Sonntag, 24. April 2016

„Ich freue mich immer, wenn ich die Staffel überlebe“

„Der Winter naht.“ Dieser Satz löste vor sechs Jahren einen Hype aus, der sich bis heute kaum gelegt hat: Seit fünf Staffeln fiebern Fernsehzuschauer in der ganzen Welt mit den Charakteren der Serie „Game of Thrones“ mit – Folge für Folge. Am Montag startet die 6. Staffel auch in Europa. Für STOL verrät einer der Hauptdarsteller vorab, was die Zuschauer erwartet.

Tom Wlaschiha verkörpert auch in der 6. Staffel den "Mann ohne Gesicht", genannt Jaqen H'ghar.
Tom Wlaschiha verkörpert auch in der 6. Staffel den "Mann ohne Gesicht", genannt Jaqen H'ghar.

"Sie kommen aus Südtirol? Na, wenn ich das gewusst hätte, hätten wir das Interview auch da machen können. Ich war gerade in Wolkenstein Skifahren."

Mit diesen lockeren Worten grüßt der deutsche Schauspieler Tom Wlaschiha am anderen Ende der Telefonleitung in Linz. Fröhlich und gut gelaunt – also das genaue Gegenteil seiner Rolle in der Kult-Fernsehserie „Game of Thrones“. Dort spielt der 42-Jährige einen ebenso düsteren wie geheimnisvollen Charakter: Er ist Jaqen H’ghar – ein „Mann ohne Gesicht“.

Am 25. April startet in Europa – und erstmals auch in Südtirol – die lang ersehnte 6. Staffel der amerikanischen Serie, die seit ihrem Start 2011 auf der ganzen Welt Millionen von Fans erobert hat. „Das Lied von Eis und Feuer“ hält seit damals, was es verspricht: Sex, Intrigen, Mord – und manchmal auch ein kleines Quäntchen Liebe.

KURZINFO: Wer ist Jaqen H’ghar?

Jaqen H’ghar ist ein Mitglied der „Männer ohne Gesicht“, eine Gilde von Auftragsmördern, die dem Vielgesichtigen Gott (ein Gott des Todes) huldigen und ihre Basis im „Haus von Schwarz und Weiß“ haben. Sie besitzen die Fähigkeit, ihre Gesichter physisch zu verändern und als völlig andere Person zu erscheinen. 

Jaqen H'ghar (Tom Wlaschiha) gewährt Arya Stark (Maisie Williams) Einlass in das Haus von Schwarz und Weiß. - Foto: sky.at

Südtirol Online: Herr Wlaschiha, mal vorne weg: Wie schätzen Sie die von allen mit Spannung erwartete 6. Staffel von „Game of Thrones“ (kurz GoT) ein?
Tom Wlaschiha (42): Ich habe sie ehrlich gesagt selbst noch nicht gesehen. Tatsächlich kenne ich ja bis jetzt nur meine Szenen. Natürlich habe ich aber die Drehbücher gelesen und kann eines sagen: Es gibt wieder einige Überraschungen und wird generell wieder eine sehr spannende Staffel.

STOL: Genaueres dürfen Sie aber vermutlich noch nicht verraten, oder?
Wlaschiha: Nein, natürlich nicht. Aber Vorfreude ist ja immer die schönste Freude (lacht).

STOL: Ihre Rolle des Jaqen H’ghar ist eine sehr geheimnisvolle, der Zuschauer weiß nie genau, was nun wirklich hinter der Figur steckt. Wissen Sie denn mehr?
Wlaschiha: Nein, eigentlich weiß ich auch nicht viel mehr als der Zuschauer. Das Erfolgsrezept von GoT sind die wahnsinnig gut geschriebenen Drehbücher. Alle Charaktere - nicht nur meiner - sind sehr ambivalent. Es ist wie im richtigen Leben: Man weiß nie, wem man trauen kann und wem nicht – und das macht es spannend. Für mich als Schauspieler ist es eine sehr dankbare Aufgabe: Man sucht immer nach vielschichtigen Rollen, die nicht nur schwarz oder weiß sind, sondern die richtig leben – so wie bei GoT.

