„Meek's Cutoff“ spielt im Wilden Westen Amerikas im Jahr 1845. Der Film hat alle Zutaten für einen Western: Pistolen, Pferde, Planwagen und Indianer. Doch mit einem Wild-West-Drama wie „High Noon“ oder „True Grit“ hat der Streifen der amerikanischen Independent-Regisseurin Kelly Reichardt nichts gemein.Sie schickt drei Siedlerfamilien auf den Weg nach Westen durch die unwirtliche Wüste von Oregon. Es gibt keine Saloons, keine blutigen Duelle, keine heroischen Taten, keine Wildwest-Romantik.Der einsame Siedler-Treck durch die menschenleere Landschaft wird zum Überlebensdrama, als die Pioniere einem Scout folgen, der ihnen eine Abkürzung in den gelobten Westen verspricht. Den Trapper Stephen Meek, gespielt von Bruce Greenwood, gab es tatsächlich, das ist historisch verbrieft.Sein angepriesener „Cutoff“, der die gefährliche Reise um Wochen verkürzen sollte, existierte dagegen nicht. Allmählich gehen die Vorräte und das Wasser aus, das Vertrauen der Familien in ihren großspurigen Anführer schwindet.Wilde Schießereien und lautes Indianergeheul fehlen. Es ist ein stiller Film, nur das Nötigste wird auf den langen Märschen gesprochen. Flüsternd planen die Ehemänner am Lagerfeuer den nächsten Schritt. Die Frauen fügen sich in ihre Rolle: Holz sammeln, Feuer machen, die Zelte aufschlagen.Die großen Hauben bleiben meist auf dem Kopf, wie es sich für die Zeit gehört. Doch am Ende ist es eine der Frauen, die Meek herausfordert und es wagt, einem gefangenen Indianer zu trauen.Western würden ihr gefallen, nur „die Macho-Elemente“ sei sie leid, sagte Regisseurin Kelly Reichardt vor dem US-Kinostart der „New York Times“. So schildert sie das harsche Leben aus der Sicht der drei Ehefrauen. Michelle Williams, die in „Brokeback Mountain“ die verletzte Frau an der Seite eines schwulen Cowboys spielte, stellt mit minimaler Gestik die stärkste der Siedlerinnen dar. Paul Dano, der zuletzt in „Cowboys & Aliens“ auf den Putz haute, mimt einen der wortkargen Ehemänner, dem die Ausweglosigkeit der Lage zusetzt.Williams ließ sich nach eigenen Angaben von Tagebüchern der Pionierfrauen inspirieren. Sie bewundere die Kraft der Frauen, die noch „am Ende des längsten Tages, den man sich vorstellen kann“, ihre Erlebnisse zu Papier brachten, sagte die Schauspielerin der „New York Times“. Die Strapazen, die Angst und die zermürbende Ungewissheit, ob sie ihr Ziel erreichen, bringen die Schauspieler überzeugend auf die Leinwand.Bestimmt halfen die harten Drehbedingungen dabei mit. „Wir hatten null Luxus. Wir waren jeden Tag in der Wüste. Es war körperlich total anstrengend“, erzählte Reichardt dem „San Francisco Chronicle“. „Die Schauspieler durften ihre Kleidung nicht waschen, denn die Pioniere konnten das auch nicht. Alle klagten darüber, dass ihre Sachen so schlecht riechen“.Zumindest Williams konnte ahnen, was die Regisseurin den Schauspielern abverlangen würde. Sie hatte bereits 2009 in Reichardts Sozialdrama „Wendy & Lucy“ die Hauptrolle übernommen. Darin zog sie als Aussteigerin auf der Suche nach Arbeit mit Hund Lucy in die Wildnis von Alaska. Der pessimistische Film war das krasse Kontrastprogramm zu den Verheißungen des American Dream. Auch „Meek's Cutoff“ räumt mit Träumen und Erwartungen auf, nur in einer anderen Epoche.dpa