Seit dem 21. August wurden 15 Millionen Kinobesucher in Italien gezählt. Lockdowns im Frühjahr, Corona-Restriktionen, darunter die seit dem 6. Dezember geltende 2G-Regel, drücken die Zahl der Kinobesucher.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="716669_image" /></div> <BR /><BR />„Unser Markt war bereits vor der Pandemie im Vergleich zu anderen europäischen Ländern schwach und er hat in diesen beiden Jahren besonders stark gelitten“, berichtet <b>Luigi Lonigro</b>, Präsident des ANICA-Verbands. „Alles wird für uns komplizierter. Wir werden wahrscheinlich harte Entscheidungen treffen müssen: Es macht wenig Sinn, Filme in die Kinos zu bringen, die nur geringe kommerzielle Erfolgschancen haben“, warnt Lonigro.<BR /><BR />Nur wenige italienische Filme haben in diesem Jahr Einnahmen in der Größenordnung zwischen 1,5 Millionen Euro und 3 Millionen Euro verzeichnet. Zu ihnen zählen Nanni Morettis Film <b>„Tre Piani“</b>, Mario Martones <b>„Qui rido io“</b> und Paolo Sorrentinos <b>„É stata la mano di Dio“.</b> Große Hoffnungen setzen Kinobetreiber auf den Blockbuster <b>„Spiderman“,</b> der seit dieser Woche in den Kinos läuft. <BR /><BR /><BR />Die Auswirkungen der Pandemie auf die Beschäftigung sind schwer abschätzbar. Italien zählt 1200 Kino Säle mit 4000 Bildschirmen. Die Aussichten für 2022 sind besser, gerechnet wird mit weniger Corona-Restriktionen. So erwartet sich ANICA einen Marktaufschwung von 60 Prozent gegenüber dem Vorjahr. „Wir müssen geschlossen zusammenarbeiten und an das gemeinsame Wohl der Branche denken. Bisher haben wir von Stützungsmaßnahmen profitiert, keine Filmvertriebsgesellschaft ist zugrunde gegangen. Lediglich 8 Prozent der Kinos haben geschlossen. Doch die Zukunft ist für uns nicht einfach“, meinte Lonigro. <BR /><BR /><BR />Die Regierung Draghi bemüht sich indes um Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit des Film- und audiovisuellen Sektors. Dank des Wiederaufbauprogramms „Recovery Plan“ sollen den Bereichen Kultur und Tourismus 6,68 Milliarden Euro zugeschanzt werden. 300 Millionen Euro sollen im Rahmen des Projekts „Entwicklung der Filmindustrie“ den römischen Filmstudios Cinecittà zufließen. Die Regierung bemüht sich um Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit des Film- und audiovisuellen Sektors.<BR /><BR /><BR /><b>Und was sagen Südtirols wichtigste Kinobetreiber?</b><BR /><BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="716672_image" /></div> <BR /><BR />„Seit der Pandemie haben wir ca. 50 Prozent weniger Kinobesucher, dieselben Zahlen gelten europaweit. War ich nach dem ersten Lockdown im Sommer 2020 noch optimistisch, so habe ich heute keine große Hoffnung, dass sich die Situation in absehbarer Zeit ändern wird. Alles hängt davon ab, wie sich die Pandemie weiterentwickelt. Die große Herausforderung sehe ich darin, die Menschen, sobald Normalität einkehrt, wieder ins Kino zu bringen. Es scheint jetzt fast so, dass wir es verlernt hätten auszugehen. Es herrscht, auch wegen der immer neuen Verordnungen, große Verunsicherung. Wir müssen die Leute sozusagen zu Hause abholen, ihnen das Kino-Vergnügen wieder beibringen. Heute unterscheiden die Besucher sehr wohl, ob ein Film es wert ist, im Kino gesehen zu werden oder nur vor dem Bildschirm zu Hause. 'È stata la Mano di Dio' etwa wird zurzeit gut besucht.