Samstag, 08. Juni 2019

Nibelungen als TV-Mehrteiler geplant

Sie gehört zu Europas großen Mythen: die Nibelungensage. Die Erzählung über Königstochter Kriemhild, Drachentöter Siegfried und den heldenhaften Hagen, deren Anfänge bis zur Völkerwanderung reichen, zieht seit Generationen Leser in ihren Bann. Und alljährlich begeistern an historischer Stätte in Worms die Nibelungen-Festspiele auf einer Freiluft-Bühne Tausende Zuschauer.

Die Nibelungensage zählt zu Europas größten Mythen und soll nun als TV-Mehrteiler verfilmt werden.
Die Nibelungensage zählt zu Europas größten Mythen und soll nun als TV-Mehrteiler verfilmt werden.

Als Intendant amtiert seit 2015 der Geschäftsführer der Produktionsfirma UFA, Nico Hofmann. Er arbeitet daran, die Sage als Mehrteiler ins Fernsehen zu bringen. „Die Idee ist sehr weit“, erzählt Hofmann in Worms, wo die Arbeiten vor der Festspiel-Premiere des Stücks „Überwältigung“ am 12. Juli auf Hochtouren laufen. Als Schritt hin zu einem möglichen TV-Mehrteiler sei ein Exposé von etwa 50 Seiten jetzt fertig.

„Ich möchte nächstes Jahr ins Verkaufen gehen. Für ein solches Projekt braucht man 4 oder 5 Partner.“ Gut möglich, dass es ein rein europäisches Projekt werde. „Wir diskutieren gerade, wie wir Nibelungen in Europa finanzieren und werden die Amerika-Achse wohl nicht benutzen.“

Es geht um Dinge, die uns auch heute betreffen.

Bei einer Neuverfilmung würde sich unter anderem die Frage stellen, ob man einen historischen Film realisieren oder die Handlung in eine neuere Zeit transferieren wolle, meinte er. „Es ist ein sehr archaischer Stoff, der viel mit uns zu tun hat und mit Dingen, die uns auch heute betreffen“, sagt der künstlerische Leiter in Worms, Thomas Laue. Anhand des historischen Stoffes ließen sich grundsätzliche Fragen wie Macht, Liebe und Politik sinnlich und hoch emotional durchspielen.

„Es geht einerseits um Drachen und Helden, anderseits um eine Verwurzelung von Mythen im Kulturgut“, meint Laue. Dies würde auch in einem möglichen TV-Film deutlich. „Dass es ein Stoff ist, der von hier kommt und kein beliebiger Fantasystoff: Das würde eine klare Kenntlichkeit haben.“

Neues „Game of Thrones“?

Doch Erwartungen, ein Drehstart stehe quasi unmittelbar bevor, bremst Hofmann. Der Zeitraum für ein solches Projekt liege bei nicht unter 3 bis 5 Jahren. „Außerdem reden wir über ein Produktionsvolumen von 30 bis 40 Millionen Euro.“ 

Der UFA-Geschäftsführer sieht den Moment für einen Nibelungen-TV-Mehrteiler günstig – dies habe auch mit dem Erfolg der Fantasy-Serie „Game of Thrones“ zu tun. „Die Begeisterung für diese Zeitepisode ermutigt uns“, sagt Hofmann. „Es gibt ein Riesenpublikum, das diese Zeit goutiert. Auch, weil die Grundfragen so archaisch sind.“ Vor vielleicht 5 Jahren sei dies anders gewesen, meint der Intendant. „Jetzt geht's. Die Zeit wird für den Stoff immer reifer.“

stol