Verstörend brutal zu Beginn und dann doch in eine psychologisch-poetische Richtung gehend, präsentiert sich der Wettbewerbsbeitrag der Filmfestspiele in Venedig sowohl als „schmerzhaft-melancholische Ode an das Menschsein“, wie das Filmmagazin „Variety“ schrieb, als auch als erbarmungsloses Abbild einer pervertierten Welt, in der das Geld zum höchsten Gut aufgestiegen ist.Kim Ki-Duk hat „Pieta“ in einem Industrie-Slum angesiedelt, dessen Maschinen sich offensichtlich besser zum Malträtieren der ohnehin schon geschundenen Seelen eignen als zum Arbeiten und Geld verdienen. Seine Hauptfigur ist ein Geldeintreiber, der fehlende Kreditrückzahlungen mit brechenden Knochen rächt und dann das Versicherungsgeld dafür kassiert. Gliedmaßen für Geld – selbst (bzw. gerade) in bitterster Armut definitiv ein schlechter Deal. Als sich eine ältere Frau jedoch als Mutter des Geldeintreibers ausgibt, entdeckt dieser auch seine weiche Seite – und lernt, wie schmerzhaft Verlust sein kann.Mit Takeshi Kitano hatte zuvor auch ein zweiter asiatischer Filmmeister in Venedig positive Reaktionen evoziert. „Outrage Beyond“, die Fortsetzung des vor zwei Jahren in Cannes vorgestellten „Outrage“, ist erneut eine klassische Yakuza-Story, die wie auch „Pieta“ nicht mit Blut spart. Der japanische Altmeister zeigt den Sanno Clan, der mächtiger ist als je zuvor – doch innerhalb des Clans brodelt es, denn die jungen Yakuza setzen lieber auf Hedgefonds und Aktienkurse, was bei den alten Hasen gar nicht gut ankommt. Wer Kitano kennt, kann sich ausmalen, dass der Konflikt nicht friedlich beigelegt wird.apa