STOL: Sie wissen also noch gar nicht, wohin sich Ihre Rolle entwickelt?
Wlaschiha: In der 6. Staffel habe ich natürlich mehr erfahren, über meine Figur, über das „Haus von Schwarz und Weiß“. Und die Geschichte mit Arya (Tochter von Lord Eddard und Lady Catelyn Stark) geht natürlich weiter. Es macht mir als Schauspieler großen Spaß, wenn ich in einer Folge jemanden umbringe und in der nächsten nett zu Arya bin. Da stellt sich das Ambivalente beim Zuschauer ganz automatisch im Kopf ein.

STOL: Sie sind mittlerweile als Hauptcharakter gelistet, was bei George R.R. Martin (Autor der Bücher, auf denen die Fernsehserie basiert, Anm.d.R.) ja immer gefährlich ist, da er sich dieser am liebsten entledigt. Haben Sie Befürchtungen in diese Richtung?
Wlaschiha: Es ist wie im richtigen Leben: Ich weiß nicht, wann ich sterbe (lacht). Das weiß aber tatsächlich keiner von uns am Set, auch wenn uns das viele nicht glauben. Mittlerweile gibt es auch keine Buchvorlagen mehr, und die einzigen 3 Leute, die wissen, wie es weitergeht, sind der Autor George R.R. Martin und die beiden Produzenten, David Benioff und D.B. White. Und die werden einen Teufel tun, uns irgendetwas zu verraten.

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Der erste Teaser der 6. Staffel zeigte die Halle der Gesichter im Haus von Schwarz und Weiß.

STOL: Dann bleibt es also auch für die Schauspieler immer spannend…
Wlaschiha: Ja, das ist für uns auch spannend, absolut.

STOL: Gibt es denn interne Wetten am Set, wer als nächstes stirbt?
Wlaschiha: Die gibt‘s wohl, zumindest habe ich schon davon gehört. Ich hab halt auch ein bisschen Glück mit meiner Rolle: Ich bin ja schon tot und hab nur mein Gesicht auf (lacht). Man könnte natürlich Jaqen H’ghar umbringen, aber dann könnte jemand anders kommen und mein Gesicht nehmen - und dann bin auch wieder ich es.

STOL: Ich hätte jetzt gerne nach Ihrer Meinung gefragt, wer denn wohl als nächstes stirbt. Aber da Sie die Drehbücher gelesen haben, wissen Sie es ja schon.
Wlaschiha: Ich weiß es natürlich. Ich könnte jetzt aber auch was ganz Falsches sagen (lacht). Aber ich denke da vor dem Lesen der Drehbücher nicht wirklich darüber nach. Dadurch, dass es keine Buchvorlage mehr gibt, wissen wir selber auch nie, ob wir überhaupt in der nächsten Staffel sind – ich selbst war ja auch 2 Staffeln lang nicht dabei. Wir erfahren das immer erst im Frühsommer, wenn der Sender HBO uns sagt, ob wir in der nächsten Staffel wieder dabei sind. Wenn man dann die Drehbücher zugeschickt bekommt, liest man die immer mit Angstschweiß durch und freut sich, wenn man die Staffel überlebt (lacht).

STOL: Sie haben gerade Ihre Auszeit bei GoT angesprochen: Wie war es, nach 2 Staffeln wieder ans Set zurückzukehren?
Wlaschiha: Das war natürlich wahnsinnig toll. Ich wusste anfangs nicht, dass ich zurückkommen würde - in den Büchern ist das ja nicht so. Die Produzenten hatten am Ende der 2. Staffel einmal vage angedeutet, dass es vielleicht eine Möglichkeit gäbe, dass ich eventuell irgendwann zurückkommen könnte. Aber ich wusste weder wann noch in welcher Form und hab mich deshalb natürlich riesig über den Anruf gefreut.

