<b>von Micaela Taroni</b><BR /><BR />Das Erfolgsduo, das in Wien lebt, erzählt in seinem neuen Streifen – wie gewohnt semidokumentarisch – von der Welt eines alternden Bluesmusikers, die langsam in sich zusammenfällt. Über den Film haben wir uns vor der Ausstrahlung mit Tizza Covi unterhalten.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1279131_image" /></div> <BR /><BR /><b>Sie haben schon an wichtigen großen Filmfestivals wie dem in Venedig etwa teilgenommen, nun ist Ihr Film bei der Berlinale sogar im Hauptwettbewerb. Was erwarten Sie sich?</b><BR />Tizza Covi: Wir waren schon in Berlin mit unseren Filmen, aber immer in anderen Sektionen, der Hauptwettbewerb ist etwas Neues für uns. Wir lieben die Berlinale, denn sie ist ein mutiges Festival, das auch vielen ungewöhnlichen Autorinnen und Autoren Platz gibt. Und es ist ein großes Publikumsfest. An den Tagen des Festivals sind die Kinos voll, die Atmosphäre ist beeindruckend. Wir freuen uns schon sehr, viele neue Arbeiten von Kollegen entdecken zu dürfen.<BR /><BR /><b>Können Sie uns schon einige Details zu Ihrer Arbeit verraten? Um was geht es in „The Loneliest Man In Town“?<BR />Covi: Der Film erzählt die Geschichte eines</b> alternden Musikers, es geht um Mut, Einsamkeit und Verlust, alles Dinge, die sich auch mit Humor erzählen lassen, etwas, was essenziell in unseren Filmen ist. Unser Protagonist ist diesmal Alois Koch, ein begnadeter Bluesmusiker, der unter dem Künstlernamen Al Cook in Wien lebt, und zwar in der Wohnung aus seinen Kindheitstagen. Jede Ecke ist gefüllt mit angesammelten Objekten: Platten, Bücher, Videokassetten und Fotografien, und im Keller hat er sich ein kleines Tonstudio eingerichtet. Sein Gleichgewicht gerät ins Wanken, als eine Immobilienfirma den Abriss des Hauses beschließt. Dieser Einschnitt zwingt ihn, zu handeln: Er ist gezwungen, sein Hab und Gut zu verkaufen, und einen radikalen Neuanfang zu wagen.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1279134_image" /></div> <BR /><BR /><b>Wie viel Wirklichkeit steckt in dieser Geschichte?</b><BR />Covi: Es ist eine fiktionale Geschichte, die sich aber, wie die meisten, aus der Wirklichkeit nährt. Zurzeit werden in Wien sehr viele alte Häuser abgerissen, um daraus Profit zu schlagen, darum spiegelt diese Erzählung auch den urbanen Wandel der Stadt wider. Weiters versucht der Film aufzuzeigen, was passiert, wenn der physische Raum, der Erinnerungen bewahrt, Stück für Stück verschwindet.<BR /><BR /><b>Die Filmmusik stammt größtenteils von Al Cook selbst, darunter der Titelsong „The Loneliest Man In Town“...</b><BR />Covi: Ja, es war von Anfang an klar, dass wir viel von seiner Musik verwenden wollen. Rainer und ich sind große Blues-Fans. Als Künstler hat Al Cook sich schon zu Beginn seines Musikerdaseins mit der Frage beschäftigen müssen, ob er nur die Musik spielen soll, die er liebt, oder ob er auch kommerziellere Songs ins Repertoire aufnehmen soll. Er hat sich für Ersteres entschieden. Daher ist er außerhalb Wiens kaum bekannt.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1279137_image" /></div> <BR /><BR />Ihr letzter Film „Vera“ spielte in Italien. „The Loneliest Man In Town“ wurde in Wien gedreht. Wohin führt Sie das nächste Filmprojekt?<BR />Covi: Im kommenden Jahr werden wir voraussichtlich wieder in Rom drehen, aber darüber kann ich im Moment nicht viel verraten, da wir noch in der Anfangsphase sind.<BR /><BR /><b>Premiere:</b><BR />19.2., 15 Uhr, Berlinale Palast. Über den Film wird Marian Wilhelm aus Berlin berichten.<h3> Zu Tizza Covi und Rainer Frimmel</h3>Die Regisseurin (*1971, Bozen) und der Regisseur (*1971, Wien) arbeiten seit 1996 zusammen. Nach ihrem Studium an der Höheren Graphischen Lehranstalt in Wien drehten sie 2001 „Das ist alles“, ihren ersten gemeinsamen Film. 2002 gründeten sie in Wien die Filmproduktionsfirma Vento Film, um unabhängig produzieren zu können. In der Folge realisierten sie „Babooska“ (2005), und dann die Spielfilme „La Pivellina“ (2009), „Der Glanz des Tages“ (2012) und „Mister Universo“ (2016). Ihr Dokumentarfilm „Aufzeichnungen aus der Unterwelt“ wurde 2020 bei der Berlinale vorgestellt. Ihr letzter Spielfilm „Vera“ gewann beim Filmfestival von Venedig 2022 gleich zwei Preise: für die beste Hauptdarstellerin Vera Gemma und für die beste Regie. Außerdem wurde „vera“ bei der Diagonale in Graz als bester Spielfilm ausgezeichnet.