Messner gab Einführungen zu den einzelnen Filmen und war für ausführliche Masterclasses auf der Bühne. Mit dabei war auch seine Frau Diane, mit der er zusammen an einem Buchprojekt arbeitet, über das die beiden zuletzt auch in den Medien viel gesprochen haben. <BR /><BR /><BR />Neben Messner holten die beiden Neo-Festivaldirektorinnen Magazin-Publizistin <Fett>Christina Zappella-Kindel</Fett> und Hollywood-Korrespondentin <Fett>Elisabeth Sereda</Fett> noch einige weitere Promis in den Wellness-Urlaubsort Bad Hofgastein. Ihnen gehe es um „Filme mit einer Botschaft“ und vor allem um inspirierende Gäste. <BR /><BR />Schauspielerin <Fett>Kim Cattrall</Fett> erzählte, was sie alles von ihrer berühmten „Sex and the City“-Figur unterschiedet und bekam den Ehrenpreis namens Jane verliehen. Die deutsche Musikmanagerin <Fett>Vera Brandes</Fett> sprach vom legendären Kölner Jazz-Konzert von Keith Jarrett, das sie als 18-Jährige organisierte – eine Geschichte, die letztes Jahr als „Köln 75“ verfilmt wurde. <BR /><BR />Jedermann <Fett>Philipp Hochmair</Fett> kam mit offenem Hemd für eine Matinee und sprach mit dem „King des Elektro-Swing“ Parov Stelar über sein Musikfilmprojekt. Und der deutsche Regisseur und Präsident des Festivals <Fett>Oliver Hirschbiegel</Fett> – Oscar-nominiert für den Hitler-Film „Der Untergang“ – teilte seine Eindrücke zum aktuellen Nazi-Drama „Nürnberg“. Hirschbiegel drehte seinen Film „Elser“ (2015) über den Widerstandskämpfer Georg Elser auch in Südtirol. Bei den Vorführungen der Messner-Filme zeigte er sich im Publikum fasziniert von den realen Berggeschichten und echten Cliffhangern. Nicht alle davon handeln von Messners eigenen Bergerfahrungen. <BR /><BR />Der eindrücklichste Film im Festivalprogramm war etwa „Still Alive – Drama am Mt. Kenya“ über eine Tiroler Expedition zum zweithöchsten Berg Afrikas. Dabei geht es nicht um die heldenhafte Besteigung des Gipfels, sondern um eine nervenaufreibende Rettungsaktion für den beim Abstieg schwer verletzten <Fett>Gert Judmaier</Fett> durch seinen Seilpartner und späteren Höhenmediziner <Fett>Oswald Ölz</Fett> und eine extra aus Tirol angereiste Bergretter-Truppe. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1321716_image" /></div> <BR /><BR />Messner verfilmte diese Rettungsaktion mit eindrücklichen Interviews und nachgestellten Szenen, bei denen die Ötztaler Brüder <Fett>Hansjörg und Vitus Auer</Fett> die beiden Bergsteiger spielen. Spitzenalpinist Hansjörg Auer sollte einige Jahre später selbst tödlich verunglücken, was dem Film im Rückblick eine tragische Note verleiht. <BR /><BR />Auch Teil der Retrospektive war der Film „Gasherbrum – Der leuchtende Berg“ von Kultregisseur <Fett>Werner Herzog</Fett> über die Überschreitung durch Reinhold Messner und <Fett>Hans Kammerlander</Fett> 1984, sowie „Everest – Der letzte Schritt“ von 2018 über Messner Erstbesteigung ohne Sauerstoff, in der Simon Messner seinen Vater spielt und den das Festival passend als OpenAir-Screening an der frischen Luft präsentierte. Außerdem gezeigt wurden „K2 – Der große Streit“, „Sturm am Manaslu“, „Ama Dablam – Der heilige Berg“, „Mythos Cerro Torre“ sowie drei Folgen der Reihe „Messners Himalaya“. <BR /><BR />Bei all diesen Expeditionsfilmen und Messners Gesprächen im Anschluss wird klar, dass es letztlich nicht um die Bezwingung der Gipfel, sondern um das Ausloten der menschlichen Endlichkeit geht. Das sei, so ein schon oft getätigter Spruch Messners, der Unterschied zwischen selbstverantwortlichem Alpinismus nach seinem Lebensmotto „Das Können ist des Dürfens Maß“ und Bergtourismus, der auf Infrastruktur angewiesen ist. Die Kunst sei, am Leben zu bleiben. „Wir gehen freiwillig und in Eigenverantwortung, dorthin, wo wir umkommen können. Das Bergabenteuer hilft uns zu erkennen, dass wir eigentlich nicht dafür gemacht sind.“ Bergsteigen als eine Absurdität, mit der man dem eigenen Leben Sinn verleiht. Dabei sei das Scheitern fast wichtiger als der Erfolg, weil „lernen tun wir durch das Scheitern.“ <BR /><BR />Das große Bilanzziehen zelebriert Messner schon lange. Nun aber, da der Schlussstrich nach all den lebensgefährlichen Expeditionen und einem exponierten Leben in der Öffentlichkeit ganz ohne aktives Risiko in greifbarer Nähe ist, geht es für den Alpinisten im Ruhestand um eine ganz andere Art der männlichen Verletzlichkeit, die auch für den an Extremerfahrungen geschulten Reinhold Messner neu ist. „Ich und meine Frau arbeiten gerade an einem gemeinsamen Buch mit dem Thema Lebenszeit. Darin geht es darum, über das Verschwinden nachzudenken, als eine positive, nicht als eine negative Angelegenheit.“ Die Frage nach dem Verhältnis zum Tod stellt sich noch einmal neu. „Die Gipfel sind bestiegen. Heute schaue ich mehr auf die Menschen.“ Die Frage ist nun, „was darf bleiben, wenn wir gehen. Bleiben soll eigentlich nur wenig. Das was eine Lebenshilfe für andere ist und für Gemeinschaft,“ zeigt sich der alpine Einzelkämpfer gesellschaftlich versöhnlich. <BR /><BR />Reinhold Messner, der demnächst auch in seinem neuen Messner-Haus in Sexten noch einmal Hans Kammerlander und andere Bergkameraden öffentlich begrüßen wird, steht vor seinem letzten Abstieg – wie ein rollender Stein oder auf einem Sonnenstrahl reitend, wie im buddhistischen Mythos der Ama Dablam. Als Motto könnte dafür auch seine Tonbandaufzeichnung von 1978 vom Everest-Gipfel dienen: „Ich fühle mich, wie wenn ich das Rennen meines Lebens gelaufen wäre.“