STOL: Sie drehen Ihre Szenen vor allem mit Maisie Williams (19, spielt Arya Stark, Anm.d.R.). Wie ist die Zusammenarbeit?
Wlaschiha: Maisie ist großartig. Sie verblüfft mich jedes Mal aufs Neue mit der Natürlichkeit, die sie vor der Kamera an den Tag legt. Ich hätte das in dem Alter niemals so spielen können. Sie ist wirklich ein Naturtalent. Das Interessanteste daran ist, dass Arya mit Maisie erwachsen wird und umgekehrt. Als ich Maisie in der 2. Staffel kennengelernt habe, war sie 13 oder 14 Jahre alt, praktisch noch ein Kind. Aber auch Arya war in ihren Handlungen noch sehr kindlich. Mittlerweile sind beide erwachsener geworden.

In der 2. Staffel lernten sich Arya Stark (im Bild vorne von hinten, Maisie Williams) und Jaqen H'ghar (gespielt von Tom Wlaschiha, im Käfig ganz rechts) kennen. Foto: sky.at

STOL: Sehen Sie denn die anderen Darsteller von GoT auch ab und zu?
Wlaschiha: Am Set selbst eigentlich nie. Ich treffe die meisten nur auf den Premieren, und natürlich gibt es vor jedem Drehbeginn Leseproben, bei denen wir alle zusammenkommen und alle 10 Drehbücher lesen. Aber ansonsten sehe ich sie nicht sehr oft.

STOL: Die Serie ist mit jeder Staffel beliebter geworden, es hat sich ein richtiger Hype darum entwickelt. Werden Sie auf der Straße angesprochen?
Wlaschiha: Ja, das passiert mir schon öfter. Und es überrascht mich auch immer, da ich ja im wirklichen Leben doch etwas anders aussehe - glücklicherweise. Lange Haare hatte ich mit 24, da bin ich mittlerweile darüber hinweg (lacht). Ich werde aber sehr oft in der 3. Person gegrüßt (Jaqen H’ghar spricht von sich selbst in der 3. Person, Anm.d.R.), und häufig werde ich mit „Valar Morghulis“ begrüßt (hoch-valyrisch für „Alle Menschen müssen sterben“, eine von Jaqen verwendete Redewendung, Anm.d.R.). Das macht Spaß, denn es ist schön, so ein Feedback zu kriegen. Das hat man ja sonst nicht sooft.

STOL: Und wie reagieren Sie dann?
Wlaschiha: Das hängt natürlich ganz von der Situation und von meiner Laune ab. Wer mich mit „Valar Morghulis“ begrüßt, kriegt ein „Valar Dohaeris“ zurück („Alle Männer müssen dienen“) - und dann freuen sich die Leute schon.

Kurze Haare, ein freundliches Lächeln auf den Lippen. So sieht Tom Wlaschiha im wahren Leben aus. - Foto: sky.at

STOL: Noch eine letzte Frage: Als „Mann ohne Gesicht“ kann ihre Rolle jede Gestalt annehmen, die sie will. In die Haut welchen Charakters von GoT würden Sie persönlich mal gerne schlüpfen?
Wlaschiha: Oh, das ist eine gute Frage. Ich mag ja sehr gerne die richtig fiesen Charaktere bei GoT. Joffrey (Baratheon, einst König der Sieben Königreiche, kalt, grausam und unberechenbar, Anm.d.R.) fand ich großartig, vor allem auch weil der Schauspieler, Jack Gleeson (23), eigentlich das komplette Gegenteil war. Aber auch Ramsay Bolton (der Bastard von Lord Roose Bolton, gespielt von Iwan Rheon (30), Anm.d.R.) finde ich toll (lacht). Die fiesen Typen sind immer interessanter.

Interview: Elisabeth Turker

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Die neue Staffel wird am Montag, 25. April – nur wenige Stunden nach dem US-Start auf Sky Atlantic HD gezeigt. Immer montags, 21.00 Uhr, wahlweise auf Deutsch oder Englisch.

stol