Montag, 22. Juni 2015

Südtirol, die Melkkuh

Seit 2010 fördert die Business Location Südtirol (BLS) Filmproduktionen im Land mit mehreren Millionen Euro pro Jahr. Ein Modell, dass Südtirol außerhalb der Landesgrenzen den zweifelhaften Übernamen „die Cashcow“ (die Melkkuh) eingebracht habe, sagen Südtiroler Schauspieler. Sie proben den Aufstand.

Foto: © shutterstock

Bereits Anfang des Monats hatten Südtiroler Filmregisseure mit einem Offenen Brief von sich reden machen: Darin hatten sie sich über mangelnde Unterstützung beschwert. „Südtiroler Autoren, Regisseure und Schauspieler konkurrieren mit den ‚Big Playern‘ aus Deutschland, Italien, Österreich und der Schweiz, ohne eine besondere Förderung zu erfahren.“  

Kunst und Kultur würden hinten angestellt. Und „Made in Südtirol“ verkomme zum reinen Postkartenhintergrund.

„Beziehen Förderung und verschwinden wieder“

Am Montag schlossen sich Südtiroler Schauspieler der Kritik der Regisseure an: „Leider geht die sogenannte ‚Wiederbelebung‘ der Südtiroler Filmwelt an uns Schauspielern fast zur Gänze vorbei“, meinen sie in einer Mitteilung an die Medien, unter die bekannte Namen wie Lissy Pernthaler, Günther Götsch und Peter Schorn ihre Unterschrift gesetzt haben.

„Meist kommen ausländische bzw. italienische Produktionsteams – oft ohne nennenswerten Bezug zu Südtirol – mit ihren Schauspielern ins Land, beziehen Förderung und verschwinden wieder.“

In der deutschen Filmbranche kursiere deshalb seit geraumer Zeit ein zynischer Übername: „Südtirol, die cashcow.“ Südtirol, die Melkkuh. Ein „alles andere als schmeichelhafter“ Begriff, wie die Schauspieler wissen.

Über Kleindarsteller und Edelstatisten

„Der von der BLS gerühmte ‚Südtirol-Effekt‘ (die Filmproduktionen müssen einen Großteil der Fördersumme wieder in Südtirol ausgeben; Anm.d.Red.) tritt dann ein, wenn in Zukunft immer mehr Regisseure und Produktionsfirmen aus aller Welt Südtiroler Schauspieler in ihren Filmen einsetzen“, finden sie.

Heute allerdings sei die Realität eine andere: Südtiroler Schauspieler würden, so kritisieren die Betroffenen, nur zu oft zu Kleindarstellern und Edelstatisten degradiert. Und das Potenzial der Südtiroler Regisseure werde unterschätzt.

Mögliche Änderungen am Runden Tisch besprechen

Die Schauspieler regen deshalb an, einen Runden Tisch ins Leben zu rufen: Sie wollen sich mit Regisseuren, Politikern und Verantwortlichen der BLS zusammensetzen, Probleme und Chancen der Filmförderung diskutieren und sinnvolle Änderungen ausarbeiten.

stol

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