Montag, 19. Dezember 2016

„Endabrechnung“: Südtirol als „weiterer Darsteller“ im Landkrimi

Ein spezieller Landkrimi, sagt Regisseur Umut Dag, verlangt nach einer speziellen Geschichte. Mit der in Südtirol angesiedelten „Endabrechnung“ wagt sich die ORF-Reihe am Donnerstag erstmals über die Grenze - und erzählt nicht vom klassischen „whodunnit“, sondern der Dynamik zwischen drei Männern, gespielt von Robert Palfrader, Tobias Moretti und Harald Windisch.

Tobias Moretti spielt einen schmierigen Oberstaatsanwalt. - Foto: ORF/Allegro Film/Oliver Oppitz
Tobias Moretti spielt einen schmierigen Oberstaatsanwalt. - Foto: ORF/Allegro Film/Oliver Oppitz

In der Geschichte nach einem Drehbuch des Münchner Krimiautors Peter Probst steht der Mörder recht bald fest. Von Rache getrieben, erschießt ein ehemaliger Hotelier (Windisch) mitten im idyllischen Meran den Vorstandsvorsitzenden einer fiktiven österreichischen Bank. Des Mörders Schulfreund, Commissario Höllbacher (Palfrader), hatte die Polizeiarbeit nach einer fatalen Fehleinschätzung eigentlich an den Nagel gehängt, kommt aber auf Geheiß der Kommissariatsleiterin Thaler (Kristina Sprenger) zurück, als sich sein Erzfeind, der schmierige Oberstaatsanwalt Nicoletti (Moretti), mit dem Mordfall profilieren will.

Keine emotionalen Südtirol-Themen

Von der FPÖ im Bundespräsidentenwahlkampf wieder aufgewärmten, emotionalen Südtirol-Themen wie Selbstbestimmung oder Doppelstaatsbürgerschaft habe man bewusst Abstand genommen. „Es war nie angedacht und ich war auch froh darüber, dass wir nicht das, was man sich vordergründig erwartet, erfüllen müssen“, meinte Dag der Apa gegenüber, der vor den Dreharbeiten keinen Bezug zu Südtirol hatte - „aber jetzt umso mehr“.

Dag: "Mischung aus Weltoffenheit, Gastfreundlichkeit und Warmherzigkeit"

Das Land habe er bei Gesprächen mit Einheimischen „als sehr eigenständig erlebt“. „Die Menschen fühlen sich weder italienisch noch österreichisch. Das sind Südtiroler.“ Weil Südtirol ein Tourismusland ist, seien die Leute es gewohnt, „mit Menschen aus allen Ecken der Welt zu tun zu haben. Diese Mischung aus Weltoffenheit, Gastfreundlichkeit und Warmherzigkeit in Kombination mit der Landschaft ist etwas ganz Spezielles.“

Das sollte auch im Landkrimi, der eine „Herzensangelegenheit“ für alle Beteiligten war, rüberkommen - angefangen von der wunderschönen Landschaft, die Dag als „weiteren Darsteller“ im Film bezeichnete, bis hin zur Sprache. „Mir war es sehr wichtig, dass wir die gleiche Authentizität, Hingabe und Detailverliebtheit, die wir visuell und beim Schauspiel haben, auch in der Sprache hervorheben, denn die ist die Basis für ein authentisches Feeling für den Film“, betonte Dag.

Dialogcoach Lukas Lobis

Während der Tiroler Moretti mit italienischem Akzent spricht, haben Palfrader - der selbst Südtiroler Wurzeln hat - und Co die im Drehbuch auf Hochdeutsch geschriebenen Dialoge von Dialogcoach und Co-Star Lukas Lobis „mit einer Färbung gelernt, wie man sie in Südtirol aussprechen würde“, so Dag. „Wobei es kein Südtirolerisch per se gibt: Es wird in jedem Tal anders gesprochen, und wir haben es auf einen Dialekt heruntergebrochen.“

Bozner Premierenpublikum haben Film "wohlwollend" aufgenommen

Bestätigung, dass sich die Arbeit gelohnt hat, fand Dag bei der Premiere des Films Anfang des Monats in Bozen. „Die Südtiroler haben den Film sehr wohlwollend aufgenommen und waren froh, mal einen eigenen Krimi zu haben.“

„Endabrechnung“ ist als neunter von zehn Landkrimis am 22. Dezember auf ORFeins zu sehen und bereits jetzt auf DVD sowie als Stream oder Download auf Flimmit erhältlich.

apa

stol