Die weite Welt der zeitgenössischen Filmproduktion wolle man zeigen mit deren Inhalten, Erzählformen und ungewöhnlichen Ausdrucksmöglichkeiten. Die 10 Tage seien so wichtig, weil das Programm so vielseitig sei und weil es so möglich sei, am Nachmittag und am Abend mehr Filme unterzubekommen für das Publikum, das für die kleine Stadt Bozen sehr zahlreich sei, meinte der künstlerische Leiter des Filmfestivals <b>Vincenzo Bugno</b> und plauderte mit uns über…<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1012020_image" /></div> <BR /><BR /><b><i>…„fortgeschrittenen“ Übergang:</i></b> Ist noch 2022 das Festival in nur 4 Monaten organisiert worden, so ist im vergangenen Jahr auch an der Struktur weitergearbeitet worden. Die Grundidee des Festivals besteht darin, dass es sich von der Region, vom Lokalen inspirieren lässt. Kino als filmische Produktion, aber auch Kino als ein Ort, wo man Filme sieht, und mit Menschen genießen kann – und Südtirol als Standort Kino mit verschiedenen starken Identitäten.<BR /><BR /><BR /><b>…Hingabe:</b> Diese entsteht durch die Zusammenarbeit von Partnern, die dazu beitragen, diesen Ort zu einem bemerkenswerten Moment der filmischen Entwicklung zu machen. Auf europäischer Ebene gibt es kaum eine so starke Realität. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1012023_image" /></div> <BR /><b>…Programm:</b> Es gibt verschiedene Sektionen, alle gleich wichtig, also keine hierarchische Beziehung zwischen den Wettbewerbsfilmen und den Filmen und Dokus außerhalb, alle stehen im Dialog zueinander. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1012026_image" /></div> <BR /><b>…Einheit, Kohärenz, Konsequenz:</b> Alle Initiativen des Festivals kommunizieren miteinander. Und die meisten Filme kommen aus der Schweiz, Deutschland, Österreich und Italien. Es ist aber auch nicht überraschend, dass ein Film aus Argentinien im Programm zu finden ist, der aus einer italienisch/deutschen Koproduktion entstanden ist. <BR /><BR /><b>…das heutige Kino:</b> Es ist mehrsprachig.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1012029_image" /></div> <BR /><BR /><b>…kleine bis mittelgroße Festivals:</b> Die Konkurrenz ist groß. Immer noch herrscht eine Art Neid, der erste zu sein, der einen Film ausstrahlt. Der Hauptzweck aber ist es, eine große Auswahl an guten Filmen zu bieten.<BR /><h3> 12 Filme im Wettbewerb, 8 italienische Premieren und...</h3><BR /><div class="img-embed"><embed id="1012032_image" /></div> <BR /><BR />„Wichtig ist es, das Publikum nicht zu unterschätzen. Ich bin der Meinung, dass das Festival Filme zeigen soll, die normalerweise nicht leicht verfügbar sind, die neugierig machen, und ich bin der Meinung, dass es in Bozen dieses Potenzial gibt. Wir suchen keine Themen aus, sondern suchen Filme aus. Auch wenn das heurige Programm, die Realität um uns und unsere fragile Existenz mit all unseren Konflikten auf diesem Planeten widerspiegelt, so wollen wir grundsätzlich einen Filmdiskurs führen. Am Ende zählt die künstlerische Identität des Films“, plauderte Bugno weiter über …<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1012035_image" /></div> <BR /><b>…die Sektion RealeNonReale:</b> Das Publikum wird da mit unterschiedlichen dokumentarischen Formen, Realitäten, Bedürfnissen und Emotionen konfrontiert: Von der Kolonialgeschichte bis zum heutigen Leid an den europäischen Grenzen des Mittelmeers, vom biografischen Essay zu Universen zwischen Neapel und seiner Umgebung.