Mittwoch, 02. September 2020

Filmfestspiele Venedig: Corona verwandelt Festival in „Maskenball“

Eine Mauer vor dem Roten Teppich, Eingangskontrollen mit Fieberthermometern, überall rote Warnschilder und Gesichter hinter Schutzmasken: Zum Start des 77. Filmfestivals von Venedig am Mittwoch hat sich der Filmpalast am Lido in eine Festung verwandelt. Als erstes internationales Filmfestival in Zeiten der Coronapandemie findet die Mostra ganz real und nicht nur im Internet statt.

Auch die australische Schauspielerin Cate Blanchett trägt als Präsidentin der Jury der 77. Filmfestspiele eine Maske auf dem roten Teppich.
Auch die australische Schauspielerin Cate Blanchett trägt als Präsidentin der Jury der 77. Filmfestspiele eine Maske auf dem roten Teppich. - Foto: © APA/afp / TIZIANA FABI
Wo sich normalerweise Fans hinter Absperrgittern drängen in der Hoffnung auf einen Schnappschuss oder ein Autogramm von Weltstars, versperrt nun eine dicke hohe Holzwand zwischen dem Filmpalast und der Straße, die ihn vom Strand trennt, den Blick auf den Roten Teppich. Grelle Hinweisschilder erinnern an die wichtigsten Benimmregeln für die 77. Auflage der Mostra: Schutzmaske tragen, Abstand halten und Hände waschen. Für ungewöhnliche Deko sorgen Hand-Desinfektionsmittel.



Kein Risiko eingehen

Die allgegenwärtigen Schutzmaßnahmen machen unmissverständlich deutlich: Prominenter Gast bei den Festspielen, wenngleich ungebeten, ist das neuartige Coronavirus. Angesichts der auch in Italien wieder steigenden Zahl an Neuinfektionen wollen die Organisatoren kein Risiko eingehen. Dafür nehmen sie viele Vorkehrungen in Kauf, die das Gesicht des ältesten der großen Filmfestspiele stark verändern. Die Mostra sei auch ein Test für künftige große Filmfeste, sagen sie.

Hollywood unter Lockdown

Die Masken und die Mauer werden es nicht verdecken können: Stars werden in diesem Jahr in Venedig nur wenige über den Roten Teppich wandeln. Hollywood steht weiter unter Lockdown, da freuen sich die Fotografen schon, wenn sie das US-Model Taylor Marie Hill oder die spanische Schauspielerin Ester Exposito vor die Linse bekommen.

Festivaldirektor Alberto Barbera gibt sich gelassen. „Wird es weniger Glamour geben? Ja. Wird es weniger Stars auf dem Roten Teppich geben? Mit Sicherheit“, sagt er der AFP. „Aber es wird so viele gute Filme geben, 65 insgesamt aus 50 verschiedenen Ländern – das ist ein Zeichen für den Reichtum und die Vielfalt des zeitgenössischen Kinos.“ Und er fügt hinzu: „Wir sind es leid, Filme im Streaming zu sehen“.

apa/afp