Sonntag, 23. Dezember 2018

Neue Tatort-Folge ist wenig besinnlich

Wer am zweiten Weihnachtsfeiertag ein Kontrastprogramm zu Familie, Lichterglanz und Weihnachtsfreude braucht, dürfte sich beim Frankfurter „Tatort“-Krimi „Der Turm“ gut aufgehoben fühlen. Denn düster, sehr düster geht es dort zu. Das Ermittler-Duo Anna Janneke (Margarita Broich) und Paul Brix (Wolfram Koch) untersucht den Tod einer jungen Frau, die nachts mit einer Plastiktüte über dem Kopf gefunden wird.

Im neuen „Tatort“-Krimi „Der Turm“ herrscht keine Weihnachtsstimmung.
Im neuen „Tatort“-Krimi „Der Turm“ herrscht keine Weihnachtsstimmung.

Dass Brix und Janneke lange Zeit in diesem Fall nicht durchblicken, liegt nicht nur an der fehlenden Kooperationsbereitschaft des unüberschaubaren Firmengeflechts im Turm. Janneke, die als erste am Turm eintrifft, betritt das Gebäude, während Brix noch hinter einer Kehrmaschine der Müllabfuhr im Stau steht.

Der unscharfe Sucher ihrer Kamera, das Klicken des Verschlusses führen den Zuschauer durch die erste Szene. Dann wird es dunkel für Janneke – ein Unbekannter schlägt sie nieder. Trotz Kopfverletzung und Erinnerungslücken beteiligt sie sich vom Krankenbett aus an den Ermittlungen.

Bedrohliche Kamerasequenzen dominieren

Während die Ermittler buchstäblich vor verschlossenen Türen stehen, kommt das Gefühl auf, im Dunkeln zu tappen. Das ist auch filmisch erfahrbar – immer wieder sind Kamerasequenzen bewusst unscharf, dominieren Grautöne, ragt der Büroturm düster, drohend und geheimnisvoll auf. Carol Burandt von Kameke hat diese Stimmung mit der Kamera überzeugend eingefangen.

Grautöne dominieren auch bei den meisten Personen, mit denen Brix und Janneke bei ihren Nachforschungen zu tun haben, ein klares Gut oder Böse scheint es kaum zu geben, fast jeder ist irgendwie fragwürdig. 

„Gar nichts ist gut“

Der Showdown dieses „Tatorts“ der dunklen Töne, in dem Lars Henning nicht nur Regie führte, sondern auch das Drehbuch verfasste, findet passenderweise im Finstern statt. Nur so viel sei verraten: Menschen, die sich in dunklen, engen Räumen unbehaglich fühlen, werden das nicht unbedingt genießen.

Wie schon bei ihrem letzten Fall bleiben am Ende Ratlosigkeit und ein bitterer Nachgeschmack. Kommissarin Janneke, nicht nur von Kopfschmerzen geplagt, bringt es auf den Punkt: „Gar nichts ist gut.“

stol