Montag, 17. Oktober 2016

Gerichtsdrama: Publikum entscheidet Filmende

Millionen TV-Zuschauer werden am heutigen Montagabend zu Gerichtsschöffen: Sie entscheiden live per Telefon- und Online-Voting nach einem Gerichtsdrama, ob ein Bundeswehr-Pilot, der einen entführten Airbus abgeschossen hat, ein 164-facher Mörder ist.

Lars Koch (gespielt von Florian David Fitz) sitzt auf der Anklagebank. - Foto: ORF
Lars Koch (gespielt von Florian David Fitz) sitzt auf der Anklagebank. - Foto: ORF

Es ist nur ein Fernsehfilm: Terroristen wollen einen entführten Lufthansa-Airbus in die Allianz Arena bei München stürzen. Es bleiben wenige Kilometer. Deutschland spielt gegen England, 70.000 Fußballfans im ausverkauften Stadion wissen nichts von der drohenden Katastrophe.

„Wenn ich jetzt nicht schieße, werden Zehntausende sterben“, schreit Luftwaffenmajor Lars Koch (Florian David Fitz) übers Mikrofon an die Leitstelle und feuert in seinem Eurofighter eine Luft-Rakete ab. Das rechte Triebwerk des Airbus A 320 wird getroffen, die Maschine fängt Feuer und stürzt auf einen Kartoffelacker.

Beide Filmenden sind vorgedreht

Alle 164 Menschen an Bord, darunter die Terroristen einer Al-Qaida-Splitter-Organisation, kommen ums Leben. Der Bundeswehrpilot handelte gegen den ausdrücklichen Befehl, nicht zu schießen. Er ist jetzt angeklagt wegen 164fachen Mordes.

Diesen fiktiven Terrorfall, der seit den Anschlägen vom 11. September 2001 in den USA aber durchaus Realität sein könnte, arbeitet das in mehrfacher Hinsicht außerordentliche TV-Gerichtsdrama „Terror – Ihr Urteil“ heute Abend um 20.15 Uhr auf ARD, ORF2 und SRF2 auf. Die Zuschauer fällen am Ende das Urteil: Schuldig oder Freispruch.

Beide Filmenden – schuldig oder nicht schuldig – sind vorgedreht. Die Zuschauer stimmen nach den Plädoyers mehrere Minuten lang ab. Dann wird das Urteil bzw. das entsprechende Filmende im Fernsehen gezeigt.

Südtiroler können online abstimmen

Das Urteil erfolgt nur in 5 Ländern per Telefon-Voting, und zwar in Deutschland, Österreich, der Schweiz, in Slowenien und Tschechien. In Südtirol können die Zuschauer nur online abstimmen, unter anderem auf der Homepage von "Hart aber fair" oder auf der Seite des ORF.

Zuvor feierte der Film am vergangenen Freitag im Kino Premiere - auch hier konnten die Zuschauer über den Ausgang bestimmen.

"Terror" auch auf der Theaterbühne

Das Südtiroler Kulturinstitut zeigt das Stück „Terror“ von Ferdinand von Schirach am 2. und 3. November in Bozen und bzw. Meran (jeweils 20 Uhr mit einer Einführung um 19.15 Uhr). Es ist dies die Uraufführungs-Produktion des Deutschen Theaters Berlin. „Terror“ wurde im Oktober 2015 zeitgleich in Berlin und Frankfurt uraufgeführt und in derselben Spielzeit noch an 14 weiteren deutschen Bühnen inszeniert.

Auch am Theater wird sich der Abend interaktiv abspielen: Das Publikum wird ebenfalls vor dem Urteilsspruch den Saal verlassen und je nach mehrheitlich gewählter Tür wird danach das Ende auf der Bühne zu Ende gespielt.

dpa/stol

stol