Besonders stolz ist Gerti Drassl auf den Wiener Schauspielring, der persönlich vom jeweiligen Träger, der Trägerin, weitergegeben wird. Ihr Studium absolvierte sie am Max Reinhardt Seminar, im Gespräch erzählt sie auch, wie sehr ihr die erste Absage geholfen habe, sich gründlich und professionell vorzubereiten. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="757232_image" /></div> <BR /><BR />3 Filme hatte sie, die als Ehrengast bei den Filmtagen war, mitgebracht. Und diese wurden ganz bewusst ausgewählt: <b>„Märzengrund“</b>, der neueste Film feierte in Bozen Premiere; <b>„Angelo“</b>, der Film mit dem „überaus genauen Regisseur Markus Schleinzer“ beleuchtet kritisch, wie die Schauspielerin erklärt, Erziehung, Bildung und hinterfragt auch bestimmte Kategorien und an den Film <b>„Vals“</b> sei sie auch emotional sehr gebunden.<BR /><BR />Gerti Drassl stammt aus einer Schauspielerfamilie und legendär auch ihr Vater <b>Peter Drassl</b>, der im Film „Vals“ mitspielt und vor einem Jahr gestorben ist. Was die meisten nicht wissen: Auch die Mutter von Gerti Drassl war auf der Bühne beheimatet, in Kaltern würde man – so die Schauspielerin – vor allem ihre Mutter kennen, die ihre „genaueste und kritischste Zuschauerin“ sei. <BR /><BR /><BR />Gerti Drassl blickte im Gespräch auf ihre „langsame Karriere“ zurück, die mit einer Ballettausbildung bei Renate Kokot in Neumarkt begonnen hatte. Dort spielte sie ein „Hasele“ in der Abenteuergeschichte „Die sieben Schwaben“. Man merkt ihr ihre Bühnenbegeisterung an, schon immer sei dies ihr Traum gewesen, unterstützt in ihrer Spielfreude habe sie vor allem ihr Vater und bereits in der Jugend auf der Bühne mit kleinen Rollen beglückt.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="757235_image" /></div> <BR /><BR /><BR />Ob man nach dem Erfolg der „Vorstadtweiber“, der abendlichen Serie, populärer ist? Entschieden verneint Gerti Drassl dies. „Ich habe keine Möglichkeit, mir die Rollen auszusuchen. Schauspielerei ist ein herausfordernder Beruf, es gibt darin keine Logik. Ich entscheide aus dem Bauch heraus, und habe durch die Rolle viel gelernt. Ich setze mich intensiv mit Rollen auseinander, die Geschichte, die Figur muss mich locken“.<BR /><BR /><BR />Ihr neuestes Projekt ist <b>„Heldenplätze“</b> unter der Regie von Calle Fuhr, der auch Autor des Stückes ist. „Erfundene Biografie trifft Realgeschichte, Theater trifft Journalismus“, heißt es im Ankündigungstext. Im November wird das Stück auch in Bozen in den Vereinigten Bühnen zu sehen sein. Auch zum Lockdown der Kultur in Zeiten der Pandemie nimmt Gerti Drassl klar Stellung. Zur Tatsache, dass Kultur nicht präsent war, findet sie klare Worte. Und als Metapher für Liebe und Zusammenhalt erzählt sie, wie sehr ihr das Kinderbuch „Frederick“ von Leon Lionni geholfen habe, zu erkennen, dass „Farben, Sonnenstrahlen und Wörter wichtig seien. Sie sieht die Krise aber auch als Chance zu hinterfragen und vorauszublicken, wie diese wohl zukünftig erzählt wird. <BR /><BR /><BR />Meistens verbindet man Gerti Drassl mit dem Schauspiel und ihren Filmen. Sie ist aber auch eine Hörspielstimme. In dem Stück von Felix Mitterer <b>„Wurlizergasse 22, Zwozl, Zwozl“</b> leiht sie dem Papagei Gogol ihre Stimme. Beim internationalen Hörspielwettbewerb in Zons bei Köln erhielt sie dafür einstimmig erst kürzlich den ersten Preis. <BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="757238_image" /></div> <BR /><BR /><b>Welche Türen öffnen sich durch das Hörspiel?</b><BR /><?Schrift SchriftWeite="97ru" SchriftGroesse="9,4pt"> Gerti Drassl: Dieses surreale Zwiegespräch war für mich besonders faszinierend. Mit der Stimme kann man einen eigenen Kosmos, eigene Bilder erzeugen, anders als im Theater oder im Film. Da tut sich auch für den Zuhörer eine Welt auf, Bilder im Kopf. Im Film wird jede Emotion sofort gesehen, Film ist sicher sehr schwierig, denn man kennt sich nicht, alles geht sofort los. Beim Theater hingegen liebe ich den Probenprozess.<BR /><?_Schrift> <BR /><BR /><b>Goethe, sagten Sie, hätten Sie noch nie gespielt. Wär das was für die Zukunft?</b><BR />Drassl: Stella würde ich vielleicht gerne spielen, aber noch lieber Goethes Männerfiguren, das wäre eine tolle Herausforderung. <BR /><BR /><BR /><b>Man merkt Ihnen die Verbundenheit mit unserem Land und Ihrer Familie <BR />sehr an...</b><BR /><?Schrift Spationierung="0ru"> Drassl: Ja , diese Verbundenheit ist meine Kraftquelle, sie wird mir nie genommen, sie stärkt und motiviert mich. <BR /><?_Schrift> <BR /><BR /><b>Was denken Sie, haben es Frauen schwerer in Ihrem Beruf?</b><BR /><?Schrift Spationierung="0ru"> Drassl: Ich befürworte die Quote, aber es gibt immer mehr Geschichten für Frauen über 40. Es hat sich in den letzten Jahren auf der Bühne doch Einiges getan. Aber wenn wir den Fernsehbereich sehen, dann muss Mann 10 Jahre älter sein als Frau. Das ist immer noch so. Aber man kann sagen: Vieles ist in Bewegung, z.B. spielte in Peter Zadeks Inszenierung den Hamlet eine Frau.<?_Schrift> <BR /><BR /><BR /><b>Filmkritiker Marian Wilhelm über „Märzengrund“</b><BR /><BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="757241_image" /></div> <BR /><BR />„Der Film ist eine berührende Geschichte, die uns Menschen zeigt, die wir verstehen können trotz ihrer Härte, ihrer Stränge und ihrer Enge. Sie alle sind Opfer der Erwartungen der Gesellschaft. <BR />Eine Geschichte, die in einer scheinbar einfachen, aber sehr wirkungsvollen Sprache erzählt wird, die von Träumen, Erwartungen Freiheit, Reue und Bedauern und Desillusionierung erzählt. Wo es keine Guten und Bösen gibt, sondern dreidimensionale Charaktere, die von Widersprüchen und Konflikten durchdrungen sind, in denen wir uns alle zumindest teilweise wiedererkennen und die uns zeigen, wie sehr ein Umfeld und eine Gesellschaft das Leben eines jeden beeinflussen und zu extremen Entscheidungen führen können“, begründen die Jurymitglieder des Film Festivals Bozen Eleonore Daniel, Claudia Landsberger und Corrado Ravazzini, ihre Entscheidung „Märzengrund“ den Spielfilmpreis zuzuerkennen. <BR /><BR /><BR /><BR />„Die Perspektive darauf verändert das Leben, manchmal auch radikal. Das muss Elias, die Hauptfigur des Films „<b>Märzengrund“</b>, gleich mehrfach erfahren. „Märzengrund“ ist die lange erwartete, zweite österreichische Regie-Arbeit von <b>Adrian Goiginger</b>, der 2017 mit „Die beste aller Welten“ einen der eindrucksvollsten und publikumsstärksten Austro-Filme seit langem vorgelegt hatte. Sein neuer Film feierte diese Woche bei den Festivals in Graz und Bozen Premiere. Vorlage ist ein Stück von Volksautor <b>Felix Mitterer</b> von 2016, der darin eine aus der Zeit gefallene Geschichte erzählt. <BR /><BR /><BR />Bauernsohn Elias soll den Hof übernehmen, doch die vorgezeichnete Zukunft und die allzu unfreie Tal-Gesellschaft überfordern ihn. Und so geht er, nach einem einschneidenden Vorfall, als Einsiedler hinauf auf den titelgebenden Märzengrund. Was an eine männliche Geierwally-Variation erinnert, inklusive Vogel-Motiv im Film, ist hier mitten im anderswo wilden Jahr 1967/68 angesiedelt. Es gibt Autos (NSU Prinz) und Party-Musik aus der Dose (Roy Black) in dieser mit Themen und Problemen des 19. Jahrhunderts aufgeladenen Geschichte. Adrian Goiginger findet einen möglichst universellen Zugang zu dieser anachronistischen Vorlage in intensiven Naturbildern. Diese teils zu erhaben-sonnigen Bergpanoramen geben dem Film auch die Ruhe, in der sich Elias sucht und findet. Nach einem großen Zeitsprung taucht er nach 40 Jahren mit weißem Bart wieder aus einem Bergsee auf, und der Film erzählt ein zweites Schlusskapitel, mit einem halben Leben dazwischen. <BR /><BR /><BR />Hier brilliert <b>Johannes Krisch,</b> während <b>Jakob Mader</b> als junger Elias unter anderem von <b>Verena Altenberger</b> aus seiner Lebensbahn geworfen wird. <b>Gerti Drassl</b> und ein großartiger <b>Harald Windisch</b> geben den holzschnittartigen Figuren der Eltern Nachvollziehbarkeit. Regisseur Goiginger hat alle Hände voll damit zu tun, die Kitsch-Gefahr zu bannen, die in Mitterers simpler Tirolensien-Geschichte steckt. Die dynamische Leichtigkeit aus Goigingers autobiografischen Debüt blitzt in „Märzengrund“ leider nur selten auf.<BR /><BR /><BR />Vita Gerti Dreassl<BR /><BR /><BR />Sie (* 13. April 1978 in Bozen) ist eine Film- und Theaterschauspielerin.<BR /><BR /><BR />Bereits während ihrer Schulzeit nahm sie Unterricht in klassischem Ballett. Nach ihrer Matura studierte Drassl zunächst Kunstgeschichte in Wien, bis sie 1998 am dortigen Max-Reinhardt-Seminar aufgenommen wurde. Hier beendete sie 2002 ihre Schauspielausbildung. Seit 2002 gehört sie zum Ensemble des Theaters in der Josefstadt in Wien. Darüber hinaus tritt sie auch regelmäßig an anderen deutschsprachigen Bühnen sowie in Film- und Fernsehproduktionen auf. Gerti Drassl erhielt für ihre darstellerischen Leistungen bereits mehrere Auszeichnungen.<BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR />