Die finanziellen Einschnitte durch die Corona-Krise sind für viele Kreative existenzgefährdend. Ob Musikschaffende, Veranstalter oder Autorinnen und Autoren, sie alle leiden unter abgesagten Konzerten, Lesungen oder Messen. Hier der Ländervergleich in Bezug auf Kultur-Förderung.<BR /><BR /><BR /><BR />Von Micaela Taroni und Eva Bernhard<BR /><BR />5,6 der 191 Milliarden Euro, die Italien im Rahmen des Wiederaufbauprogramms „Recovery Plan“ ausgeben darf, sind der Kultur vorbehalten. Ein wesentlicher Punkt im Plan der Regierung sind Interventionen in den Regionen für Großprojekte, die zu touristischen Magneten werden könnten. So sprach Kulturminister <b>Dario Franceschini</b> (im Bild) vor dem Parlament die Renovierung des <b>Porto Vecchio</b> in Triest sowie Instandhaltungsarbeiten auf der <b>Via Appia Antica</b> in Rom an. Der zweite Punkt des großangelegten Plans, an dem das Kulturministerium arbeitet, ist jenes einer großen <b>„digitalen Bibliothek“</b>: Die Digitalisierung von Daten zu Italiens künstlerischem und kulturellem Erbe soll vorangetrieben werden. Der dritte Punkt betrifft die <b>Zugänglichkeit</b> zu Orten der Kultur und des kulturellen Erbes, womit der Abbau architektonischer Barrieren und die Anpassung an antiseismischen Sicherheitsmaßnahmen verbunden ist. Dafür will der Staat 300 Millionen Euro ausgeben.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="624623_image" /></div> <BR />Auch möchte die Regierung u.a. bei den römischen Filmstudios von <b>Cinecittà</b> einsteigen, in denen legendäre Filme wie „Ben Hur“, „Quo Vadis“ und „Gangs of New York“ gedreht wurden. Das „Istituto Luce“, seit 2017 Eigentümer der Filmstudios, soll in eine Aktiengesellschaft umgewandelt werden. Dies soll den Einstieg der Regierung und der staatlichen Förderbank CDP in das Kapital des Instituts ermöglichen. CDP besitzt ein im südlichen Teil Roms an die Filmstudios angrenzendes Areal. Damit könnte sich die Cinecittà-Fläche verdoppeln, berichtete der Kulturminister. „Der audiovisuelle Markt wächst enorm. Italien ist mit der Schönheit seiner Natur, seiner Kunst und Kultur der ideale Standort für Dreharbeiten“, erklärte Franceschini. Dank Steuerförderungen für Filmproduktionsgesellschaften sei das Interesse internationaler Filmproduktionsgesellschaften für Italien stark gewachsen.<BR /><BR /><BR />Franceschini kündigte vor dem Parlament auch ein <b>„G20-Gipfeltreffen der Kultur“</b> an. „Wir waren das erste Land, das 2017 den G7 der Kultur in Florenz organisiert hat. So werden wir in diesem Jahr, in dem Italien den G20-Vorsitz innehat, auch ein Treffen der G20-Kulturminister organisieren, bei dem aktuelle internationale Themen wie der Kampf gegen den illegalen Handel von Kulturgütern, Maßnahmen bei Naturkatastrophen, die das Kulturgut gefährden und Copyright-Schutz besprochen werden sollen“, erklärte der sozialdemokratische Minister.<BR /><BR /><BR /><b>Deutschland</b><BR /><BR />Die finanziellen Einschnitte durch die Corona-Krise sind für viele Kreative existenzgefährdend. Ob Musikschaffende, Veranstalter oder Autorinnen und Autoren, sie alle leiden unter abgesagten Konzerten, Lesungen oder Messen. So rechnete 2020 die deutsche Regierung mit insgesamt bis zu 28 Milliarden Euro Ausfällen in der Kreativwirtschaft. Doch es gibt finanzielle Hilfe – vom Bund, von den Ländern, von Kommunen und Institutionen. