Freitag, 08. März 2019

Unterhaltsames Superheldinnen-Epos: Brie Larson ist „Captain Marvel“

„Captain Marvel“ ist das 21. Superhelden-Spektakel aus dem Marvel Cinematic Universe, zu dem unter anderem „Spider-Man“, „The Avengers“ oder die „Guardians Of The Galaxy“ gehören. Und es ist der allererste Marvel-Film mit einer weiblichen Titelheldin. Oscar-Gewinnerin Brie Larson („Room“) spielt die taffe Airforce-Pilotin Carol Danvers, die die Explosion eines futuristischen Antriebs überlebt, in Folge dessen unermessliche Superkräfte entwickelt und zu Captain Marvel wird. Seit gestern läuft der Film bei uns in den Kinos.

Brie Larson ist Captain Marvel.
Brie Larson ist Captain Marvel. - Foto: © APA

Allerdings hat Danvers bei dem Vorfall zu Beginn der 90er Jahre ihr Gedächtnis verloren. Als Mitglied des außerirdischen Kree-Volkes, das die junge Frau aufgenommen hat, versucht sie, die wenigen Bruchstücke ihrer Erinnerung von der Erde zusammenzusetzen. Doch auch die mit den Kree verfeindeten Skrull sind an den Details ihrer Vergangenheit interessiert.

1995 kehrt Danvers auf die Erde zurück, wo sie gemeinsam mit dem noch jungen S.H.I.E.L.D.-Agenten Nick Fury (Samuel L. Jackson mit Make-up) versucht, die konfusen Zusammenhänge ihrer mysteriösen Vergangenheit zu ergründen. In Nebenrollen sind Jude Law („Der talentierte Mr. Ripley“) als Danvers' Kree-Mitstreiter Yon-Rogg, Ben Mendelsohn („Ready Player One“) als Skrull-Anführer Talos und Annette Bening („American Beauty“) als zwielichtige Supreme Intelligence zu sehen.

Raffinierte Handlung

Die Handlung des neuesten Marvel-Kinofilms lässt sich nicht konkreter wiedergeben, ohne zu spoilern, also ohne entscheidende Details zu verraten. Denn die Story von „Captain Marvel“ ist raffiniert und sehr wendungsreich. Sie basiert lose auf dem Kree-Skrull-Krieg, einem Handlungsstrang, den Marvel-Experten aus den „Avengers“- und „X-Men“-Heften kennen – und natürlich aus den Comics um „Captain Marvel“, der in den 60er Jahren übrigens zunächst ein männlicher Superheld war und erst Jahre später von einer Frau abgelöst wurde.

Starke Frauen sind im Marvel Cinematic Universe immer noch klar in der Unterzahl. Scarlett Johansson als Black Widow kommt einem als erstes in den Sinn, vielleicht Elizabeth Olsen als Scarlet Witch, Danai Gurira als Okoye und Evangeline Lilly als Wasp. Dass Disney und Marvel nun endlich die erste Titelheldin ins Rennen schicken, ist daher eine willkommene, ja überfällige Ergänzung. Ihr Auftritt hatte sich 2018 im Abspann des epischen „Avengers: Infinity War“ angedeutet und wird schon im April in „Avengers: Endgame“ fortgesetzt.

Smarte Story, witzige Dialoge

Mit den Vorurteilen, denen „Captain Marvel“ vorab im Internet ausgesetzt war, hat Carol Danvers auch im Film zu kämpfen. Zu schwach sei sie, zu emotional, werfen ihr die Männer immer wieder vor. Doch natürlich behauptet sie sich. Auch Brie Larson nimmt den voreiligen Kritikern – und Internettrollen – den Wind aus den Segeln. Als gleichermaßen übermächtige wie empathische Superheldin macht sie eine gute Figur. Nicht zu verachten: Der 70 Jahre alte Samuel L. Jackson, der an ihrer Seite problemlos als knapp 50-Jähriger durchgeht.

Das optisch ansehnliche Spektakel punktet mit seiner smarten Story, mit witzigen Dialogen und sehr originellem Humor, der nicht nur die Technologie und Gepflogenheiten der 90er Jahre in einem neuen Licht erscheinen lässt, sondern auch Katzen. Die Katze Goose ist der heimliche Star des Films. Gelungen ist auch der weiblich dominierte Soundtrack mit Instrumentalmusik der Komponistin Pinar Toprak und 90er-Jahre-Hits wie „Whatta Man“ von Salt 'N' Pepa feat. En Vogue oder „Just A Girl“ von No Doubt, die ihre Wirkung nicht verfehlen.

Warner Bros und DC haben es 2017 mit „Wonder Woman“ erfolgreich vorgemacht. Das Superhelden-Epos mit Gal Gadot in der Hauptrolle gefiel Kritikern und Zuschauern gleichermaßen und schlug an den Kinokassen ein. Ob das „Captain Marvel“ und Brie Larson auch gelingt? Der unterhaltsame Film des US-Regie-Duos Anna Boden und Ryan Fleck, das bisher nur durch Indie-Filme wie „Mississippi Grind“ auf sich aufmerksam machte, hätte es allemal verdient.

dpa

stol