Mit langem Applaus wurde am Donnerstag sein neues Werk „Habemus Papam“, begrüßt, mit dem der Römer beim Filmfestival in Cannes (11. bis 22. Mai) um die Goldene Palme rittert. Den depressiven Papst, der sich seinen Aufgaben nicht gewachsen fühlt, spielt mit Bravour der 85-jährige französische Schauspieler Michel Piccoli.Mit einer Panikattacke reagiert Kardinal Melville auf seine unerwartete Ernennung zum neuen Pontifex. Während die jubelnde Menschenmenge auf das Ergebnis der Papst-Wahl wartet, flüchtet der neue Papst vor seiner Verantwortung und stürzt somit die im Konklave versammelten Kardinäle und die ganze Öffentlichkeit in Aufruhr. Um wieder zu sich selbst zu finden, taucht der Papst unter und verliert sich in den Straßen Roms. Hier versucht er inkognito, Mut für die bevorstehende Aufgabe zu schöpfen.Im Film ist auch der 57-jährige Moretti wieder als Schauspieler zu erleben. Er übernimmt die Rolle eines streng atheistischen Psychiaters, der vom Rat der Kardinäle zur Behandlung des Papstes in den Vatikan berufen, dort de facto aber gefangen gehalten wird. Die orthodoxe, psychoanalytische Einstellung des Professors gerät mit der frommen Lebenssicht der besorgten Purpurträger in Konflikt, was auch zu humorvollen Situationen führt.Seinen Film bezeichnet Moretti als „schmerzhafte Komödie“. „Ich wollte die Geschichte einer fragilen Persönlichkeit erzählen, die sich vor einer derart enormen Macht, wie jene eines Papstes, ohnmächtig fühlt. Ich wollte die Konflikte des Papstes jedoch im Rahmen einer Komödie behandeln“, berichtete Moretti bei der Pressekonferenz nach der Vorstellung des Films.Der Streifen wurde von Morettis Filmproduktionsgesellschaft „Sacher Film“ und vom französischen Partner „Le Pact“ produziert. Moretti erhielt nicht die Genehmigung des Heiligen Stuhls, um im Vatikan zu drehen. Er musste sich daher mit dem Palazzo Farnese, Sitz der französischen Botschaft in Rom, für die Dreharbeiten der Szenen begnügen, die im Vatikan spielen. In den Cinecitte-Filmstudios ließ Moretti die Sixtinische Kapelle nachbauen, in der der neue Papst gewählt wird. Zu sehen sind im Film auch Originalaufnahmen des Menschenandrangs vor dem Petersplatz bei der Wahl von Benedikt XVI. im Jahr 2005.Auf die Frage, ob er wünsche, dass Papst Benedikt XVI. seinen Film sehe, antwortete der Regisseur lakonisch: „Wenn er mag.“ Moretti hatte bei einer Audienz im Vatikan Erzbischof Gianfranco Ravasi, Leiter des Päpstlichen Kulturrates, getroffen und ihn über die Pläne seines Films informiert.„Habemus Papam“ erscheint fünf Jahre nach Morettis letztem Film „Il Caimano“ über die Persönlichkeit des italienischen Premiers Silvio Berlusconi. 2001 hatte Moretti mit dem Familiendrama „La Stanza del Figlio“ („Das Zimmer meines Sohnes“) die Goldene Palme bei den Filmfestspielen in Cannes gewonnen. apa