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="624626_image" /></div> <BR /><b>Corona-Hilfen: Eine Milliarde Euro für Kulturbranche in Deutschland 2020</b><BR /><BR />„Es steht eine Menge auf dem Spiel. Wir wollen die Kulturlandschaft so großflächig retten wie möglich“, sagte im Juni 2020 die deutsche Kulturstaatsministerin <b>Monika Grütters</b> (im Bild). Mit einem „kraftvollen Aufschlag“ in Höhe von einer Milliarde Euro wurde der coronabedingt darbenden Kulturszene über die Krise geholfen. Die Kultur bekam damit ihr eigenes Programm, blieb aber auch Teil des großen Ganzen und damit anderer Hilfsprogramme. Mit 250 Millionen Euro wurden Kultureinrichtungen bei der Umsetzung etwa von Hygienekonzepten, Online-Ticket-Systemen oder Belüftungssystemen geholfen. Die Gelder erhielten vor allem Einrichtungen, die nicht überwiegend öffentlich finanziert werden wie Kulturzentren, Musikclubs, Theater, Kinos, Messen oder Literaturhäuser.<BR /><BR />Bis zu 450 Millionen Euro waren vorgesehen, um Kulturschaffende aus der Kurzarbeit zu holen und ihr Wirken zu finanzieren – unterteilt in Mittel für Musikfestivals oder entsprechende Veranstalter (150 Millionen Euro), Theater und Tanz mit Privattheatern oder Festivals (150 Millionen Euro), Film mit Kinos, Produktion und Verleih (120 Millionen Euro) und andere Bereiche wie Galerien, soziokulturelle Zentren oder Buch- und Verlagsszene (30 Millionen Euro).<BR /><BR />Für die Schaffung digitaler Angebote etwa in Museen, Konzerthallen oder Theatern standen 150 Millionen Euro bereit. Mit 100 Millionen Euro wurden coronabedingte Einnahmeausfälle ausgeglichen. Bei einzelnen betroffenen Künstlern und Kulturschaffenden verwies Grütters weiter auf die vereinfachte Grundsicherung zur Absicherung individueller Lebensumstände.<BR /><BR />Hinter dieser Milliarde türmen sich noch weitere Hilfen auf, kombiniert mit Mitteln anderer Bundesressorts und den Programmen der für Kultur zuständigen Länder mit zusätzlich fünf bis sechs Milliarden Euro. Stützen gab es etwa für Soloselbstständige, Gutscheinlösungen für Veranstalter oder Liquiditätshilfen. Auch mit der Entlastung der Kommunen wurde der Kultur geholfen, weil dort viele Einrichtungen verankert sind. In normalen Jahren ohne Virus liegen die Kulturausgaben zusammengenommen bei jährlich zwischen 9,3 und 9,5 Milliarden Euro.<BR /><BR /><b>Coronahilfen 2021: Stand, 9. März</b><BR /><BR />Anfang März wurde ein Anschlussprogramm für das Rettungs- und Zukunftsprogramm „Neustart Kultur“ in Höhe von 1 weiteren Milliarde Euro aufgelegt. Weitere Gelder werden folgen. In über 50 Teilprogrammen, die in enger Abstimmung mit den unterschiedlichen Dachverbänden der kulturellen Sparten entwickelt und realisiert wurden, sind bereits fast 900 Millionen Euro und damit rund 90 Prozent des gesamten NEUSTART KULTUR-Programms konkret belegt. 421 Millionen Euro des Programms wurden mittlerweile von den mit der Abwicklung betrauten Verbänden und Fonds bewilligt.<BR /><BR /><b>Das Programm ist in folgende 4 Programmlinien gegliedert:</b><BR />1. Pandemiebedingte Investitionen (bis zu 250 Millionen Euro)<BR />2. Stärkung der Kulturinfrastruktur (bis zu 480 Millionen Euro)<BR />3. Alternative, auch digitale Kulturangebote (bis zu 150 Millionen Euro)<BR />4. Kompensation pandemiebedingter Einnahmeverluste und Mehrbedarfe bei bundesgeförderten Häusern und Projekten (bis zu 100 Millionen Euro)<BR /> Die Mittel werden einerseits nach dem Datum der Antragstellung und Prüfung durch die Mittel vergebende Institution vergeben, solange diese vorhanden sind. In anderen Programmen findet eine Jurierung durch eine Fachjury nach fachlichen bzw. künstlerischen Qualitätskriterien statt.<BR /><BR /><b>Österreich</b><BR /><BR />20-Mio.-Euro-Neustartpaket für Kunst und Kultur.