Die Bozner Ausgabe, die heuer zum ersten Mal auch in Terlan und Lana ausgetragen wird, inszeniert sich als ebenso programmatischer wie atmosphärischer Ort: als Parcours der Begegnungen, der die Berge nicht nur als Landschaft, sondern als kulturelles Denkfeld versteht.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1317210_image" /></div> <BR />Vom 8. bis 12. Juni verlagert sich das Geschehen erstmals in den Berloffa-Park Mitten in Bozen, ein urbaner öffentlicher Resonanzraum für Gesprächsrunden und Buchvorstellungen etwa. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1317213_image" /></div> <BR /><BR />Was der Präsident des Trento Film Festivals, Mauro Leveghi, als „verbindende Pfade“ beschreibt, wird dabei zum leitmotivischen Bild: Zwischen dem Trentino und Südtirol, zwei kulturell eng verwobenen Regionen, spannt sich ein narratives Netz aus Film, Literatur und Diskussion. Die Bergwelt fungiert darin weniger als Postkartenidylle denn als Projektionsfläche für Fragen der Gegenwart – von Klimawandel über Nachhaltigkeit bis hin zu sozialen und geschlechtsspezifischen Dynamiken im Alpinismus. Der Rekurs auf Franco de Battaglia verleiht dieser Perspektive philosophische Schärfe: Die Berge als radikale Alternative, als Gegenentwurf zur urbanen Zivilisation.<BR /><BR />Dass das Festival dabei auch ökonomische und politische Dimensionen streift, überrascht kaum. In den Grußworten von Handelskammerpräsident Michl Ebner und Landesrat Marco Galateo wird die alpine Kultur zur Chiffre für nachhaltige Entwicklung und europäische Zusammenarbeit. Zwischen Kino, Umweltdebatte und regionaler Identität entsteht so ein Dreieck, das dem Festival eine deutlich programmatische Ausrichtung verleiht.<BR /><BR />Auch die Ausgabe 2026 bleibt zweigeteilt. Während der Juni ganz im Zeichen von Literatur, Diskurs und Vermittlung steht, folgt der filmische Schwerpunkt erst im Oktober (19. bis 23.). Diese zeitliche Streckung schafft Luft für Vertiefung – und lässt den ersten Teil beinahe wie einen Prolog erscheinen, ein intellektuelles Einwärmen, bevor die Leinwand im Herbst die großen Bilder übernimmt. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1317216_image" /></div> <BR /><BR />Im Mittelpunkt dieses Prologs steht „MontagnaLibri“, die literarische Seele des Festivals. Hier treffen prominente Stimmen wie Tamara Lunger, die von ihren existenziellen Erfahrungen zwischen Mongolei und Hochgebirge erzählt, auf Enrico Brizzi, der das Gehen als kulturelle Praxis reflektiert, und Wafaa Amer, deren Biografie Fragen von Identität und Emanzipation in die alpine Erzählung einschreibt. Die Berge erscheinen dabei als unterschiedlich lesbare Texte: als Abenteuerraum, als spirituelle Herausforderung, als Ort der Selbstverortung.<BR /><BR /><BR />„Parallel dazu setzt 'T4Future' deutliche Akzente in der kulturellen Bildung“, erklärte gestern die Direktorin des Trento Film Festivals, Luana Bisesti. Kinder und Jugendliche werden nicht nur als Publikum gedacht, sondern als Mitgestaltende einer zukünftigen Beziehung zur Natur. Workshops, Filmvorführungen und spielerische Formate im Grünen transformieren den Berloffa-Park in ein temporäres Labor für Umweltbewusstsein – niedrigschwellig, aber nicht banal.