Wer in Deutschland einkauft, kann wählen zwischen Spargel aus Ägypten, Bohnen aus Kenia und Mangos aus Brasilien. Es gibt Dutzende Joghurt- und Brotsorten in diesem Einkaufsparadies. Was nicht mehr frisch genug aussieht und nicht mehr lange „mindestens haltbar bis“ ist, wandert oft tonnenweise in den Müll. Wir leben in einer Welt der Extreme mit Überfluss und Hunger, Verschwendung und Mangel. Was Lebensmittel mit dem Klimawandel, dem Kampf um Land und Getreidepreise zu tun haben, zeigt der Dokumentarfilm „Taste the Waste“ von Valentin Thurn. Facettenreich und sachlich beschreibt der Film Zusammenhänge und unternimmt eine Reise, die viele Fakten vermittelt und den Zuschauer mitunter staunend zurücklässt.Der Landwirt Friedrich Wilhelm Graefe zu Baringdorf steht auf einem Kartoffelacker. Alles, was zu klein und zu dick ist oder zu viele Macken hat, fällt durchs Raster: 40 bis 50 Prozent der Kartoffeln werden aussortiert. Er hält das für nicht richtig, weil das nichts mit Qualität zu tun habe. Farmer in den USA beklagen ähnliches: 5 bis 10 Prozent der Ernte werden vernichtet, weil Obst und Gemüse nicht den Normen der Supermärkte entsprechen. So gebe es für Tomaten spezielle Farbskalen. Nicht nur Bauern werfen Lebensmittel weg, auch viele Verbraucher. Der Film fasst es in zwei Sätzen zusammen: „Jedes Jahr werden in der EU 90 Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen. Geladen in Lastwagen wäre das eine Kolonne einmal rund um den Äquator.“Das Wegwerfen von Lebensmitteln beeinflusst auch das Weltklima: Thurn zitiert einen US-Forscher damit, dass der Lebensmittelmüll etwa 15 Prozent der weltweiten Methan-Emissionen verursacht. Wieder fasst es der Regisseur knapp zusammen: „Die Halbierung des Lebensmittelmülls würde ebenso viele Klimagase vermeiden wie die Stilllegung jedes zweiten Autos.“ dpa