Filmkritiker Helmut Groschup durchstöbert für Sie YouTube und stellt wöchentlich hier einen Klassiker vor. Heute: „Das Gespenst“ (Deutschland 1982) von Herbert Achternbusch.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="725927_image" /></div> <BR /><BR /><b>Herbert Achternbusch</b> (1938-2022)<BR />Gestorben am 13.Januar 2022 in München<BR />Er war Filmemacher, Schauspieler, Dramatiker, Schriftsteller und Maler.<BR /><BR /><BR /><b>Weitere bekannte Filme:</b><BR /><BR /><BR />„Das Andechser Gefühl“ (1974)<BR />„Bierkampf“ (1976)<BR />„Servus Bayern“ (1978)<BR />„Der Komantsche“ (1979)<BR />„Der Neger Erwin“ (1981),<BR />„Der Depp“ (1982) <BR /><BR /><BR /><b>Was passiert</b><BR /><BR /><BR />Eine vom Kreuze herabgestiegene Heilandsfigur erfährt, wie schwer es doch ist, mit dem biblischen Vermächtnis einigermaßen weltlich am Leben zu bleiben. Er ist der 42. Herrgott, der 42ste von 41 und von daher schon recht unbedeutend. Ihn zieht es ins Bett dieser Oberin. Teilt er nun schon das Bett mit ihr, so muss er auch für ihren gemeinsamen Lebensunterhalt sorgen. <BR /><BR />Als Ober einer Oberin scheint es, das Naheliegendste zu sein, die Gäste der Klosterschänke zu bewirten. Einfach ist dies nicht. Auch die Antworten auf banale Fragen, wie die nach dem Wiener Würstchen: „Wenn der Wein mein Blut ist und das Brot mein Leib, was ist dann das?“, erfährt er nicht. Selbst am idyllischen Teich findet er keine Linderung, kann er doch bekanntermaßen nur auf dem Wasser laufen, aber nicht darin schwimmen. Dieser „Herabgestiegene“ ist naiv und sympathisch, und wie alle „Blasphemie“ ist das keine, sondern ein religiöser Angriff auf selbsternannte Stellvertreter auf Erde. Ein urchristlicher Film. <BR /><BR /><BR /><b>Hintergrund</b><BR /><BR /><BR />Der Film war aufgrund einer vom Bundesinnenministerium unter Gerhart Baum (FDP) in Höhe von 300.000 DM zugesagten Förderzusage produziert worden. Der Film lief Ende 1982 an und wurde zunächst kaum beachtet. Im April 1983 wurde die staatliche Filmförderung in der Berichterstattung der im Axel-Springer-Verlag erscheinenden Bild am Sonntag und Welt am Sonntag als Steuerverschwendung bezeichnet. Darauf gingen im Bonner Innenministerium, nunmehr geleitet von Friedrich Zimmermann (CSU), einige hundert Protestbriefe ein. Nachdem er sich selbst den Film angesehen hatte, strich Zimmermann, da noch nicht alle Raten an Achternbusch ausgezahlt waren, die noch ausstehende Summe von 75.000 DM. In der Folge gab es Proteste von Filmemachern und Filmemacherinnen während des Filmfestes München.<BR /><BR /><BR /><b>Filmkritik</b><BR /><BR /><BR />„Achternbusch stellt aus extrem subjektiver Sicht die Frage, was Jesus tun würde, käme er heute nach Bayern. Unter der blasphemischen Oberfläche des Films und hinter der Clownmaske des Hauptdarstellers (Herbert Achternbusch) verbergen sich tiefe Betroffenheit und profunde Skepsis angesichts versteinerter politisch-kultureller Verhältnisse in der Bundesrepublik Deutschland. Achternbuschs provokative Attacke auf Kirche und Staat verursachte 1983 heftige Gegenreaktionen deutscher Bischöfe, der Staatsanwaltschaft und des Bundesinnenministers.“ (Religion im Film)<BR /><BR /><BR /><b>Expertenmeinung</b><BR /><BR /><BR />„Wo Luis Buñuel, der Atheist, lebenslang die Chimären des Christentums und seine Heuchelei geißelte, wo Pasolini die wahren Elemente des Urchristentums gegen die Kirche auszuspielen suchte und beide dabei vollendete Kunstwerke schufen, da ist Achternbuschs Film eine bewusst anarchistische Narretei.“<BR /> (arte Filmklassiker, Reclam) <BR /><BR /><BR /><b>Fazit<BR /></b><BR /><BR />Warnhinweis: Der Film kann möglicherweise das religiöse Empfinden von Christinnen und Christen verletzen. „Unbequemes kann nicht durch Totschweigen aus der Welt geschafft werden“ (Jury der evangelischen Filmarbeit in ihrer Begründung der Empfehlung zum Film des Monats)<BR /><BR /><BR /><b>Lesetipp</b><BR /><BR /><BR />Herbert Achternbusch, „Du hast keine Chance, aber nutze sie“, Suhrkamp<BR /><BR />Der Filmklassiker <a href="https://www.youtube.com/watch?v=7WzhrUQyAN4" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">„Das Gespenst“ </a> ist zu finden bei Youtube.<BR /><BR /><BR /><BR /><BR />