Nun hat der in Berlin lebende Produzent zusammen mit Roman Paul erneut ein Projekt im Mittleren Osten beendet: „Wadjda“ ist laut Meixner der erste Langspielfilm, der jemals in Saudi-Arabien gedreht wurde. Er handelt von einem Mädchen, das versucht, trotz der strengen gesellschaftlichen Konventionen seinen eigenen Weg zu gehen.„Der Film bildet die Realität ziemlich genau ab“, sagte Meixner (46) im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa vor der Weltpremiere des Werks in der renommierten Nebenreihe „Orizzonti“ der 69. Internationalen Filmfestspiele von Venedig an diesem Freitag. „Es geht ja vor allem um das alltägliche Leben und die Probleme von Frauen in diesem Land.“„Wadjda“ ist der erste Spielfilm, der in Saudi-Arabien gedreht wurde. Gab es Schwierigkeiten bei diesem Projekt?Meixner: Eben weil es der erste saudische Spielfilm ist, wussten wir gar nicht, ob das überhaupt möglich ist, dort zu drehen. Alle haben uns zuerst geraten, uns doch in den umliegenden Ländern umzuschauen, um ihn dort zu produzieren – denn es sei ja sicher unmöglich, den Film in Saudi-Arabien zu drehen. Uns ist aber immer wichtig, dass ein Film authentisch ist und dort gedreht wurde, wo er spielt. Natürlich war uns auch klar, dass es nicht ganz leicht werden würde. Zum einen, weil es in Saudi-Arabien keine Film-Infrastruktur gibt. Alles, was dort gedreht wird, sind eine Art Soap-Fernsehserien, die schnell gemacht werden. Außerdem mussten darauf achten, dass wir dezent auftreten und nicht zu viel Aufmerksamkeit erzeugen. Wir mussten einfach etwas vorsichtiger als bei einem Dreh in Deutschland sein.Weil es Probleme hätten geben können?Meixner: Ja, denn in Saudi Arabien dürfen Männer und Frauen beispielsweise nicht zusammenarbeiten. Auch in der Öffentlichkeit dürfen Frauen nur komplett verschleiert sein, und sie sollen möglichst nicht arbeiten. Aber das ist natürlich schwierig, wenn man mit Haifaa Al-Mansour eine Frau als Regisseurin hat, die den Schauspielern am Set gerne Anweisungen gibt und dem Team sagen muss, wie sie es gerne hätte. Da ist alles kein Problem, solange man sich in Innenräumen bewegt oder in einem abgegrenzten Haus. Aber sobald man auf die offene Straße geht, wird das schwierig.Wie haben Sie das gelöst?Meixner: Wie haben sehr aufgepasst. Es gibt natürlich Leute, die das nicht so toll finden, die dann auch auf einen zukommen und sagen: Wir finden das nicht gut – dezent ausgedrückt. Deswegen haben wir auch versucht, die Regisseurin immer in einen Bus zu setzen, wenn wir draußen waren. Dort hatte sie zwei Monitore, wo sie die Bilder der Kameras überwachen konnte. Aber es ist nicht möglich, das alles wirklich aus einem Auto heraus zu inszenieren und die Anweisungen zu geben. Haifaa Al-Mansour ist natürlich immer auf die Straße rausgesprungen und hat mit den Schauspielern gesprochen. Es lief letztlich aber alles relativ problemlos ab. Haifaa hat bislang auch noch keine Probleme bekommen. Allerdings haben wir in Saudi-Arabien noch nicht so groß kommuniziert, was wir gemacht haben.“Warum haben Sie sich entschieden, nach „Paradise Now“ und „Waltz with Bashir“ erneut einen Film im Mittleren Osten zu produzieren?Meixner: Haifaa Al-Mansour, die Regisseurin und Autorin des Films, hat per Email Kontakt mit uns aufgenommen und gefragt, ob wir Interesse an einem Projekt in Saudi-Arabien hätten. Wir fanden, dass es eine ganz berührende, schöne Geschichte über einen Ort ist, den nur wenige Leute kennen. Alles, was man von Saudi-Arabien weiß, ist, dass es dort heiß ist, viel Sand und viel Öl gibt. Mehr als diese Klischeevorstellungen kennt man nicht. Wir fanden es interessant, mal einen Blick hinter den Schleier zu werfen und zu gucken: Was ist das wirklich für ein Land? Was sind das für Leute? Wie ist das Leben dort? Wir sind sehr interessiert, was in der Welt vor sich geht. Aber als wi die Produktionsfirma Razor Film gegründet haben, hatten wir nie vor, uns auf eine spezielle Region zu konzentrieren. Das ist mehr oder weniger Zufall.Wie wichtig ist die Präsenz in Venedig für einen Film wie diesen?Meixner: Sehr. Grundsätzlich ist ein A-Festival für jeden Film eine wunderbare Plattform, um ihn bekannt zu machen, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Nicht nur von Presse, auch von Käufern und Verleihern, die den Film in anderen Ländern zeigen. Ich erhoffe mir natürlich große Aufmerksamkeit und ein großes Publikum in den Kinos. Ich fände es sehr wichtig, dass möglichst viele Leute diesen Film sehen und mal lernen, wie es in Saudi Arabien aussieht, wie die Menschen dort leben. Es wäre schön, wenn sie mal eine andere Seite von diesem Land kennenlernen könnten.dpa