<b>Von Miriam Roschatt</b><BR /><BR />Den 23. Jänner 2026 dürfte Michael Kofler wohl nicht so schnell vergessen. An jenem Freitag vor neun Tagen gewann der 45-jährige Regisseur für seinen Film „ZWEITLAND“ den Bayerischen Filmpreis. Nach dem Deutschen Filmpreis ist dies die höchstdotierte Auszeichnung für Kinofilme in Deutschland. <h3> Der Mann hinter der Kamera</h3>Koflers Familiendrama, das die familiären, politischen und auch gesellschaftlichen Spannungen während der Südtiroler Bombenjahre aufzeigt, sorgte in den vergangenen Monaten für großes mediales Interesse. Auch die starken Leistungen der Schauspieler (darunter Thomas Prenn, Laurence Rupp und Aenne Schwarz) werden gerne hervorgehoben. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1272333_image" /></div> <BR />Weniger im Rampenlicht stand bislang aber Michael Kofler selbst – kein Wunder, schließlich spielt sich die Arbeit eines Regisseurs und Drehbuchautors vorwiegend hinter den Kulissen ab. Auch privat ist der Pusterer nicht jemand, der gerne im Mittelpunkt steht, sondern lieber Geschichten über andere erzählt, als über sich selbst. Trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – hat ihn s+ zum Interview gebeten.<BR /><BR /><b>Herr Kofler, über Ihren Film „ZWEITLAND“ wurde bereits viel berichtet, über Sie als Mensch weiß man hingegen nur sehr wenig …</b><BR />Michael Kofler: Ich sehe mich als „Erzähler“ im Hintergrund und nicht als jemand, der im Vordergrund stehen sollte.<BR /><BR /><b>Mal sehen, ob Sie sich doch dazu hinreißen lassen, das eine oder andere Persönliche von sich preiszugeben.</b><BR />Versuchen wir es. <i>(lacht)</i><BR /><BR /><b>Wo sind Sie aufgewachsen?</b><BR />Ich bin in Bruneck geboren und in Dietenheim aufgewachsen, gemeinsam mit meinen Eltern und zwei Schwestern. <BR /><BR /><b>Ihr Film „ZWEITLAND“ beschäftigt sich intensiv mit den Themen Heimat und Identität. Was bedeutet Heimat für Sie persönlich?</b><BR />Heimat hat für mich nichts mit einer Ideologie zu tun und auch nur bedingt mit einem Ort. Für mich ist Heimat vor allem ein Gefühl, das sich einstellt, wenn man eine Leidenschaft ausleben kann, die einem wirklich wichtig ist. Ein Teil von Heimat sind aber auch Wurzeln. Meine liegen in Südtirol. Ich finde, es ist wichtig, sich seiner Wurzeln bewusst zu sein. <BR /><BR /><b>Ihr Nachname könnte „Südtirolerischer“ nicht sein. Was ist sonst noch „typisch Südtirolerisch“ an Ihnen?</b><BR />Meine Vorliebe für deftige Hausmannskost <i>(lacht)</i>. Ich liebe Pressknödel und „Tirschtlan“. Ansonsten zeigt sich das „Südtirolerische“ auch an meiner Nähe zur Natur. Wenn ich zu Hause bin, gehört es für mich dazu, wandern zu gehen. Typisch Südtirolerisch an mir ist vielleicht auch, dass ich offen auf unterschiedliche Sprachen und Kulturkreise zugehe … <BR /><BR /><b>Heute leben Sie in München und London, arbeiten als Drehbuchautor und Regisseur. Wollten Sie eigentlich immer schon Filmemacher werden?</b><BR />Als Kind noch nicht. Aber schon damals haben mich Filme und Bücher interessiert – aber vor allem Menschen. Ich habe immer schon gerne beobachtet, den Gesprächen von Erwachsenen gelauscht und daraus in meinem Kopf meine eigenen Geschichten gesponnen.<BR /><BR /><b>Exzentrisch, eigenwillig, perfektionistisch: Charaktereigenschaften, die man gerne mit Filmregisseuren verbindet. Welche davon treffen auf Sie zu?</b><BR />Also exzentrisch bin ich nun wirklich nicht (lacht). Ruhe, Vertrauen und eine gute Zusammenarbeit mit meinem Team am Set sind mir viel wichtiger. Was ich aber schon bin ist perfektionistisch. Vor allem dann, wenn es um die Darstellung von Emotionen geht. Mich beschäftigt die Frage, wie man Gefühle im Film ehrlich und glaubwürdig erzählen kann.<BR /><BR /><b>Sind Sie ein emotionaler Mensch?</b><BR />Wenn man Filme macht, arbeitet man sehr intensiv mit menschlichen Gefühlen. Ich glaube, es ist ein großer Vorteil, wenn man einen Zugang dazu hat und eigene Gefühle zulässt. <BR /><BR /><b>Apropos Gefühle: Sind Sie vergeben?</b><BR />Ja, ich habe eine Partnerin, mit der ich in München lebe. <BR /><BR /><b>Sie haben kürzlich den renommierten Bayerischen Filmpreis gewonnen. Wie groß ist die Freude?</b><BR />Ich freue mich sehr über den Preis. Für mich ist er eine wunderbare Wertschätzung und Anerkennung – vor allem aber auch für all jene, die an diesem Film mitgewirkt haben. So viele Gewerke, Crew- und Cast-Mitglieder, Kleindarsteller und Komparsen haben dazu beigetragen. Dass ihre Arbeit auf diese Weise gewürdigt wird, freut mich unheimlich.<BR /><BR /><b>Stammen Sie eigentlich aus einer künstlerischen Familie?</b><BR />Nein, überhaupt nicht. Meine Eltern und Verwandten sind auf Bauernhöfen aufgewachsen.<BR /><BR /><b>Welchen Film wird man als nächstes von Ihnen sehen?</b><BR />Ich arbeite derzeit an mehreren Filmprojekten, schreibe Drehbücher für neue Kino- und Serienstoffe und hoffe, dazu bald mehr verraten zu können. <BR /><BR /><b>Sie wirken sehr bodenständig …</b><BR />Ich glaube, bodenständig zu sein hilft einem, weiter zu lernen, zu wachsen und sich als Mensch und Filmemacher weiterzuentwickeln.