“ (eva)<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="716675_image" /></div> <BR /><BR />„Auch wir im Cineplexx können mit denselben Zahlen wie im Rest-Italien aufwarten. Es ist eine Katastrophe. Wenn man zudem bedenkt, dass unser Kino 14 Monate geschlossen war, dem entsprechend ist der Einbruch im Verkauf von Kinokarten. Auch in den vergangenen Monate hatten wir wenige Besucher. So schlechte Zahlen habe ich noch nie erlebt. Selbst aber bin ich der Meinung, dass die Besucher wieder ins Kino kommen werden, sobald sich die Coronalage entspannen wird, denn ich habe bemerkt, dass wichtige Blockbuster doch anziehend wirken auf das Publikum, wie etwa der neue James Bond im Herbst. Gestern etwa sind die Filme Spiderman und House of Gucci gestartet, und der Andrang war groß. Natürlich sind die pandemiebedingten Hindernisse wie etwa der Lockdown in Österreich, der verhinderte, dass wir hier deutsche Filme beziehen konnten, nicht förderlich fürs Kino.“ (eva)<BR /><BR /><BR /><b>Blick ins Kino von Kino</b><BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="716678_image" /></div> <BR /><b><BR /><BR />„È stata la Mano di Dio“</b><BR /><BR /><BR />Paolo Sorrentino bekam beim diesjährigen FIlmfestival von Venedig viel Applaus für seinen bisher persönlichsten Film <b>„È stata la Mano di Dio“.</b> Die Netflix-Produktion des Oscar-Preisträgers kommt nun nach dem Lockdown und kurz vor Streaming-Start doch noch ins Kino. Anders als der Titel vermuten lässt, ist weder der Fußball allgemein noch Diego Maradona im speziellen Thema. Dennoch hatten die Anwälte des Fußballers einige Monate vor dessen Tod vergangenes Jahr noch eine Klage geprüft. Der berühmteste angenommene Sohn von Napoli spielt nur im Hintergrund sein Spiel während Protagonist Fabio gerade dabei ist, erwachsen zu werden. <BR /><BR /><BR />Darsteller <b>Filippo Scotti</b> erhielt für diese Rolle in Venedig den Marcello-Mastroianni-Nachwuchs-Preis. Sein Fabietto ist ein jugendlich-orientierungsloser junger Mann, der im autobiografischen Rückspiegel des Autoren-Regisseurs Sorrentino langsam zum potentiellen Filmemacher wird. Zunächst hat er vor allem die Frauen im Kopf, vor allem seine fesche Tante Patricia, die sich nicht nur in seinen feuchten Träumen gerne nackt präsentiert, aber auch unter einem gewalttätigen Ehemann zu leiden hat. Sie ist nur eine von vielen seltsamen Figuren in dieser „Famiglia“, die Sorrentino in seinen persönlichen Erinnerungsfilm packt. Da gibt es die fluchende Oma, die im Pelzmantel Ricotta in sich hinein stopft, den Verehrer der dicken Tante, der mit einer elektronischen Sprechhilfe Backrezepte referiert oder die arrogante verwitwete Baronesse in der Wohnung oberhalb, die Fabio einiges beizubringen hat. Und beim Fußball-Finale sitzt dann das ganze Haus am Balkon und jubelt den blau-weißen Helden zu.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="716681_image" /></div> <BR /><BR /><BR />Als die Eltern (liebevoll-italienisch: Toni Servillo und Teresa Saponangelo) bei einem Kohlenmonoxid-Unfall im Wochenendhaus sterben, meint der ansonsten zynische Onkel, die Hand Gottes habe ihn gerettet. Denn Fabio ist nur wegen eines Napoli-Heimspiels mit Maradona nicht dabei gewesen. <BR /><BR /><BR />Das Waisenkind Sorrentino erzählt diese autobiografisch-traurige Coming-of-Age-Geschichte zugleich als große nostalgische Liebeserklärung an seine Heimatstadt am Vesuv. Dabei hat „È Stata la Mano di Dio“ das Herz am rechten Fleck und beschwört ordentlich Sehnsucht nach Süditalien herauf. Der oft mit Fellini verglichene 51-jährige Regisseur Paolo Sorrentino inszeniert diesmal eher langsam und ohne den fließenden Rythmus seines opulenten römischen Oscar-Gewinners „La Grande Bellezza“. Im Hollywood Reporter wird der Film weniger als Hommage an „La Dolce Vita“ und mehr an Fellinis „Amarcord“ gesehen. Und Fellini selbst hat darin auch einen Überraschungsauftritt.<BR /><BR /><BR /><Fett>Termin:</Fett> Derzeit im Filmclub Bozen<BR /><BR /><BR />