeladen. Eingeladen war zwar nur der Regisseur, aber ich bin auf eigene Kosten mitgefahren, weil ich mir unbedingt Grenoble anschauen wollte. Dort hat meine Mutter als 16-Jährige als Au Pair Mädchen gearbeitet. In Autrans habe ich Michelle Colette, meine Lebensgefährtin, kennengelernt. Sie hat Musikfestivals mitorganisiert, auch die Frankreichtournee des berühmten Kabarettisten Pierre Desproges. Ich erzähle das, um zu sagen, dass wir uns sicher nicht kennengelernt hätten, wenn sie nicht auch im 'verrückten Showbiz' zu Hause gewesen wäre. Also, mit 'Bergblut' habe ich keinen Cent verdient, aber den höchsten Preis gewonnen: meine Frau kennengelernt. Danke, danke, mein lieber Philipp J. Pamer und liebe Grüße aus Autrans.“ <BR /><BR /><BR />Martin Maria Abram hat in über 70 Filmen gespielt. Er hat unterschiedlichste Rollen übernommen, vom Taxifahrer bis zum General, vom Arzt bis zum Polizisten, darunter markante Persönlichkeiten wie Goebbels oder den Geologen Dolomieu, alpine Phänotypen wie Reinhold Messner und Luis Trenker, Geistliche vom Kapuzinerpater bis zum Kardinal und dem Papst Johannes XXIII. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="973699_image" /></div> <BR /><BR />Lange bevor Südtirol als Filmland vermarktet wurde, hat er in Verfilmungen von Süd- und Nordtiroler Autoren, in „Die Walsche“ und „Das Glück beim Händewaschen“ von Joseph Zoderer, der „Gelatikiller“ von Kurt Lanthaler, „Verkaufte Heimat“ von Felix Mitterer gespielt. Er hat viele und sehr unterschiedliche Regisseure und Regisseurinnen kennengelernt, Werner Masten, Karin Brandauer, Xaver Schwarzenberger, Wolfram Paulus, Gernot Friedel, auf die der Schauspieler mehr oder weniger gut zu sprechen ist. <BR /><BR /><BR />In guter Erinnerung hat er Oliver Hirschbiegel, den Regisseur des Films um den Widerstandkämpfer gegen den Nationalsozialismus Georg Elser, wo Martin Maria Abram die Rolle des Vaters Ludwig Elser übernommen hat. Dort habe ein gutes entspanntes Arbeitsklima geherrscht, sagt der Schauspieler. Im Unterschied zu einer TV-Serie, wo es routinemäßig zugeht, sei das Arbeitsklima bei einem Spielfilm sehr heikel. Im Laufe unseres Gesprächs kommt Martin Maria Abram oft auf das Arbeitsklima zu sprechen. Das ist ihm wichtig, eine gute Atmosphäre, die Stimmung am Set, Spaß im Team, nicht zuletzt das Catering. <BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR />c