1953 zeigt Federico am Beispiel von 5 jungen Männern, man kann sie Tagediebe nennen oder Taugenichtse, wie das Leben in Italien so spielte – keine Arbeit, kein Geld – wie überlebt man? <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="712412_image" /></div> <BR /><b>Federico Fellini (1920-1993)</b><BR /><BR />Der Film ist zum größten Teil autobiographisch und basiert auf Fellinis Erfahrungen als junger Mann in seiner Heimatstadt Rimini. Dementsprechend spielt der Film in einer kleinen Stadt an der Adriaküste. <BR /><BR /><b>Sound:</b> Nino Rota<BR />Die melancholische Musik Nino Rotas begleitet die Bilder und Sequenzen im Film und zeigt die jungen Männer mit so etwas wie Wehmut darüber, dass ihre Träume zwar groß sind, aber die Fesseln des Kleinbürgertums doch sehr eng gezurrt sind.<BR /><BR /><b>Genre:</b> Filmkomödie des italienischen Neorealismus <BR /><BR /><b>Titel</b><BR /><BR />Der Begriff „vitelloni“ ist nach dem Film zum viel gebrauchten Schlagwort geworden, um eine Generation zu beschreiben, die die Nebelschnur zum Elternhaus noch nicht durchtrennt hat und weder eigene noch vorgegebene Ziele verfolgt. <BR />(arte Filmklassiker)<BR /><BR /><b>Was passiert</b><BR /><BR />Alberto (Alberto Sordi), Fausto, Leopoldo, Moraldo und Riccardo haben weder einen Job noch sonst etwas zu tun – sie sind Müßiggänger, die auf Kosten ihrer Eltern leben und die Zeit totschlagen. Fausto versucht es kurzzeitig mit Ehe und Arbeit, doch schafft er es nicht, Verantwortung zu übernehmen. Einzig Moraldo beschließt, die Kleinstadt zu verlassen, um einen Neuanfang zu wagen.<BR /><BR /><b>Filmkritik</b><BR /><BR />1953 zeigt Federico am Beispiel von 5 jungen Männern, man kann sie Tagediebe nennen oder Taugenichtse, wie das Leben in Italien so spielte – keine Arbeit, kein Geld – wie überlebt man? Es geht auf italienische Art und Weise im familiären Bereich. Man hat da Rückhalt aber nicht nur. <BR /><BR />Fellini hat sie die großen Kälber genannt – „I vitelloni“. Fellini hatte Sympathien für diese Lumpen, die er mit viel Komik inszeniert, da rutscht manchmal einer aus wie in einem Chaplinfilm. Der Film hat satirische Tiefe aber er ist auch melodramatisch, und so trifft Fellini die Ader der Nachkriegsitaliener: arm aber selbstbewusst und mit viel Selbstmitleid getränkt. <BR /><BR />Fellini zeichnet einen Karneval der Vorstadt, ein Drama, das ohne Ende hineinläuft in eine andere Zeit, die nicht genau definiert ist. Einige Bilder sieht man in späteren Fellinifilmen wieder. (Helmut Groschup, Dolomiten)<BR /><BR /><b>Expertenmeinung</b><BR /><BR />„I vitelloni ist der erste Film von Fellini mit einem offenen Ende, was seine späteren Werke kennzeichnet. Allergisch auf Enden, welche die Dinge zu sehr auf einen Punkt brachten oder die aufgebaute Spannung zu stark auflösten, bemerkte Fellini einmal: „Als Geschichtenerzähler ist es unsere Pflicht, die Menschen an einen Bahnhof zu bringen. Dort wird jede Person ihren eigenen Zug wählen. Das Mindeste ist, dass wir sie zur Station bringen, zu einem Abreisepunkt.“ <BR /><BR />Das Ende einer Geschichte wird nicht als Ankommen, sondern als vorbereitete Abreise gesehen – ein bemerkenswertes Bild, das vielen populären Geschichtenerzählern fremd ist. „I vitelloni“ bringt uns am Schluss wörtlich zu einer Bahnstation. Auf einer tieferen Ebene war dieser Film auch für Fellini ein Abfahrtsort – fortan meinte er es ernst mit dem Film.“<BR /> (Tom Piazza, www.criterion.com, 23.8.2004)<BR /><BR /><b>Lieblingsfilm</b><BR /><BR />Stanley Kubrick zählt „I vitelloni“ zu seinen Lieblingsfilmen.<BR /><BR /><Fett>Award:</Fett> Silberner Löwe in Venedig 1953.<BR /><BR /><b>Verleih</b><BR /><BR />„Niemand wollte den Film verleihen. Der Verleih ENIC, der ihn schließlich nahm, bestand darauf, dass auf Kopien des Films und den Plakaten der Name Sordi nicht auftauchen dürfe. Der Vertreter des amerikanischen Verleihs RKO schlief während einer Privatvorführung tief ein und fragte mich zum Schluss: „Können Sie mir bitte erzählen, wie es ausgeht.“ (FF, Ich bin fellinesk, Kampa)<BR /><BR /><b>Fazit</b><BR /><BR />„Diese Studie über 5 ziellose junge Männer in der Einöde eines Provinznests ist der beste aller Fellini-Filme – wunderschön gefilmt, grandios gespielt und von der Hand des Regisseurs mit einer unentwirrbaren Mischung aus liebevoller Sympathie und bissiger Satire geführt.“ <BR />(Tom Milne, Time Out Film Guide)<BR /><BR />Der Filmklassiker <a href="https://www.youtube.com/watch?v=IVBSoNztJ3E" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">„I Vitelloni“ </a> ist zu finden bei Youtube.<BR /><BR /><BR /><BR /><BR />