<BR />(Stand, 10. März 2021)<BR /><BR />In Österreich ging es 2020 hauptsächlich um die Sicherung des Überlebens: Das für 2021 vorgesehen Paket soll zusätzliche Impulse für den Neustart liefern. Die Kulturbranche steht in der Pandemie vor ganz besonders großen Herausforderungen, deshalb hat die österreichische Bundesregierung ein Neustart-Paket in der Höhe von 20 Mio. Euro für die Kunst- und Kulturszene beschlossen. Mit diesem Paket wolle man die Kulturbranche auf dem Weg zurück in die Normalität begleiten, erklärte die österreichische Kunst- und Kulturstaatssekretärin <b>Andrea Mayer</b> Anfang März.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="624629_image" /></div> <BR /><b>Maßnahmen im Bereich Kunst und Kultur</b><BR /><BR /><b>1. Kunst und Kultur ermöglichen (6 Mio. Euro)</b><BR />Förderprogramm „Von der Bühne zum Video“ (2 Mio. Euro): Für Video-Adaptionen und Streaming von Bühnenproduktionen im Bereich der darstellenden Künste und Musik<BR />Förderprogramm „Kultur im Freien“ (2 Mio. Euro): Für Zusatzkosten für Kulturveranstaltungen im Outdoor-Bereich<BR />Förderprogramm für innovatives Kunstschaffen (2 Mio. Euro): Für innovative künstlerische Ausdrucksformen und Genres, die nicht in die bisherigen Förderschemata passen<BR /><BR /><b>2. Investitionen (10 Mio. Euro)</b><BR />Förderungen für Investitionen in geschlossene Kulturräume, um sie für den Neustart attraktiver zu machen. (Z.B. Lüftungsanlagen, Adaptierung/Sanierung von Zuschauerräumen, Überarbeitung von Websites etc.)<BR /><BR /><b>3. Publikum motivieren (4 Mio. Euro)</b><BR />Abo-Förderprogramm: Abonnements bzw. andere serielle Ticket-Angebote sollen gefördert werden, sodass sie für das Publikum billiger angeboten werden können. Damit soll das Publikum motiviert und die Publikumsbindung erhöht werden.<BR />Außerdem: SVS-Überbrückungsfinanzierung für selbständige Künstlerinnen und Künstler. Weiterer Lockdown-Bonus für März/April in der Höhe von einmalig 1000 Euro.<BR /><BR /><BR /><b>Österreichs Corona-Hilfspaket für seine Kunst- und Kulturbranche: Stand November 2020</b><BR /><BR />Im November 2020 ging es bei der Kulturförderung noch um die Unterstützung durch Umsatzersatz jener Unternehmen, die von den Schließungen betroffen waren, dazu gehören Betriebe in der Veranstaltungsbranche sowie Theater und Museen, Kinos oder Konzerthallen (zu 80 Prozent).<BR /><BR />Betroffene selbständige Künstler und Künstlerinnen erhielten die Möglichkeit zur Beantragung eines „Lockdown-Bonus“ über die Überbrückungsfinanzierung für Künstler und Künstlerinnen bei der Sozialversicherungsanstalt der Selbständigen (SVS). Dieser betrüg 1300 Euro pro Künstler und Künstlerin und wurde zusätzlich zur Überbrückungsfinanzierung oder dem WKO-Härtefallfonds ausbezahlt.<BR /><BR /><b>Über 200 Millionen Euro zusätzlich</b><BR /><BR />Bis ins Jahr 2021 verlängert und erhöht wurden die Überbrückungsfinanzierung bei der SVS und der Covid-19-Fonds des Künstler-Sozialversicherungsfonds (KSVF). Die Auszahlungen sollten bis Ende März 2021 ermöglicht werden. Eine Aufstockung des Budgets von 90 auf 110 Mio. Euro erfolgt bei der Überbrückungsfinanzierung. Der Covid-19-Fonds des KSVF wurde ebenso erhöht und von 10 auf 20 Mio. Euro verdoppelt.<BR /><BR />Für Kunst- und Kulturbetriebe, die trotz Inanspruchnahme aller möglicher Hilfsmaßnahmen noch existenzielle Probleme haben, sollten als Sonderförderungen weitere 10 Mio. Euro zur Verfügung stehen. Ebenso in Aussicht wurde eine Unterstützung aus den Covid-19-Sondermitteln der Regierung für Bundestheater und Bundesmuseen gestellt. Der Gesamtbetrag für die Rettung der Kunst- und Kulturbranche betrug über 200 Millionen Euro zusätzlich zu den allgemeinen Fonds. Dazu meinte der Österreichische Vizekanzler <b>Werner Kogler</b>: „Dieses Paket ist für die Kunst- und Kulturbranche eines der größten Hilfspakete, die es in der Europäischen Union je gegeben hat.“<BR /><BR />