Mittwoch, 16. März 2016

Die Wettbewerbsfilme beim Film Festival Bozen stehen fest

Sie stehen fest, die Filme, die beim Bolzano Film Festival Bozen um den Preis des Landes Südtirols um den besten Spielfilm konkurrieren.

Foto: © shutterstock

Aus Deutschland der Film Agnes von Johannes Schmid, die Verfilmung des gleichnamigen Romanerstlings des Schweizer Autors Peter Stamm. Wie im Roman der Leser, steht hier der Betrachter vor einem ihn stetig herausfordernden Vexierspiel zwischen Wirklichkeit und Fiktion und der Frage über deren respektive Wahrheit.

Darüber, wie unterschiedlich gemeinsam Erlebtes erfahren werden kann, erzählt auch der Film Nichts passiert von Micha Lewinsky, in dem für einen Familienvater das von ihm geplante Ferienglück in den Schweizerischen Alpen zu einer Achterbahn der Gefühle und eigenen Unzulänglichkeiten wird.
Herbert von Thomas Stuber, ebenfalls ein Beitrag aus Deutschland, erzählt die berührende Geschichte eines Ex-Boxers, der an ALS erkrankt und plötzlich erkennt, wie wenig Zeit ihm noch bleibt, um einige wenige Dinge in seinem Leben ins Reine zu bringen.
Die drei Wettbewerbsfilme aus Italien reflektieren auf je unterschiedliche Weise Probleme und historische Begebenheiten von Italiens Süden. Wie maßgeblich die Erfolge und Misserfolge im Kampf gegen die Mafia durch einzelne Persönlichkeiten und deren Schicksale beeinflusst wurden und werden, zeigen die beiden Filme Éra d’estate von Fiorella Infascelli und La terra dei santi von Fernanda Muraca.
In Éra d’estate werden aus der Perspektive der Familien der beiden sizilianischen Untersuchungsrichter Giovanni Falcone und Paolo Borsellino jene Tage erzählt, die diese auf der Insel Asinara erleben mussten, als man sie dort 1985 wochenlang festhielt, um sie vor den Bedrohungen der ,Ndrangheta zu beschützen.
In La terra dei santi versucht die aus dem Norden stammende Staatsanwältin Vittoria das patriarchale System der Mafia-Clans zu durchbrechen, indem sie die Clan-Frauen aus ihrer das System schützenden Schweigepflicht zwingen will.
Geht es in Bella e perduta von Pietro Marcello zwar nicht vordergründig um Mafia und kriminelles Verbrechen, so ist auch dieser dritte italienische Beitrag im Wettbewerb einer, der sich mit dem großen, verlorenen Kulturerbe von Italiens Süden auseinandersetzt und diesen Verlust diesmal parabelhaft anhand einer Reise erzählt, die Pulcinella mit einem verwaisten jungen Stier in den Norden unternimmt.
Politisch sehr aktuell ist der Beitrag aus Österreich Thank you for bombing von Barbara Eder, der anhand von drei Episoden das Schicksal dreier Kriegsreporter erzählt und welchen medialen Zwängen und Erwartungen diese ausgesetzt sind.
Mit Die Schwalbe legt der schweizerisch-syrische Filmemacher Mano Khalil, der 2014 mit seinem Dokumentarfilm „Der Imker“ in Bozen mit dem Preis für den besten Dokumentarfilm prämiert wurde, erstmals einen Spielfilm vor, bleibt aber seinen Themen um den Verlust von Heimat und Identität treu.

Bewerten werden die ausgewählten Filme Betty Schiel aus Bochum/Deutschland, Programmleiterin des Internationale Frauenfilmfestival Dortmund|Köln, der Berliner Produzent René Frotscher und Alessandro Anderloni, Leiter des Film Festivals della Lessinia, Regisseur und Schauspieler. 

Und hier die acht Dokumentarfilme, im Wettbewerb um den Preis der Stiftung Südtiroler Sparkasse:

Aus der Schweiz der Film Als die Sonne vom Himmel fiel, der japanisch-schweizerischen Filmemacherin Aya Domenig, eine familiäre Spurensuche, die zu den Ereignissen 1945 in Hiroshima führt und diese zur Atomkatastrophe 2011 in Fukushima in Verbindung setzt.

Mit der Schweiz zu tun hat auch der Film L’esercito più piccolo del mondo von Gianfranco Pannone, der den Alltag einiger junger Rekruten der päpstlichen Schweizergarde porträtiert. Eine Schweizer Produktion ist schließlich auch das Porträt von Robert Kolinsky, Jiri Menzel – To make a comedy is no fun über Jiri Menzel, Oscarpreisträger von 1968 und neben Milos Forman und Vera Chitilova bedeutendster Regisseur der tschechischen Nouvelle Vague der sechziger Jahre.

Lampedusa im Winter von Jakob Brossmann und Seit die Welt Welt ist von Gunter Schwaiger sind die Beiträge aus Österreich, einmal der Blick auf die einheimische Bevölkerung der „Flüchtlingsinsel“ Lampedusa im Schatten der Medienaufmerksamkeit für die Bootsflüchtlinge, einmal das Porträt einer kastilischen Bauernfamilie, die trotz umgreifender Landflucht im Dorf geblieben ist und hier die alte Tradition der Bauernschaft in Selbstversorgung fortführt. 

Aus Italien kommt der Dokumentarfilm Show all this to the world von Andrea Deaglio, eine Bestandsaufnahme der Ereignisse an der Grenze Ventimiglia-Menton im Frühsommer 2015, als afrikanischen Flüchtlingen wochenlang die Einreise nach Frankreich verwehrt wurde.

Die deutschen Beiträge im Wettbewerb sind die deutsch-argentinische Koproduktion Un tango más vonGerman Kral, die Liebes- und Lebensgeschichte der beiden weltweit vielleicht berühmtesten Tangotänzer: María Nieves und Juan Carlos Copes, und Wer hat Angst vor Sybille Berg, das gewitzte Porträt der deutschen Theater- und Buchautorin Sybille Berg vom Regisseurinnen-Duo Böller und Brot alias Sigrun Köhler und Wiltrud Baier.

Für die Jury, die den Gewinner auch dieses Wettbewerbs am Samstag Abend im Rahmen der Abschlussveranstaltung des Festivals öffentlich verkünden wird, wurden ausgewählt: Die aus Bozen gebürtige Fotografin und Filmemacherin Tizza Covi, aus München Petra Felber, Redakteurin des Bayerischen Rundfunks und die Schweizer Drehbuchautorin Elena Fischli Hinshaw.

stol