<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="771935_image" /></div> <BR /><b>Es Spielen:</b> Franco Citti, Silvana Mangano, Ninetto Davoli, Pasolini<BR /><BR /><BR /><b>Weitere Filme,</b> die auf der Kulturseite der Tageszeitung Dolomiten besprochen wurden:<BR />„Accattone“ (1961), <BR />„Mamma Roma“ (1962), <BR />„Comizi d'amore“ (1963), <BR />„La ricotta“(1962), <BR />„Il vangelo secondo Matteo“ (1964), <BR />„Uccellacci e uccellini“ (1965), <BR />„Teorema“ (1968), <BR />„Appunti per un Orestiade africana“ (1969),<BR /> „Porcile“ (1969)<BR /><h3> Was passiert</h3><BR />Der Film besteht aus 4 Teilen: <BR />1. Kindheitserinnerung in den 1930er Jahren auf dem Lande in Norditalien. 2. Ein Baby, der Sohn des thebaischen Königs Laius, in der Ödnis ausgesetzt, wird von einem Bauern gefunden, gerettet und von König Polybos in Korinth unter dem Namen Ödipus adoptiert. <BR />3. Die Pest, die über Theben gefallen ist, kann nur durch Bestrafung des unbekannten Mörders von König Laius vertrieben werden. <BR />4. Ödipus, geleitet von Angelo im modernen Bologna. <BR /><h3> Filmkritik</h3><BR />Die Tragödie des Ödipus, der unwissend seinen Vater tötet, die Mutter zur Frau nimmt und nicht ruht, bis diese unbewusste Schuld ans Licht gebracht und gesühnt ist, in einer modernen Verfilmung: Von Sophokles ist nur die reine Handlung, kein einziges Textwort übernommen. Pasolini hat das mythische Geschehen in die zeitenfern-archaische Realität der Bauern und Handwerker des unterentwickelten italienischen Südens (aufgenommen in Marokko) verlegt. <BR />(Filmpodium, Zürich)<BR /><BR /><BR />„Welch ein bewundernswerter Film! Dank der unrealistischen Traumhaftigkeit des zeitgenössischen Prologs und Epilogs und dank dem schlichten Realismus der Legende verringert Pasolini die Distanz, die die Epochen trennt und Legende von Realität, Realismus von Symbolismus unterscheidet.“ <BR />(Jean-Marc Bory)<BR /><h3> Hintergrund</h3><BR />Vom Mythos zur Literatur, zur Psychologie, zur Gesellschaft, zum Film, zur Literatur, zum Mythos<BR /><BR /><BR />Der antike Mythos nach Sophokles, selbstredend die symbolische Um-Ordnung durch Freud und schließlich Jungs kollektives Unterbewusstsein sind die Eckdaten, zwischen denen Pier Paolo Pasolini sein Meisterwerk „Edipo re“(1967) verortet. Nachdem er mit „Uccellacci e uccellini“(1966) eine filmische Fabel fabriziert hatte, die ebenso als Komödie, wie als fröhliche Philosophie funktionierte und bevor er mit „Teorema“(1968) den vielleicht wesentlichen Beitrag zur Chiffre avancierten Jahr 1968 vorlegte, begab sich der Meister nach Marokko, um erstmals in der Dritten Welt zu arbeiten. Darauf wird noch einzugehen sein. <BR /><BR /><BR />In „Edipo re“steckt Pasolini sowohl inhaltlich als auch formal sein filmisches Programm ab, das immer mehr war, als rein filmisches Schaffen. Der Marxist und gläubige Katholik Pasolini, der sich durch die Politik des Italiens der 60er Jahre zutiefst in seiner Annahme, Europa nach dem Krieg sei auf dem Weg eine Utopie zu verwirklichen, getäuscht sah, geht in die Dritte Welt, in deren Massen er noch einmal die marxistische Hoffnung auf eine echte Erhebung des Proletariats erkennen wollte. <BR /><BR /><BR />Hier findet er die Gesichter und Körper, die es ihm erlauben, seine „mythischen Filme“ so zu verwirklichen, wie es ihm vorschwebte und wie er in „Il vangelo secondo Matteo“ (1964) bereits in Süditalien zu gestalten suchte. Und er findet hier neben den Gesichtern und Körpern auch die Landschaften und darin befindlichen Zeugnisse menschlichen Daseins, die sein „Kino der Poesie“ oder seine „poetische Kinematographie“ ebenso hervorbringt, wie sie durch ebene genau diese Objekte des Interesses hervorgebracht wird.<BR />(www.lostinfactsandfiction.de)<BR /><h3> Expertenmeinung</h3><BR />Ist der Mensch ein freies Wesen? Aus einer autobiografisch geprägten Rahmenhandlung, die in den Zwanzigerjahren in Norditalien spielt, macht der Film einen Zeitsprung in eine ferne Weltgegend. In einer urgewaltigen Hochebene wird ein Baby zwischen Gräsern und bei japanischen No-Klängen ausgesetzt. Ein Bauer rettet das kleine Kind, das der König von Korinth als eigenes annimmt. Der erwachsene Ödipus will mit dem Besuch des Orakels von Delphi seine Vergangenheit ergründen. <BR /><BR /><BR />Verkündet wird ihm ein Unheil: Er werde seinen eigenen Vater töten und mit der eigenen Mutter schlafen. Zwar glaubt Ödipus nicht an das Orakel, dennoch lässt er sich auf seinem weiteren Weg vom Zufall treiben, um dem allfälligen bösen Schicksal zu entrinnen. Pasolini eignet sich die Sophokles-Tragödie an, um neue mythische und archaische Bilder zu erfinden. Für den Dreh in Marokko verwendete er „bizarre und befremdliche Gewänder, Kopfbedeckungen, Masken, Waffen und Schmuck; eine fantastische Synthese aus Aztekischem, Sumerischem, Schwarz-Afrikanischem und Vorantik-Griechischem, die im Zusammenspiel mit den wüstenhaften, hitzeflimmernden Ebenen zu Insignien einer imaginären prähistorischen Zeit verschmelzen.“ <BR />(Wolfram Schütte, zitiert nach Kino Xenix Zürich)<BR /><h3> Fazit</h3><BR />Pasolinis Film-Familie gibt dem PPP den Rückhalt für die Einzigartigkeit und Unverwechselbarkeit seiner Kinopoesie. „Edipo re“ ein Spielfilm für Bewunderer griechischer Mythologie, für Fans von Sigmund Freud, ein Klassiker neu aufgelegt von der 'Cineteca di Bologna', der Bewahrerin Pasolinis Erbe. Es ist auch ein Film, der die Visionen Pasolinis unsterblich macht. Sie werden nie veraltet sein. Pasolini war nie ein moderner Mensch. Er ist zeitlos.<BR /> (gro, Dolomiten)<BR /><BR /><BR /><b>Buchtipp:</b> Pier Paolo Pasolini, Reihe Film 12, Hanser<BR /><BR /><BR />Der Filmklassiker <a href="https://www.youtube.com/watch?v=iT8xtiMQYy8" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">„Edipo re“ </a>ist zu finden auf Youtube.<BR /><BR /><BR /><BR />