Mit einem Film über eine österreichische Minderheit in der Ukraine gewann Lukas Pitscheider aus St. Ulrich unlängst den begehrten „Silbernen Enzian“ beim Filmfestival in Trient. <BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><b>Wie sind Sie auf die österreichische Minderheit in der Ukraine gestoßen?</b><BR />Lukas Pitscheider: Ich arbeitete 2016 als Journalist im ZDF-Auslandsstudio in Wien. Damals schickte man mich zu einer Reportage zum Thema „Putins lange Arme“ in die Ukraine, wo ich erstmals auf die dortige Lage aufmerksam wurde. Doch konkret ergab sich damals noch gar nichts.<BR /><BR /><b>Aber Ihre Neugier war geweckt.</b><BR />Pitscheider: Es war dann mehr Zufall, denn ich wollte mit dem Bla-Bla-Car einmal bis nach Budapest reisen, landete aber schließlich wieder in der Ukraine, wo ich in der Region Uschgorod eine Talschaft entdeckte, die noch von sogenannten Donauschwaben besiedelt war.<BR /><BR /><b>Wie waren die Menschen denn dorthin gekommen?</b><BR />Pitscheider: Es war um 1775, als Bewohner aus dem Salzkammergut in die Gegend von Königsfeld und Deutsch-Mokra (heute Mukatschewo) hingeschickt wurden, da sie tüchtige Holzarbeiter waren. Das sind sie weiter geblieben, hatten relativ wenig Kontakt zur umstehenden Bevölkerung, schon gar nicht in Zeiten der Sowjetunion. Und sie behielten ihre Sprache.<BR /><BR /><embed id="dtext86-49016755_quote" /><BR /><BR /><BR /><b>So entstand in Ihnen die Idee für einen Film.</b><BR />Pitschieder: Ich wollte festhalten, wie hier eine Ethnie überlebt, die wohl nicht mehr lange existieren wird. Es ist wie die Titanic kurz vor dem Untergang. Die Menschen leben dort am Ende der Welt, haben wohl europaweit die schlechtesten Straßen, pflegen ein recht archaisches Deutsch und sind nach wie vor gute und gefragte Holz- und Waldarbeiter. Doch inzwischen verliert sich die Sprache immer mehr, das Ukrainische wird vorherrschend. Aber das Internet funktioniert viel viel besser als bei uns.<BR /><BR /><b>Sie haben einen klassischen Dokumentarfilm gedreht.</b><BR />Pitscheider: Ganz und gar nicht. Ich habe erste Recherchen durchgeführt, dann habe ich – nicht ohne Schwierigkeiten – ein Team zusammengestellt und bin dann 3 Jahre lang immer wieder in die Westukraine gereist, um aufzunehmen. Es ist auch kein Dokumentarfilm im strengeren Sinne, denn er verzichtet auf Stimmen von außen, erzählt vielmehr eine durchgehende Geschichte anhand der Aussagen der Protagonisten.<BR /><BR /><b>Also keine Geschichtsstunde.</b><BR />Pitscheider: Genau, eine Erzählung aus der heutigen Zeit.<BR /><BR /><b>Ist der Film bald auch ganz offiziell zu sehen?</b><BR />Pitscheider: Vorläufig nicht. Nach einem Jahr hat der ORF das Exklusiv-Recht für Österreich, dann vielleicht auch für Südtirol. Es ist ein so genannter beobachtender Dokumentarfilm, Teile davon sind im Internet abrufbar.<BR /><BR /><b>Was bedeutet Ihnen der in Trient gewonnene Preis?</b><BR />Pitscheider: Das ist eine enorm große Ehre. Das Filmfestival in Trient gilt zusammen mit jenem in Banff in Kanada als Maßstab für gute Filme, die Berg-, Natur- und Volkskulturthemen aufgreifen, und daher bin ich einfach nur glücklich.