Die aus der Schweiz stammende argentinische Regisseurin Milagros Mumenthaler erzählt darin sehr sensibel die Geschichte von drei Schwestern, die nach dem Tod der Großmutter ihren Alltag alleine meistern müssen.Hauptdarstellerin Maria Canale, die die älteste der Drei spielt, wurde im Hauptwettbewerb („Concorso Internazionale“) zudem als beste Schauspielerin ausgezeichnet.Die Regisseurin Mia Hansen-Løve konnte mit der französisch-deutschen Koproduktion „Un amour de Jeunesse“ („Eine Jugendliebe“) eine „besondere Erwähnung“ der Jury erringen. Die Poesie der eigenwilligen Liebesgeschichte beeindruckte die Juroren. Jury-Vorsitzender war der portugiesische Produzent Paulo Branco.Ihren Spezialpreis, einen Silbernen Leoparden für einen herausragenden Film, gab die Jury dem Israeli Nadav Lapid. Sein Debüt „Hashoter“ („Policemen“) beleuchtet pointiert den Alltag von Israelis und Palästinensern. Der Film war einer der politisch spannendsten des Festivals.Politisch war auch „Din dragoste cu cele mai bune intentii“ („Beste Absichten“) des Rumänen Adrian Sitaru.Für seinen erst zweiten Spielfilm, eine rumänisch-ungarische Koproduktion, erhielt er den Silbernen Leopard als bester Regisseur. Hauptdarsteller Bogdan Dumitrache wurde außerdem als bester Schauspieler ausgezeichnet.Der Wettbewerb der Sektion „Cineasti del presente“ gehört von vornherein allein dem Nachwuchs. Die Jury dieses Wettbewerbs – Vorsitz: der Regisseur Christoph Hochhäusler – kürte das Jugendmärchen „L'estate di Giacomo“ (Italien/Frankreich/Belgien) mit einem Goldenen Leoparden. Es ist das Spielfilmdebüt des italienischen Regisseurs Alessandro Comodin.Alle Jurys votierten für ein Kino sensiblen Erzählens ohne grelle Effekte. Die Jury des Hauptwettbewerbs betonte das mit der einmaligen Vergabe eines „Goldenen Leoparden als Spezialpreis der Jury“ an den Japaner Shinji Aoyama für, wie es hieß, „sein bemerkenswertes Filmschaffen“. In diesem Jahr zeigte er in Locarno den Film „Tokyo Koen“: eine leise Geschichte um junge Leute.In allen Sektionen dominierte Sensibles. Wie sehr die Zuschauer das schätzen, bewies nicht zuletzt der Publikumspreis. Er wird durch eine Umfrage ermittelt, aus dem Programm aller außerhalb der Wettbewerbe auf der Piazza Grande in open air gezeigten Filme. In diesem Jahr ging er an „Bachir Lazhar“ (Kanada). Regisseur Philippe Falardeau erzählt darin die Geschichte eines algerischen Immigranten in Montréal.Die Preisverleihung in Locarno hat gezeigt: Olivier Père, erst zum zweiten Mal künstlerischer Leiter des Festivals, lag mit seiner Filmauswahl richtig. Der Zuspruch von Publikum und Jurys bei dem nach nun zehn Tagen glanzvoll beendeten Festival gehörte eindeutig dem Anspruchsvollen.dpa