Samstag, 20. Juni 2015

Til Schweiger will mit "Honig im Kopf" nach Hollywood

Den Siegerfilm stellte er nicht und doch hat er gesiegt. Während „Victoria“ bei der Lola-Gala am Freitag als bester Film ausgezeichnet wurde, erhielt Til Schweiger mit "Honig im Kopf" eine Auszeichnung für den „besucherstärksten Film des Jahres“. Nun will Schweiger gar ein Hollywood-Remake seines Erfolgsstreifens angehen.

"Honig im Kopf" soll nach Hollywood.
"Honig im Kopf" soll nach Hollywood.

Der Echtzeit-Thriller „Victoria“ von Sebastian Schipper ist mit der Goldenen Lola als bester Spielfilm ausgezeichnet worden. Der ungewöhnliche, in einer einzigen Kameraeinstellung gedrehte Film holte insgesamt sechs der begehrten Trophäen. Damit war er der klare Sieger bei der Verleihung des 65. Deutschen Filmpreises am Freitagabend in Berlin.

Beste Hauptdarsteller wurden Frederick Lau (25) und die Spanierin Laia Costa (30) für ihre Rollen in „Victoria“. Die Geschichte eines Bankraubs holte auch die Preise für beste Regie, Kamera und Musik.

Undotierte Lola für Schweigers "Honig im Kopf"

Seine erste Lola nahm Publikumsliebling Til Schweiger entgegen. Der Schauspieler, Regisseur und Produzent bekam für seine Alzheimer-Tragikomödie „Honig im Kopf“ den undotierten Preis für den „besucherstärksten Film des Jahres“.

Knapp sieben Millionen Kinogänger haben "Honig im Kopf" mit Dieter Hallervorden in der Hauptrolle gesehen. Für das Rennen um den besten Spielfilm hatte Schweiger seinen Film unter anderem wegen früherer Differenzen mit der Deutschen Filmakademie nicht eingereicht.

Schweiger, dessen Filme von der die Gewinner auswählenden Filmakademie in der Vergangenheit ignoriert worden waren, bekannte: „Ich bin jetzt ein bisschen aufgeregt, das hätte ich nicht gedacht.“ Auch via Facebook freute sich Schweiger sichtlich.

Aus Südtirol wird Amerika?

Die Auszeichnung ist einmal mehr auch toll für Südtirol: Der Film wurde an Schauplätzen hier gedreht. Insgesamt elf Drehtage verbrachte die Produktion von Barefoot Filmsim vergangenen Sommer über in Toblach, Brixen, Bozen und Völs (STOL hat berichtet).

Jetzt will Til Schweiger auch in den USA richtig durchstarten und plant ein Hollywood-Remake seines Erfolgsstreifens "Honig im Kopf".

„Elser – Er hätte die Welt verändert“ enttäuscht

Oliver Hirschbiegels sieben Mal nominiertes Drama „Elser – Er hätte die Welt verändert“ über den Hitler-Attentäter Georg Elser ging überraschend leer aus.

Noch mehr Lolas

Die Silberne Lola in der Spielfilm-Kategorie erhielt „Jack“ von Edward Berger. Eine Bronze-Lola gab es für „Zeit der Kannibalen“ von Johannes Naber.

 Über die Preise als beste Nebendarsteller durften sich Nina Kunzendorf (43) und Joel Basman (25) freuen. Kunzendorf wurde für ihre Rolle in Christian Petzolds Nachkriegs-Drama „Phoenix“ als beste Nebendarstellerin geehrt. Ihr Schweizer Kollege Basman gewann die Trophäe für seine Darstellung eines Jugendlichen in Burhan Qurbanis „Wir sind jung. Wir sind stark.“ über die Ausschreitung in Rostock-Lichtenhagen 1992.

Laura Poitras' Film „Citizenfour“ über den amerikanischen Whistleblower Edward Snowden wurde als beste Dokumentation ausgezeichnet. Die Trophäe für den besten Kinderfilm ging an die Komödie „Rico, Oskar und die Tieferschatten“ nach dem Roman von Andreas Steinhöfel.

„Familientreffen“ der Filmbranche

Die Show im Palais am Berliner Funkturm wurde von Schauspieler Jan Josef Liefers moderiert, der unter anderem als singender, verkleideter Hotdog auftrat.

Mehr als 1800 Gäste waren zu dem „Familientreffen“ der Filmbranche gekommen, darunter Stars wie Hannelore Elsner, Elyas M'Barek, Iris Berben, Dieter Hallervorden, Katja Riemann, Christiane Paul, Michael Gwisdek und Henry Hübchen.

Die Ehren-Lola erhielt die 71-jährige Kostümbildnerin Barbara Baum. Sie arbeitete zehn Jahre lang mit Rainer Werner Fassbinder zusammen und kleidete unter anderem die Schauspieler seiner Filme „Die Ehe der Maria Braun“ und „Berlin Alexanderplatz“ ein.

dpa

stol