Filmkritiker Helmut Groschup durchstöbert für Sie YouTube und stellt wöchentlich hier einen Klassiker vor. Heute: „Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens“ von Friedrich Wilhelm Murnau aus dem Jahr 1922<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="624800_image" /></div> <BR /><BR /><b>Genre:</b> Horrorfilm, Vampirfilm, Stummfilmklassiker nach dem Roman „Dracula“ von Bram Stoker<BR /><BR /><BR /><b>Weitere wichtige Filme von F.W. Murnau</b> (1888-1931):<BR />„Der letzte Mann“ (1924)<BR /> „Faust – eine deutsche Volkssage“ (1926)<BR /> „Sonnenaufgang – Lied von zwei Menschen“ (1927)<BR /><BR /><BR /><b>Besonderheit</b><BR /><BR /><BR />Der Film sollte nach einem verlorenen Urheberrechtsstreit 1925 vernichtet werden, überlebte aber in unzähligen Schnittversionen und ist heute in mehreren restaurierten Fassungen verfügbar.<BR /><BR /><BR /><b>Was passiert</b><BR /><BR /><BR />Thomas Hutter ist Sekretär eines Maklers in Wisborg und lebt dort glücklich mit seiner Frau. Eines Tages schickt ihn sein Chef auf eine Dienstreise nach Transsylvanien, um mit dem Grafen Orlok über den Kauf eines Hauses zu verhandeln. Ellen, seine Frau, ahnt nichts Gutes, sie spürt die Gefahr, in die ihr Mann sich begibt, kann ihn aber nicht zurückhalten. Erst in der Nacht begegnet Hutter dem seltsamen Schlossherrn, und dieser unterzeichnet den Vertrag. Als er am nächsten Morgen im Schloss erwacht, entdeckt er kleine rote Male an seinem Hals und ahnt, welchem Grauen er gegenübersteht. Orlok ist ein Vampir. Da verlässt Hutter fluchtartig das Schloss, denn er hat Angst, dass das Gespenst auf dem Weg zu seiner Frau ist. Eines Tages legt ein führerloses Schiff in Wisborg an, dessen Fracht Pest, Tod und Verderben über die Bewohner bringt. <BR /><BR /><BR /><b>Filmkritik</b><BR /><BR /><BR />„In Murnaus Filmen sind Geschichten konstituierendes Moment nur als Hintergrund der Bilder, und diese sind Film in einem magisch direkten, inzwischen verlorenen Sinn: Sie entstehen noch nicht durch Dekor, Requisiten und Figuren, sondern als Bildräume erst durch Bewegung von Licht und Dunkel. Murnaus Meisterwerke wären heute historisch und aktuell: verführerisch, bedenkenswert, aber nicht imitierbar.“ <BR />(Helmut Färber, Süddeutsche Zeitung)<BR /><BR /><BR /><b>Expertenmeinung</b><BR /><BR /><BR />„Es ist vernünftig zu argumentieren, dass das deutsche Kino eine Entwicklung der deutschen Romantik ist und dass die moderne Technik den romantischen Fantasien lediglich sichtbare Form verleiht.“<BR /> (Lotte Eisner)<BR /><BR /><BR /><b>Historischer Hintergrund</b><BR /><BR /><BR />„Weil in den Filmen der Nachkriegszeit, so Jerzy Toeplitz (Geschichte des Films), dem zeitgenössischen Zuschauer der Weimarer Republik gezeigt wurde, dass ein Tyrann, wie die Vampirfigur in F.W. Murnaus „Nosferatu“, nicht durch einen Menschen vernichtet werden könne, sondern allein durch die Natur, welche im Film durch das Licht der Sonne symbolisiert wurde, so Jerzy Toeplitz, sei der Drang nach revolutionären Taten auf die Leinwand projiziert worden.“ <BR />(Hildegard Schnell, Die zeitgenössische Rezeption des Films Nosferatu)<BR /><BR /><BR /><b>Hommage</b><BR /><BR /><BR />„Nosferatu-Phantom der Nacht“ (Silberner Bär 1979) ist eine beeindruckende, wenn auch umstrittene Neuverfilmung von Werner Herzog, der hier neben der Hommage an sein Vorbild Murnau konsequent die im eigenen Werk angelegte Außenseiterthematik und seine romantische Naturauffassung auf einem hohen formalen Niveau weiterverfolgt, mit Klaus Kinski in der Titelrolle.<BR /><BR /><BR /><b>Fazit</b><BR /><BR /><BR />„Die Bedeutung dieses Films liegt vor allem in der Tatsache, dass er erstmals die Gestalt des Vampirs auf die Leinwand brachte – wenn er sich auch um die von Bram Stocker ausgeführten Rituale und Besonderheiten um diese Figur weit weniger kümmerte als nachfolgende Dracula-Verfilmungen.“ <BR />(Buchers Enzyklopädie des Films)<BR /><BR /><BR /><b>Buchtipp</b><BR /><BR /><BR />Nosferatu: A Symphony of Horror - A Film by F. W. Murnau: A Shot-by-Shot Presentation von Roy A. Sites<BR /><BR /><BR />Der Filmklassiker <a href="https://www.youtube.com/watch?v=GYfTUiYKtes" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">„Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens“</a> ist zu finden bei Youtube.<BR /><BR /><BR /><BR /><BR />