Damals rief er zusammen mit seinem Lebensgefährten und Regisseur Angelo Colagrossi das Projekt „Horst Schlämmer - Isch kandidiere“ ins Leben. Rund sechs Wochen vor der Bundestagswahl kommt die Satire um den „Grevenbroicher Lokalreporter“ Horst Schlämmer, der sich zu Höherem berufen fühlt, in die Kinos. Der breite Publikumserfolg scheint Tausendsassa Kerkeling garantiert, auch wenn der Film die hohen Erwartungen nur ganz selten erfüllt.„Die Welt braucht mich“, sagt Schlämmer in der Auftaktszene des Films und kriecht danach ziemlich lädiert aus dem Bett. Ob die Welt respektive der Bundestags-Wahlkampf Kerkelings Kunstfigur tatsächlich „braucht“, sei dahingestellt. Mehr als eine clevere Persiflage des zurzeit noch eher müden Wahlkampfs der großen deutschen Parteien ist der Film eine Aneinanderreihung von Schlämmer-Sketchen, die man im Prinzip bereits aus dem Fernsehen kennt.Nicht selten geht der rote Faden in den eineinhalb Stunden verloren, was ganz offensichtlich der kurzen Vorbereitungs-, Dreh- und Schneidezeit geschuldet ist. Kerkeling hat das Drehbuch gemeinsam mit Colagrossi geschrieben. Sechs Monate für einen kompletten, in sich geschlossenen Kinofilm scheinen einfach zu wenig. So lastet die ganze Komik auf den Schultern Schlämmers, und gerade der „hat“ zu allem Überfluss auch noch „Rücken“, „Kreislauf“ und „Füße“.Zur Unterstützung der Kampagne seiner „Horst Schlämmer Partei“ (HSP) holt Kerkeling quasi im Minutentakt mehr oder weniger prominente Deutsche aus Politik und Showbiz vor die Kamera. Die Grünen-Politiker Claudia Roth und Cem Özdemir, Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) aber auch die Ballermann- Barden Bernhard Brink und Jürgen Drews sowie Rapper Bushido und sogar Rennfahrer Michael Schumacher geben sich als Komparsen neben dem grunzenden und rülpsenden Schlämmer die Klinke in die Hand. Bushido meinte nach der Gala-Premiere in Berlin, der „ein oder andere Gast war jetzt nicht der Hit“.Wirklich lustig und originell ist Schlämmer/Kerkeling dagegen, wenn er mit „einfachen Leuten“ dreht und dabei das macht, was er am besten kann: improvisieren. Wenn beispielsweise eine aufgebrachte Grevenbroicherin auf dem heimischen Marktplatz lautstark ein Anti- Korruptions-Gesetz im Bundestag fordert und sich auch von den beschwichtigenden Worten Schlämmers nicht beruhigen lässt. Oder zwei sächsische Touristen in Berlin partout das „a“ von Schlämmers Wahlslogan „Hasenpower!“ nicht artikulieren können.Der „Bundeshase“ soll übrigens als Wappentier anstelle des Adlers eingeführt werden, das steht sogar im Wahlprogramm der „Horst Schlämmer Partei“ (HSP). Daneben sollen gratis Sonnenbänke für alle eingerichtet, die Verkehrssünderdatei in Flensburg aufgelöst und Schönheitsoperationen von den Krankenkassen bezahlt werden.18 Prozent der Bundesbürger würden laut einer jüngsten Umfrage Horst Schlämmer zum Bundeskanzler wählen. Dazu wird es natürlich nicht kommen. Deshalb stellte Schauspielerin Alexandra Kamp, im Film Schlämmers „First Lady“, bei der Premiere in Berlin schon einmal klar: „Wen Sie am 27. September wählen, ist egal. Hauptsache, Sie gehen ab 20. August ins Kino!“Und damit die Vermarktungskette geschlossen wird, kommt auch der Soundtrack einen Tag später als CD in die Läden: Schlämmer singt darauf den Titelsong „Isch kandidiere“, dazu gibt es als Duett mit Bernhard Brink den „HSP-Song“ und Schlämmers politische Partnerin Uschi Blum bringt den Song „Ich denke nur noch an mich“.dpa