Im Interview spricht er über die Zukunft des „Bergdoktors“, seine eigenen Zukunftspläne, die Verantwortung gegenüber den Fans und seine ganz persönliche Weihnachtsmission. von Markus Schramek (tt.com)<BR /><BR /><b>Gibt es Tage, an denen Sie gar keine Lust mehr haben, den „Bergdoktor“ Martin Gruber zu spielen?</b><BR />Hans Sigl: Nein. „Der Bergdoktor“ macht mir immer noch große Freude. Wäre es anders, könnte ich die Rolle gar nicht mehr spielen. Natürlich können lange Drehtage bei Wind und Wetter aber auch anstrengend sein. Vor allem für das Team. <BR /><BR /><b>Sie drehen gerade die 19. Staffel seit 2008. Ist ein Ende der Serie in Sicht?</b><BR />Sigl: Es wird eine 20. Staffel geben und eine 21. Ob es das dann war, hängt von der Entwicklung der Geschichte ab. Seit Ende der letzten Staffel ist der Bergdoktor verheiratet. Nach 18 Jahren. Es ist spannend, das zu spielen. Und es kommen neue Probleme auf ihn zu.<BR /><BR /><b>Bleibt er verheiratet?</b><BR />Sigl: Ich wünsche es ihm. Im Moment ist mir nichts anderes bekannt. Aber man weiß ja nie.<BR /><BR /><b>Befürchten Sie, dass die Rolle an Ihnen als Schauspieler „kleben“ bleibt?</b><BR />Sigl: „Der Bergdoktor“ ist Teil meines Lebens. Natürlich wird diese Rolle mit mir verbunden bleiben. Es gibt Tatort-Schauspieler, ich bin der Bergdoktor. Damit kann ich gut leben. Ich mache daneben auch andere Filme, die gut funktionieren. Ich verstehe es, wenn Leute, vor allem die Presse, ein Label brauchen. Ich bin da gelassen.<BR /><BR /><b>Als Sie 2005 bei „Soko Kitzbühel“ ausstiegen, sagten Sie der TT: „Wenn man etwas zu lange macht, neigt man dazu, die Dinge für gegeben zu nehmen und nicht mehr selbstkritisch zu sein.“ Wie sehen Sie das nach 18 Jahren Bergdoktor?</b><BR /><BR />Sigl: Das gilt unverändert. Ich spiele den „Bergdoktor“ immer noch mit vollem Einsatz und nehme nichts als gegeben. Würde man das einfach so drehen, ohne Herzblut, wären wir wahrscheinlich nicht immer noch so erfolgreich.<BR /><BR /><b>Ist die Rolle auch eine Dienstleistung für die Fans?</b><BR />Sigl: Das ist völlig richtig. Ich habe auch eine Verantwortung als „emotionaler Dienstleister“. Diese Bezeichnung habe ich mir selbst gegeben, weil es fast schon so anmutet (lacht). Die ZuseherInnen schalten die Geräte ein und erwarten 90 Minuten spannende Unterhaltung und damit auch eine Form von Eskapismus.<BR /><BR /><b>In 90er-Jahren waren Sie am Tiroler Landestheater engagiert. Wie kam es dazu?</b><BR />Sigl: Ich hatte in Innsbruck Lehramt studiert und bin ans Landestheater gewechselt, wo ich ausgebildet wurde und Ensemblemitglied war. 1999 gab es die Möglichkeit, zur Shakespeare Company nach Bremen zu wechseln. Es war klar, dass man als Schauspieler nicht beim ersten Engagement bleibt.<BR /><BR /><b>Ist Theater noch ein Thema?</b><BR />Sigl: Ein Theater-Engagement bedeutet Probenzeit und Aufführungen. Im Moment geht sich das nicht aus, weil wir von April bis Dezember am Drehen sind. Regie wäre eine Option.<BR /><BR /><b>Und falls das Burgtheater bei Ihnen anklopft?</b><BR />Sigl: Da müsste ich auch darauf hinweisen, dass mein Kalender voll ist. Doch man kann beruhigt sein: Das trauen sie sich an der Burg nicht (lacht laut auf). Statt Schauspiel mache ich Lesungen. Die sind auch live auf der Bühne. Ich trete seit Jahren bei Literaturfestivals auf. Oft werde ich dabei von Katharina Königsfeld am Klavier begleitet, so auch am 11. Dezember im Congress Innsbruck.<BR /><BR /><BR /><b>In Innsbruck laden Sie zu einer „literarischen Schlittenfahrt“. Was motiviert Sie dazu?</b><BR />Sigl: Zu Weihnachten sind alle im Stress. Ein Arzt hat mir erzählt, dass zur Weihnachtszeit mehr Psychopharmaka verkauft werden als im restlichen Jahr. Ich versuche für Entspannung und weihnachtliche Stimmung zu sorgen. Wir singen auch. Die meisten haben schon bei der zweiten Strophe von „Stille Nacht“ ihre Probleme.<BR /><BR /><b>Sie lesen Texte von Oscar Wilde, H. C. Andersen, Rilke bis hin zu Kurt Tucholsky …</b><BR />Sigl: Quer durch den Weihnachtsgarten. Vielleicht suche ich auch was Tirolerisches heraus. Als skurriles Element kommt ein Text, den die KI erstellt hat. Das wird ziemlich lustig.<BR /><BR /><BR /><b>Sie leben als Österreicher in Bayern. Wie ist Ihr Bild von Österreich heute?</b><BR />Sigl: Ich arbeite fast sechs Monate im Jahr in Tirol, das ist für mich wie eine zweite Heimat. Politisch war es heuer zu vermeiden, dass rechte Kräfte ans Ruder kommen. Und so möge es auch bleiben.<BR /><BR /><b>Es dauert noch ein Weilchen. Aber wie feiern Sie heuer Weihnachten?</b><BR />Sigl: Wir sind eine Patchwork-Familie und feiern gemeinsam: Meine Frau hat zwei erwachsene Söhne, ich einen. Ich schreibe am Nachmittag ein Weihnachtsgedicht mit den Highlights des Jahres. Abends gibt es Raclette, dabei wird viel geredet und zwischendurch ein bisschen beschert. Es ist das Fest der Familie, der Liebe und der Ruhe.<BR /><BR />Info: Hans Sigl liest am 11. Dezember im Congress Innsbruck weihnachtliche Texte. Nähere Infos finden Sie <a href="https://www.eventim.de/event/hans-sigl-weisse-weihnacht-congress-saal-tirol-20001755/" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">hier</a>.