Der Regisseur Luis Buñuel zeigt, wie in vielen seiner Filme, die pathologischen Abgründe hinter bourgeoiser Fassade. Séverines Innenwelt wird zum Schauplatz eines Konflikts zwischen gesellschaftlicher Norm und unterdrückten Trieben.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="757220_image" /></div> <BR /><BR /><b>Luis Buñuel (1900-1983)</b><BR /><BR /><BR />Er war ein mexikanischer Filmemacher spanischer Herkunft, der gegen Ende der Stummfilmzeit als surrealistischer Regisseur bekannt wurde. Er zählt zu den bedeutendsten Filmregisseuren des 20. Jahrhunderts. Buñuel arbeitete in seiner Frühphase mit Salvador Dalí und der Pariser Surrealisten-Gruppe um André Breton und Meret Oppenheim zusammen, nach dem Ausbruch des Bürgerkriegs im Exil in Mexiko integrierte er sich in die dortige Filmindustrie und konnte dann erst gegen Ende seines Schaffens als Autorenfilmer im französischen Kontext wieder zu experimentelleren Formaten zurückkehren.<BR /><BR /><BR /><b>Weitere Filme aus der französischen Epoche:</b><BR /><BR /><BR />1972: „Der diskrete Charme der Bourgeoisie“ (Le charme discret de la bourgeoisie)<BR />1974: Das Gespenst der Freiheit“ (Le fantôme de la liberté)<BR />1977: „Dieses obskure Objekt der Begierde“ (Cet obscur objet du désir)<BR /><BR /><BR /><b>Drehbuch</b><BR /><BR /><BR />Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman des französischen Schriftstellers Joseph Kessel aus dem Jahr 1928.<BR /><BR /><BR /><b>Darsteller</b><BR /><BR /><BR />Catherine Deneuve und Michelle Piccoli<BR />Kostüme kreierte der Modeschöpfer Yves Saint Laurent.<BR /><BR /><BR /><b>Was passiert</b><BR /><BR /><BR />Séverine, eine scheinbar glücklich verheiratete, aber unter masochistischen Zwangsvorstellungen leidende Frau aus großbürgerlichem Milieu, ist plötzlich fasziniert von dem Gedanken, sich zu prostituieren. Heimlich beginnt sie, nachmittags in einem Edelbordell zu arbeiten. Ein Freier aus kriminellem Umfeld verliebt sich in sie, folgt ihr nach Hause und dringt schließlich gewaltsam in ihren Gesellschaftskreis ein.<BR /><BR /><BR /><b>Hintergrund</b><BR /><BR /><BR />„Bunuels poetische Strategie des doppelten Bodens, der Verquickung von Realität und Wahn, gelebter und psychotisch erlittenen Wirklichkeit ist von äußerster Raffinesse, die sich in einer nonchalanten, beiläufig erzählenden, niemals dramatischen Montage entfaltet. Keine überflüssig illustrierende, das Geschehen orchstrierende oder „überhöhende“ Séverines innerer Horrorwelt werden wie Fundstücke eines kühlen Beobachters in die Handlung eingestreut... Delierien einer Perversion, die wie lakonisch einmontierte Fußnoten in einem „tableau parisien’, einer Geschichte aus dem Alltag, der besseren Gesellschaft aufblitzen.“ (arte Filmklassiker)<BR /><BR /><BR /><b>Filmkritik</b><BR /><BR /><BR />„Buñuels Film, ein meisterhafter Verschnitt aus Kindheitsobsessionen der Heldin, religiös-masochistischen katholischen Ritualen, fetischistischen Zwangshandlungen und der so überaus gepflegten Routine der Großbourgeoisie, ist trotz all seiner beklemmenden Kraft und dem Sog seiner erotischen Besessenheiten ein irrwitzig komischer Film – weil er männliche Perversionen nicht als schwülstige Pornografie, sondern als gnadenlos genaue Komödie vorführt. Bürgerliche Doppelmoral? Mindestens.“ <BR />(Hellmuth Karasek, Mein Kino. Die 100 schönsten Filme)<BR /><BR /><BR /><b>Award</b><BR /><BR /><BR />Filmfestspiele in Venedig 1967 bester Film<BR /><BR /><BR /><b>Expertenmeinung</b><BR /><BR /><BR />Buñuel zeigt, wie in vielen seiner Filme, die pathologischen Abgründe hinter bourgeoiser Fassade. Séverines Innenwelt wird zum Schauplatz eines Konflikts zwischen gesellschaftlicher Norm und unterdrückten Trieben. Mit äusserst diskreten Mitteln gelingt es dem Regisseur, Realität, Wunschvorstellung und Traum so ineinander fliessen zu lassen, dass der Wirklichkeitsstatus der Szenen immer unklarer wird. <BR />(Filmpodium)<BR /><BR /><BR /><b>Fazit</b><BR /><BR /><BR />Ein faszinierender Film, ein Film von Buñuel mit den faszinierenden Schauspielern Catharine Deneuve und Michel Piccoli bürgerliche Moral ein wenig verdrehend aber trotzdem sympatisch lassend. So kann’s kommen, wenn man nicht aufpasst. Schon etwas freudianisch mit Herzklopfen. <BR />(gro)<BR /><BR /><BR />Der Filmklassiker <a href="https://youtu.be/BMhVY224QrA" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">„Belle de jour“</a> ist bei Youtube in deutscher Sprache zu finden.<BR /><BR /><BR /><BR />