Mittwoch, 09. Dezember 2020

Warner-Filme 2021 zeitgleich im Kino und Streaming

Warner Bros. will 2021 seine Filme zeitgleich im Kino und per Streaming herausbringen. Wegen der Coronavirus-Pandemie wolle man im kommenden Jahr diese neue Vermarktungsstrategie einführen, gab das Hollywoodstudio vor Kurzem bekannt.

Der Konzern Warner Bros. steht für seinen Plan derzeit massiv in der Kritik.
Der Konzern Warner Bros. steht für seinen Plan derzeit massiv in der Kritik. - Foto: © APA/afp / ROBYN BECK
Nach diesem Model sollen 17 Filme, darunter „Godzilla vs. Kong“, „The Suicide Squad“, „Dune“ und „Matrix 4“, in den USA parallel zum Kinostart auch beim Streamingdienst HBO Max des Medienkonzerns Warner Media erscheinen.



Gewöhnlich liegen viele Wochen zwischen der Veröffentlichung im Kino und der späteren Streaming-Verwertung. „Wir leben in beispiellosen Zeiten, die kreative Lösungen notwendig machen“, sagte Warner-Bros.-Chefin Ann Sarnoff in einer Mitteilung.

Natürlich wünsche sich jeder Filme auf der großen Leinwand, doch es müsse eine realitätsbezogene Balance gefunden werden. Die meisten Kinos in den USA würden im kommenden Jahr vermutlich mit geringerer Kapazität wirtschaften, prophezeit Sarnoff: Doch mit dem „einzigartigen Einjahresplan“ könnte Warner Bros. gleichzeitig die Kinos und die Filmliebhaber zu Hause mit Inhalten versorgen.

Kinokettenbetreiber kritisieren Plan

Von Seiten der Kinokettenbetreiber kam umgehend Kritik. Adam Aron, Chef des weltweit größten Kinobetreibers AMC Entertainment, warf Warner Media vor, mit diesem Modell auf Kosten der Studio-Profite seinen Streamingdienst HBO Max zu „subventionieren“.

Als Kinobetreiber müssten sie „offensiv“ ihre eigenen Wirtschaftsinteressen verfolgen, sagte Aron laut „Hollywood Reporter“. Er hoffe auf baldige Impfungen gegen das Coronavirus und die Rückkehr der Zuschauer ins Kino. Doch für die US-Kinoketten war die Streaming-Ankündigung von Warner Bros. am Donnerstag ein weiterer Rückschlag. Die Aktien der großen Unternehmen wie AMC, Cinemark und IMAX rutschten ab, wie „Variety“ berichtete.

„Wonder Woman 1984“ macht den Anfang

Nach den Plänen des Hollywood-Studios sollen die 17 neuen Warner-Filme 2021 parallel zum US-Kinostart einen Monat lang bei HBO Max zu sehen. Danach sollen sie weltweit nur noch in den Kinos laufen. HBO Max steht derzeit nur Abonnenten in den USA zur Verfügung.

Dieses Hybrid-Modell hatte Warner Bros. kürzlich bereits für den Film „Wonder Woman 1984“ angekündigt. Der Superheldinnenstreifen kommt am 25. Dezember gleichzeitig bei HBO Max und in den US-Kinos heraus. Wegen der Coronavirus-Pandemie war der Kinostart zuvor mehrmals verschoben worden.


In wichtigen Märkten in den USA, darunter New York und Los Angeles, sowie weltweit sind viele Kinos wegen der Coronakrise geschlossen oder dürfen nur mit geringer Auslastung öffnen. Zahlreiche geplante Filmstarts sind in den vergangenen Monaten auf 2021 verlegt worden.

Regisseur Christopher Nolan schimpft über Streamingplan

Mit dem traditionellen Kinostart des Christopher-Nolan-Films „Tenet“, der als einziger Blockbuster im Pandemie-Sommer auf die Leinwand kam, hatte Warner Bros. in den USA eine Pleite erlebt.

Nolan kritisierte den Plan des Konzerns mit deutlichen Worten: „Einige der größten Filmemacher und wichtigsten Stars unserer Industrie sind ins Bett gegangen in dem Gedanken, dass sie für das großartigste Filmstudio arbeiten“, sagte Nolan dem US-Magazin „The Hollywood Reporter“, „und sie sind aufgewacht mit der Erkenntnis, dass sie für den schlimmsten Streamingdienst arbeiten.“

„Warner Bros. hatte eine unglaubliche Maschinerie, um die Arbeit von Filmemachern überall zu rauszubringen, sowohl in Kinos als auch zuhause, und das machen sie gerade kaputt“, sagte der 50-Jährige. „Sie begreifen gar nicht, was sie aufgeben. Die Entscheidung macht wirtschaftlich keinen Sinn.“

2021 wird zeigen, ob die Rechnung von Warner Bros. mit gleichzeitiger Streaming-Veröffentlichung seiner Kinofilme aufgeht – und ob die Kinos sich unter dem Druck des Streaming-Booms und der Corona-Krise über Wasser halten können.

apa/dpa

Schlagwörter: