Dienstag, 10. Mai 2016

„Gomorrha“ mit 2. Staffel bei Sky: Das Töten nimmt kein Ende

Das Töten nimmt kein Ende: Auch in der zweiten Staffel der italienischen Erfolgsserie „Gomorrha“, die mafiöse Strukturen in und um Neapel eindrucksvoll vor Augen führt, darf sich niemand sicher fühlen. Denn nachdem der Savastano-Clan scheinbar zerschlagen wurde, tun sich im Machtvakuum der Camorra-Hochburg für viele Möglichkeiten auf. „Ihnen sitzt der Tod auf der Schulter“, weiß Marco D'Amore.

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Der Schauspieler gibt als Ciro Di Marzio eine der zentralen Figuren der Geschichte, die auf Roberto Savianos gleichnamigem Bestseller beruht. Bei der Präsentation der neuen Staffel am gestrigen Montag in Rom fasste D'Amore den Anknüpfungspunkt für seine Figur nach den turbulenten und vor allem blutigen Ereignissen der ersten Staffel folgendermaßen zusammen: „Es gab dieses Loch, das Ciro und Conte genutzt haben. Sie haben es mit ihrer kriminellen demokratischen Allianz gefüllt. Jeder darf mitmachen, nur nicht die Savastanos. Aber beide sind schlau genug um zu wissen, dass sie zurückkommen werden.“

Für die einst so mächtige Familie gilt es immerhin, Rache zu nehmen: Clanboss Don Pietro (Fortunato Cerlino) verlor nicht nur seine Frau durch Ciro, sondern ist nach einem Gefängnisausbruch zudem gezwungen, vorerst in Deutschland Unterschlupf zu suchen. Sohn Genny (Salvatore Esposito) liegt indessen schwer verwundet im Krankenhaus, nachdem er von Ciro scheinbar tödlich verwundet wurde. Für die ehemals rechte Hand des Clans läuft aber nicht alles so, wie er es sich in seinem Größenwahn ausgemalt hat, denn Genny überlebt und kann Neapel ebenfalls verlassen. Der kurze Frieden zwischen den Banden, der Einzug gehalten hat, ist somit trügerisch.
Saviano weiß, dass er mit seinem Buch und der nun für Sky Italia entwickelten Serie keineswegs nur lokale Phänomene beschreibt. „Wir erklären nicht Neapel der Welt, wir erklären die Welt am Beispiel Neapels“, betonte der Autor und Journalist, der seit Jahren als Gegner der Mafia auftritt und dafür schon mehrfach Morddrohungen hinnehmen musste. „Wir beschreiben die Dynamik der Macht und wie diese Dinge in der Praxis ablaufen.“ Dafür sei gerade eine Serie besonders geeignet, da man sich hier Zeit lassen könne für die Erzählung und deren Hintergründe. „Normalerweise ist alles komprimiert, bleibt es auf den Plot fokussiert. Wir haben aber eben einen anderen Zugang gewählt.“

Dafür gab es vor rund zwei Jahren, als die ersten zwölf Episoden in Italien liefen, Lob von allen Seiten und hymnische Kritiken. „Gomorrha“ wurde für die realistische Darstellung gepriesen und konnte auch international reüssieren. Egal wo der Zuschauer sitze, er müsse begreifen: „Das betrifft auch mich“, unterstrich Saviano. „Man muss sich nur vor Augen halten, wie die Situation vor zehn Jahren war. Sie ist heute kaum weniger komplex und auch nicht wirklich besser geworden.“ Seine Botschaft ist dabei klar: „Es ist wichtig, diese Dinge zu erzählen. Wie die Mechanismen des Verbrechens funktionieren oder wie Wahlen gekauft werden: All das wollen wir thematisieren. Aber leider herrscht viel zu oft ein Schweigen, wenn es um die Camorra geht. Viele fürchten um das Image Italiens.“

Die Leute in jenen Gegenden, in denen „Gomorrha“ spielt und auch gedreht wurde, hätten jedenfalls sehr positiv reagiert. „Sie sind große Fans unserer Serie“, unterstrich Showrunner Stefano Sollima, der gemeinsam mit drei weiteren Regisseuren die zwölf neuen Episoden inszeniert hat. „Bei der ersten Staffel war es noch schwieriger, da wirklich Krieg geherrscht hat. Nicht immer fühlten wir uns sicher. Aber diesesmal war es eher ein Problem, dass alle bei den Dreharbeiten zuschauen wollten.“ Und Esposito, der als Thronfolger im Clan seines Vaters die wahrscheinlich größte Entwicklung durchgemacht hat, ergänzte lachend: „Jeder hat uns Kaffee angeboten, sie lieben uns dort.“

apa

stol