Der 53-Jährige war Stargast der Viennale und präsentierte mit seiner Spieldoku eine musikalische Reise durch die süditalienische Hafenstadt Neapel. Gerade rechtzeitig zum Ende der Kinovorstellung schaffte es Turturro auf die Bühne, um seine Fans persönlich zu begrüßen. Anschließend lud er noch zu einem beschaulichen Musikabend mit Diskussion am Wiener Badeschiff.„Neapel wie New York der 1970er Jahre“„Neapel erinnert mich ein bisschen an das New York der 1970er Jahre: Es ist so schön, es ist aber auch so brutal“, sagte Turturro zu Beginn des musikalischen Teils am Badeschiff. Mit Neapel in Berührung gekommen sei er durch ein Filmprojekt von Francesco Rosi, da er dort arbeitete. Der ewig zu Nebenrollen verdammte Schauspieler („Wie ein wilder Stier“,„The Big Lebowski“ und das soeben abgedrehte „Transformers 3“) hat dort vor allem die Liebe zur örtlichen Musik entdeckt. „Ich wollte dann einen Film über diese Stadt und diese Musik machen. Die Art von Kriminalität, die wir alle im Film 'Gomorrha' (von Matteo Garrone, Anm.) gesehen haben, ist Teil der Kultur in Neapel, aber die Musik dort ist lebendig!“, betonte der Künstler.Es ist die musikalische Vielfalt, die der Drehbuchautor, Schauspieler und Regisseur an der süditalienischen Stadt schätzt – und die er bei seinem Kurzbesuch mit nach Wien brachte. „Neapel ist musikalisch gesehen eine der größten Schatzkisten – sowohl was die klassische als auch die moderne Musik angeht. Sie ist auch von den verschiedensten Immigranten und Einflüssen – französischen, arabischen und natürlich italienischen – geprägt“, meinte Turturro. Aus dem ausverkauften Saal des Wiener Gartenbaukinos haben es nicht alle auf das nahe gelegene Badeschiff geschafft. Statt großem Gedränge gab es daher Wohnzimmeratmosphäre mit John Turturro mitten in Wien – inklusiver neapolitanischer Hits von damals und heute. „Jeder kennt diese Musik dort“, sagte Turturro und ließ seinen Co-DJ Patrick Pulsinger im Badeschiff auf den Knopf der Anlage drücken, um „Comme Facette Mammeta“ (1906) erklingen zu lassen. „Das Lied hatte damals eigentlich etwas Pornografisches“, erzählte Turturro grinsend. So behandle der Text (übersetzt: „Wie dich deine Mutter gemacht hat“) von Salvatore Gambardella und Giuseppe Capaldo sehr anschaulich, wie die Eltern ein Kind „machen“. Das erheiterte auch die Runde, die die Kinovorstellung am Deck des Badeschiffs ausklingen ließen. In seiner Spieldoku versucht der US-Amerikaner mit italienischen Wurzeln den alten Songs eine neue Note zu geben. Seine Mutter ist geborene Sizilianerin, sein Vater kam in Apulien zur Welt. Selbst in Amerika geboren, hat Turturro aber eine Leidenschaft für das südliche Italien. „Schon alleine die Sprache der Neapolitaner ist sehr melodisch und fast selbst wie ein Lied“ schwärmte der Künstler.Für seinen Film ließ er Italostars wie Fiorello oder Massimo Ranieri vor der Kamera singen, die alten Lieder wurden teils neu arrangiert, um das Damals, Heute und Morgen zu symbolisieren. Derzeit reist John Turturro quer durch Europa, um „Passione“ zu bewerben. Nur eine Nacht verbrachte der Star in Wien. Obwohl er im Film beweist, wie gerne er zur neapolitanischen Musik tanzt, verließ er das Badeschiff bereits nach gut einer halben Stunde musikalischer Filmdiskussion. Ob er etwas von „Passione“ in Wien lassen kann, ist fraglich, denn noch hat der Film in Österreich keinen Starttermin.apa