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1317219_image" /></div> <BR />Diskussionen über die Zukunft des Alpinismus, insbesondere aus weiblicher Perspektive, stehen neben offenen Formaten wie der „Drin Jam Session“, die Improvisation und künstlerische Freiheit feiert. Es ist diese Mischung aus Diskurs und Festivalstimmung, aus Reflexion und unmittelbarer Erfahrung, die der Veranstaltung ihren besonderen Ton verleiht.<BR /><BR />Bemerkenswert ist schließlich die konsequente Verzahnung von Stadt und Natur: Ob beim Story Climbing mit Jacopo Larcher in den Tisner Auen, bei Fotoausstellungen oder Kinderprogrammen – das Festival verlässt immer wieder den symbolischen Raum der Berge, um ihn konkret erfahrbar zu machen. Die alpine Kultur wird hier nicht ausgestellt, sondern performativ gelebt.<BR /><BR />So erscheint die Bozner Ausgabe des Trento Film Festivals als vielschichtige kulturelle Intervention: ein Versuch, den alten Mythos der Berge neu zu erzählen – als Ort der Begegnung, der Differenz und der gemeinsamen Zukunft. <BR /><h3> Das Programm</h3><BR /><b>ERÖFFNUNG</b><BR /><BR />8.6., 17 Uhr: MontagnaLibri und T4Future im Alcide-Berloffa-Park in Bozen<BR /><BR />18 Uhr:„Junge (Frauen) und Berge. Die Zukunft des Alpinismus zwischen Gemeinschaft und Leistung“ – Erfahrungsaustausch zwischen jungen Bergsteigerinnen und Bergsteigern des AVS, CAI, SAT, SOSAT.<BR /><BR />19.30 Uhr: Drin Jam Session Open Air<BR /><BR /><BR /><b>AUSSTELLUNGEN</b><BR /><BR />Die Schau „MontagnaLibri“ von Bergliteratur ist vom 9. bis 12. Juni von 10 bis 20 Uhr zugänglich. Die Kinderbuchsektion ist dienstags, mittwochs und freitags von 9-12 und 16-19 Uhr und donnerstags von 16-19 Uhr in der Bibliothek Terraferma am Don Bosco-Platz 21 zu finden. <BR />„Lam Thuk Khamzang“, Fotografien von Stefan Plank über seine Bergsteigerexpedition im Rangtik-Tal in Indien sind ebenfalls vom 8.-12.6. im Berloffa-Park (kuratiert vom AVS) zu sehen. <BR /><BR /><b>PROGRAMMPUNKTE</b><BR /><BR /><b>9.6.:</b> T4Future-Programm für Kinder am Vormittag mit Filmvorführungen im Filmclub und am Nachmittag mit Naturexperten im Berloffa-Park. <BR /><BR /><b>18 Uhr:</b> Tamara Lunger stellt ihr Buch vor „Im Atem der Steppe. Mit meinem Kamel Tùje zu Fuß durch die Mongolei“ vor.<BR /><BR /><b>10.6.:</b> T4Future-Programm für Kinder am Vormittag und Nachmittag<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1317222_image" /></div> <BR /><BR />18 Uhr:Enrico Brizzi liest aus seinem Buch „Lezioni di cammino. Erzählungen im Lagerfeuer“ im Berloffa-Park.<BR /><BR />19.30 Uhr: Der Chor Rosalpina ist zu hören mit „80 Jahre Emotionen“ im Berloffa-Park.<BR /><BR /><b>11.6.:</b> T4Future-Programm für Kinder am Vormittag und Nachmittag<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1317225_image" /></div> <BR /><BR />18 Uhr: Die ägyptische Klettererin Wafaa Amer stellt ihr Buch „Io sono Wafaa“ im Berloffa-Park vor. <BR /><BR />20 Uhr: Im Costellazione Teater (Claudia-Augustastr.11) wird der Film <Kursiv>„The North“</Kursiv> von Bart Schrijver (NL) gezeigt. <BR /><BR />12.6.:Ab 14 Uhr gibt es ein Story Climbing mit Jacopo Larcher im Klettergarten Tisner Auen. <BR /><BR />16.30: T4Future-Programm für Kinder im Berloffa-Park.<BR /><BR />18 Uhr: Sylvia Rier stellt ihr Buch „Keep off the Grass – Ein Knigge für die Berge“ vor. <BR /><BR />19.30 Uhr: Beat Coin Dj Set – Elektroklänge aus den Alpen.<BR /><BR />Die Initiativen des Festivals werden im Juni im Kulturzentrum Meran und in der Mediathek OTTO in Terlan fortgesetzt sowie mit der Initiative „Kino im Freien“ im Kulturzentrum Via Vintola 18 in Bozen.