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1012038_image" /></div> <BR /><BR /><b>…österreichische oder deutsche Filme:</b> Gezeigt wird etwa „Andrea lässt sich scheiden“ (AUT) von und mit Josef Hader und Birgit Minichmayr. Die Film- und Theaterschauspielerin war schon Gast beim Film Festival Bozen. Sie spielt auch die Hauptrolle in „Mit einem Tiger schlafen“ (AUT), ein beeindruckendes, filmisches Porträt der österreichischen Malerin Maria Lassnig. Auch „Ellbogen“ (DEU/TUR/FRA) ist ein deutscher Film der deutsch/türkischen Regisseurin Asil Özarsian, der von Menschen mit Migrationshintergrund erzählt.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1012041_image" /></div> <BR /><BR /><b>…interne Strecken:</b> So kann man etwa den Film „Mit einem Tiger schlafen“ mit einer Reihe von Kurzfilmen in Verbindung bringen, die ebenfalls vom Leben Maria Lassnigs erzählen. <BR /><BR /><BR /><b>…female views:</b> Viele Filme im heurigen Programm stammen von Regisseurinnen, oder sie stellen den weiblichen Körper in den Mittelpunkt der Erzählung und des Bildes. Wie in den beiden deutschen Filmen „Touched“ (DEU) von Claudia Rorarius und „Ivo“ (DEU/AUT) von Eva Trobisch oder in „Tempo d'attesa“ von Claudia Brignone in der Sektion RealeNonReale, wo es um eine neapolitanische Hebamme geht, aber auch in „Mit einem Tiger schlafen“ von Anja Salomonowitz. Und in „lasciami sola“ (CHE/FRAU/BEL) von Maxime Rappaz geht es auch um die Geschichte einer Frau: Claudine geht jeden Dienstag in ein Berghotel, um Männer auf der Durchreise zu treffen… <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1012044_image" /></div> <BR /><BR /><b>…Identität der Festivalprogrammierung:</b> „Puan“ von María Alché und Benjamín Naishtat widerspiegelt die Stimmung von BFFB 37, ein Film von leichter Komplexität, eine urkomische philosophische Komödie. <BR /><BR /><b>...Local Heros:</b> „Souvenirs of War“ des deutschen Filmemachers Georg Zeller, der an der Filmschule ZeLIG in Bozen studiert hat, ist eine essayistische Reise nach Bosnien, wo einstige Kriegsschauplätze zu Touristenattraktionen geworden sind. Und der schon mehrfach preisgekrönte Film „Vista mare“ vom Südtiroler Paar Julia Gutweniger und Florian Kofler enthüllt mit einer poetischen und surrealen Herangehensweise die verbotene Arbeit hinter dem „Urlaub in der Sonne“ an den nordadriatischen Küstenorten Italiens. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1012047_image" /></div> <BR /><BR /><b>...was in diesen Tagen um uns passiert:</b> „Südsee“ von Henrika Küll untersucht – ausgehend von einer undefinierten Freundschaft zwischen 2 Jungen – die chronische Komplexität der Beziehungen zwischen Deutschland, der jüdischen Welt und Israel. <BR /><BR /><BR /><b>...Fragilität unserer Existenz:</b> Das ist ein wiederkehrendes Thema in den Filmen des BFFB. So nimmt Peter Mettler in seinem audiovisuellen Tagebuch „While the Green Grass Grows“ (CHE/CAN) Abschied von seiner Mutter und seinem Vater. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1012050_image" /></div> <BR /><BR /><b>…Animationsfilme:</b> Im Wettbewerb zu sehen ist „Invelle“ von Simone Massi über ein Mädchen, deren Mutter tot und der Vater im Krieg ist. Wir schreiben das Jahr 1918. Massi wird auch zum Festival kommen.<BR /><BR /><BR /><b>...wesentlich, aber auch ironisch und lustig:</b> Alle Filme im Wettbewerb erzählen private, persönliche Geschichten, schneiden historische, politische, kulturelle, eben wesentliche, Themen an. Doch häufig sind sie ironisch und lustig. Ironie und Humor sind wichtige Instrumente, um komplexe und Angst einflößende Themen anzugehen. <BR /><h3> Und mehr...</h3><div class="img-embed"><embed id="1012053_image" /></div> <BR /><BR />Eröffnet wird mit dem Stummfilm „Blind Husbands“ von <Fett>Erich von Stroheim</Fett> von 1919. Stroheims Regiedebüt wird in den 3 Sälen des Filmclubs in einer restaurierten Fassung des Österreichischen Filmmuseums in Wien und, dank der Zusammenarbeit mit dem Südtirol Jazz Festival Alto Adige, zum ersten Mal in Italien mit Live-Musikbegleitung gezeigt. Der dem Bergführer Sepp Innerkofler gewidmete Film wurde in den Universal Studios vor der Kulisse der Dolomiten von Cortina d'Ampezzo gedreht und war seinerzeit ein großer Erfolg. Den Abschluss bildet das kleine animierte Meisterwerk „Linda will Hühnchen!“ von Chiara Malta und Sébastien Laudenbach. <BR /><BR /><BR />In diesem Jahr werden die Preise für das Lebenswerk des BFFB an das Regieduo <b>Yervant Gianikian</b> und <b>Angela Ricci Lucchi</b> (18.4.) sowie an die Produktionsfirma <b>Vivo film</b> von <b>Marta Donzelli</b> und <b>Gregorio Paonessa</b> (14.4.) verliehen. Yervant Gianikian und Angela Ricci Lucchi, außergewöhnliche Protagonisten des Kinos und der visuellen Künste, werden zudem mit der Vorführung von 6 Filmen geehrt.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1012056_image" /></div> <BR />Den Fokus widmet BFFB 37 dem brasilianischen indigenen Kino – ein vielschichtiges Kino, in dem die militanten Produktionen des authentischen politisch-kulturellen Widerstands lokaler Kollektive, die Produktionen einiger Regisseur mit beträchtlicher Produktionserfahrung und die Werke einiger nicht-indigener Regisseurinnen Platz finden.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1012059_image" /></div> <BR /> Und <Fett>Kleinsprachen DOC</Fett> ist die Sektion, die das BFFB in Zusammenarbeit mit dem Masterstudiengang Angewandte Linguistik der Freien Universität Bozen und dem Kulturverein La Fournaise dem Thema der sprachlichen Minderheiten widmet. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1012062_image" /></div> <BR /><BR />Und <b>BFFB Special</b> ist die Sektion, in der Autorenfilme gezeigt werden, die mit anderen Filmen des Programms verknüpft sind. So etwa der Fuilm „persona non grata“ mit der Südtiroler Schauspielerin gerti Drassl. <BR /><BR /><BR />Mit den <b>BFFB Industry Days</b> bietet das Festival zum ersten Mal auch einen „Industry“-Rahmen, in dem bestehende und neue Initiativen vorgestellt werden, die aus der Zusammenarbeit mit der Film Commission von IDM Südtirol entstanden sind.(eva)<BR /><BR /><BR /><b>Termin:</b> 12. bis 21. April <BR /><h3> Unvergessen: „Baumi 10 years“ – Hommage an Karl „Baumi“ Bamgartner</h3><BR />An 3 Abenden würdigen das BFFB 37 und das Frankfurter Lichter Filmfest den vor 10 Jahren verstorbenen Produzenten, Verleiher und Regisseur <b>Karl Baumgartner</b> mit einer Hommage und zeigen eine Auswahl seiner schönsten Filme. Seine Frau Alexandra D'Olif und Tochter Martina Valentina werden beim Festival anwesend sein. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1012065_image" /></div> <BR /><BR /><BR />Diese intime emotionale Hommage beginnt am 13. April um 18 Uhr mit einem Live-Abend mit Musik und Poesie mit Benno Simma, Georg Tschurtschenthaler, Andreas Pichler und Cassis B Staudt sowie der Vorführung von 2 Kurzfilmen: <TextHBlau>„ES 22 – Favola in quattro tempi“</TextHBlau> von Ivo Barnabò Micheli (1967, 14min) mit Alexandra D’Olif Baumgartner, Karl „Baumi“ Baumgartner und Ivo Barnabò Micheli sowie <TextHBlau>„Strange to meet you“</TextHBlau> (Coffee and Cigrettes, segment 1) von Jim Jarmusch (USA, 1986, 6 min) mit Roberto Benigni und Steven Wright. <BR /><BR /><BR />Am 19. April wird der Film<TextHBlau> „Luna Papa“</TextHBlau> des tadschikischen Regisseurs Bakhtiar Khudojnazarov gezeigt, eine wertvolle Gelegenheit, die enorme kulturelle Offenheit des großen Produzenten zu verstehen. Und am 20. April kommt <TextHBlau>„Stranger than Paradise“</TextHBlau> von Regisseur Jim Jarmusch auf die Leinwand, mit dem Baumi eine fruchtbare berufliche Zusammenarbeit und enge Freundschaft verband. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1012068_image" /></div> <BR />Karl Baumgartner, geboren am 3. Januar 1949 in Bruneck, war ein herausragender Produzent des Weltkinos. Bereits in seiner Jugend zeigte er ein starkes Interesse am Film. Gemeinsam mit Bernabo Micheli realisierte er erste Hobbyfilme. In den 1960er Jahren begann Baumgartners berufliche Karriere in Rom, wo er als Regieassistent und Filmkritiker tätig war. Seine Neugier und sein Enthusiasmus führten ihn in die Welt des alternativen Films, wo er sich mit Gleichgesinnten im Kollektiv „Harmonie“ in Frankfurt zusammenschloss. In den 1970er Jahren avancierte „Harmonie“ zu einem wichtigen Forum für den internationalen Arthouse-Film in Deutschland. Mit Reinhard Brundig trug er zur Förderung des Arthouse-Films bei, indem er 1982 den Filmverleih Pandora Film gründete, der sich schnell als einer der führenden europäischen Verleiher des internationalen Kinos etablierte und Talente wie Jim Jarmusch, Sally Potter, Aki Kaurismäki und Kim Ki-duk entdeckte. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1012071_image" /></div> <BR /><BR /><BR />Baumgartner engagierte sich nicht nur im Verleih, sondern begann auch, als Filmproduzent tätig zu werden. Seine Beteiligung an preisgekrönten Filmen festigten seinen Ruf als innovativer und einflussreicher Produzent. 2003 gründete er mit Thanassis Karathanos die Produktionsfirma Pallas Film, die sich auf osteuropäische Filme spezialisierte. Baumgartner wurde nicht nur für seine künstlerischen Leistungen, sondern auch für sein Engagement und seine Leidenschaft für den Film geehrt. Sein Tod am 18. März 2014 hinterließ eine Lücke in der internationalen Filmgemeinschaft, doch sein Erbe lebt weiter in den herausragenden Werken des World cinema, die er ermöglicht hat.<BR /><h3> Die Filme im Wettbewerb</h3><BR /><div class="img-embed"><embed id="1012074_image" /></div> <BR /><BR /><b>„Andrea lässt sich scheiden“</b> von Josef Hader <BR /><b>„Ellbogen“</b> von Asli Özarslan<BR /><b>„Invelle“</b> von Simone Massi<BR /><b>„Ivo“</b> von Eva Trobisch<BR /><b>„Lasciami sola“</b> von Maxime Rappaz<BR /><b>„Mit einem Tiger schlafen“</b> von Anja Salomonowitz<BR /><b>„Puan“</b> von Maria Alchè und Benjamìn Naishtat<BR /><b>„Souveniers of War“</b> von Georg Zeller<BR /><b>„Südsee“</b> von Henrika Kull<BR />„<b>Touched“</b> von Claudia Rorarius<BR /><b>„Vista Mare“</b> von Julia Gutweniger und Florian Kofler<BR /><b>„While the Green Grass Grows“</b> von Peter Mettler<BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR />