Die Gesellschaft braucht Kultur, weil sie ansonsten vertrocknet wie ein Blume in der Wüste Nevadas, ist der Filmemacher überzeugt und Johann Sebastian Bach würde er gerne fragen, ob er ihm die Musik für seine nächsten Filme schreiben könnte. <BR /><BR /><i><BR />Von Manuel Lavoriero</i><BR /><BR /><b>Können Sie sich an Ihren ersten Film erinnern, den Sie gedreht haben?</b><BR />Christoph Waldboth: Mit den Erinnerungen ist es so eine Sache. Sie belügen und betrügen uns und stammen im Falle von frühen Erinnerungen meist gar nicht wirklich von uns. Da gibt es verwackelte Filme mit der Kamera der Eltern, worum es ging, weiß heute niemand mehr. Ich kann mich auch an Geschichten erinnern, die ich in den ersten Schuljahren geschrieben habe. Aber ob es die ersten Werke waren, ist schwer zu sagen.<BR /><BR /><b>Welcher Film/Mensch hat Sie bewogen, diesen Weg einzuschlagen?</b><BR />Waldboth: Bei dieser Frage muss ich immer den einen Film nennen, der mich zu der Entscheidung gebracht hat, selbst Regisseur zu werden. Es ist „Mulholland Drive“ von David Lynch aus dem Jahr 2001. Zum ersten Mal habe ich verstanden, was das Kino wirklich kann, und welches Potential vor allem erzählerisch darin liegt. Dieser Film und das Gesamtkunstwerk Bob Dylan haben mich bisher wohl am stärksten geprägt.<BR /><BR /><b>Gibt es ein Ereignis, das Ihr Weltbild total verändert hat?</b><BR />Waldboth: Ich würde nicht von einem neuen Weltbild sprechen wollen, aber der frühe Tod einer Freundin hat mich gedanklich in völlig neue Richtungen getrieben. Ohne dieses „Ereignis“ wäre ich heute vermutlich nicht derselbe Mensch. <BR /><BR /><b>Mehr denn je hat sich in dieser Zeit gezeigt, dass die Gesellschaft Kultur braucht, weil…</b><BR />Waldboth: …sie ansonsten vertrocknet wie ein Blume in der Wüste Nevadas.<BR /><BR /><b>Wer ist für Sie der bedeutendste Künstler der Geschichte?</b><BR />Waldboth: Dazu müsste ich alle kennen, und das tue ich bei weitem nicht. Ich glaube auch nicht, dass man diese Frage ernsthaft beantworten kann. Die Antwort kann morgen schon eine ganz andere sein. Am heutigen Tag… Johann Sebastian Bach vielleicht.<BR /><BR /><b>Welche Frage würden Sie ihm gerne stellen?</b><BR />Waldboth: Ob er mir die Musik für meine nächsten Filme schreiben könnte. Ich kann zwar keine Gage zahlen, verlinke ihn aber in den sozialen Netzwerken.<BR /><BR /><b>Was bedeutet für Sie Schönheit?</b><BR />Waldboth: Schönheit liegt für mich in allen Dingen, genauso wie das Hässliche in allen Dingen ist. Es kommt bloß auf den persönlichen Blickwinkel an. Abgesehen davon kann auch das Hässliche schön und das Schöne hässlich sein. Ich erfreue mich an der Schönheit und versuche, sie so oft es geht in meinen eigenen Werken hervorzuheben. <BR /><BR /><b>Der französische Poet Théophile Gautier prägte den Begriff „L’art pour l’art“ (Kunst der Kunst willen) und machte so 1835 erstmals die Kunst selbst zum Thema. Einen Luxus, den man sich heute noch leisten kann?</b><BR />Waldboth: Ein Luxus, den man sich heute noch leisten MUSS. Kunst sollte immer nur um ihrer selbst willen entstehen und bestehen. Sobald sie sich in den Dienst einer anderen Sache stellt, verliert sie ihre Glaubwürdigkeit und Ehrlichkeit. <BR /><BR /><b>Und was würden Sie gerne einmal einem Kunstkritiker sagen?</b><BR />Waldboth: Ich würde ihm oder ihr nichts sagen, sondern sie ins Kino einladen und anschließend bei einer Flasche Wein über das Gesehene sprechen. Oder, und das wäre vielleicht noch besser, im Falle von Filmkritikern, sie zu einem Besuch an meinem Set einladen. <BR /><BR /><b>Wo sehen Sie sich in 5 Jahren?</b><BR />Waldboth: In einem Hotelzimmer mit heruntergelassenen Jalousien, durch deren Schlitze die Sonne dringt, und ich denke mir hoffentlich irgendetwas Originelles aus. <BR /><BR /><b>Harmonie bedeutet für mich…</b><BR />Waldboth: Nicht unbedingt das, was im Allgemeinen als harmonisch gilt. In der Harmonie liegt leider auch eine große Schwäche der Menschen. Wir sind harmonie-bedürftig, aber in der Harmonie liegt eine Form des Stillstands. Wir werden nicht herausgefordert, wir müssen uns nicht dem Unerwarteten, Unbequemen stellen. Kunst ist nur allzu oft viel zu harmonisch, um etwas auszulösen. Für mich persönlich liegt die Harmonie in den unvorhersehbaren Augenblicken des Alltags. Und wie ein solcher ist sie ist meist nur von kurzer Dauer.<BR /><BR /><b>Mein Ort der Harmonie ist…</b><BR />Waldboth: Das mag kitschig und abgedroschen klingen, aber es ist der Ort, an dem ich umgeben von meinen liebsten Menschen bin.<BR /><BR /><b>Die „Whos“ des Künstlers…</b><BR /><BR /><b>Name:</b> Christoph Waldboth<BR /><b>Beruf:</b> Filmemacher und Autor<BR /><b>Alter:</b> 24<BR /><b>Geburtsort:</b> Bozen <BR /><BR /><b>Wo Sie schon überall gelebt haben:</b> Bozen, München, Wien<BR /><BR /><b>Wo Sie jetzt leben:</b> Wien<BR /><BR /><b>Wie war Ihr Werdegang zum Künstler:</b> Irgendwie passiert.<BR /><BR /><b>Was haben Sie studiert:</b> Film-und Fernsehen - Regie<BR /><BR /><b>Wo haben Sie schon überall ihre Filme gezeigt</b>: Diverse Filmfestivals, Bühnen…<BR /><BR />Kurzfilm: <a href="https://www.youtube.com/watch?v=iA_0T9J5Qys" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">Junge und Mädchen </a><BR /><BR /><BR /><BR />