Mittwoch, 16. Februar 2022

Katalanisches Drama Alcarràs holt Goldenen Bär der Berlinale

Das katalanisch-italienische Filmdrama „Alcarràs“ von Carla Simón ist überraschend der Sieger der 72. Berlinale. Das Werk um eine Bauernfamilie, die um ihre Plantage fürchten muss, die durch eine Solaranlage ersetzt werden soll, wurde am Abend im Berlinale-Palast mit dem Goldenen Bären als bester Film im Wettbewerb auszeichnet.

Filmemacherin Carla Simón hat gut lachen in Berlin. - Foto: © APA/AFP / STEFANIE LOOS

Die 36-jährige Filmemacherin Simón zeigte sich dabei in ihrer Dankesrede als treue Verfechterin des Festivals: „Ich fühle mich wie ein Kind der Berlinale. Vielleicht sollte ich hierher ziehen.“

Als beste Regisseurin wurde im Berlinale-Palast die Französin Claire Denis für ihr Drama eines Liebesdreiecks, „Avec amour et acharnement“, mit einem Silberbären gewürdigt. Das Regieführen mit einem Ensemble, zu dem Größen wie Juliette Binoche oder Vincent Lindon gehören, sei einfach, zeigte sich die 75-Jährige bescheiden.

Den Silbernen Bären für die beste Schauspielleistung ging an die deutsche Kabarettistin Meltem Kaptan für ihre Titelrolle in Andreas Dresens Freiheitsdrama „Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush“. Die 41-Jährige bedankte sich vor allem bei ihrem Regisseur: „Danke, dass du mich auf diese Reise mitgenommen hast. Du bist der beste Reiseleiter, den man sich nur vorstellen kann.“ Dresens Film konnte daneben auch den Silberbären für das beste Drehbuch (Laila Stieler) für sich reklamieren.

Der Silberne Bär für die beste Nebenrolle wurde Laura Basuki im indonesischen Frauendrama „Nana“ von Kamila Andini zugesprochen. Den Silberbären für den Großen Preis der Jury ging hingegen nach Südkorea. Routinier Hong Sangsoo wurde für sein Werk „So-seol-ga-ui yeong-hwa“ (The Novelist's Film) gewürdigt und nahm im Wintermantel die Ehrung entgegen. „Ich mache einfach weiter mit dem, was ich bisher getan habe“, versprach der 61-Jährige. Der Jurypreis im Wettbewerb ging an die mexikanisch-bolivianische Filmemacherin Natalia López Gallardo für ihr mystisches Werk „Robe of Gems“.

Eingeschränkte Berlinale wegen Corona

„Für einen Festivaldirektor ist jeder Film so etwas wie sein Kind“, hatte in Berlin der künstlerische Leiter der Berlinale, Carlo Chatrian, allen 256 Werken der heurigen Ausgabe seinen Respekt gezollt. Deren Projektion hatte am 10. Februar mit der Eröffnung der 72. Berlinale unter strengen Coronahygienevorgaben gestartet. Und die Maßnahmen hielten. Zwar gab es kleinere Rückschläge, als etwa Frankreichs Schauspielstar Isabelle Huppert am Dienstag kurzfristig nicht zur Verleihung des Goldenen Ehrenbären nach Berlin reisen konnte, da die 68-Jährige einen positiven Coronatest erhalten hatte.

Im Großen und Ganzen bewährte sich jedoch das Konzept einer 50-Prozent-Besetzung der Säle, einer täglichen Testpflicht für das Fachpublikum und einer Verkürzung des Festivals auf 6 Tage. Nach der heutigen Preisgala geht die Berlinale nun für das Publikum weiter, das noch bis 20. Februar Werke aus dem Programmtalon sehen wird können.

apa

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