<b>Im Vorfeld der Vorstandswahlen hat es im Künstlerbund gebrodelt. Einige Mitglieder versuchten die Meuterei, sprachen von einem zeitgemäßeren Künstlerbund, von flachen Hierarchien und von Vielfalt. Wie werden Sie versuchen, diese Stimmen zu befrieden?</b><BR />Alexander Zoeggeler: Ich würde gar nicht von „befrieden“ sprechen, sondern von „aufgreifen“. Kritik ist ein Zeichen dafür, dass sich Mitglieder mit dem Künstlerbund identifizieren und ihn weiterentwickeln wollen. Die Forderungen nach flacheren Hierarchien, mehr Vielfalt und zeitgemäßen Strukturen nehme ich ernst. Unser Ansatz wird sein, die Kritik zu prüfen und die Impulse strukturell einzubinden – etwa durch die transparente Darlegung von Entscheidungsprozessen und offene Austauschformate. Der Künstlerbund soll ein lebendiger Organismus bleiben, kein statisches Gebilde.<BR /><BR /><b>Sie sind mit großer Mehrheit wiedergewählt worden, also haben Sie es wohl richtig gemacht bisher. Mit welcher Vision treten Sie Ihre neue Amtszeit an und welche Schwerpunkte möchten Sie setzen?</b><BR />Zoeggeler: Die Wiederwahl ist für mich weniger Bestätigung als Auftrag. Meine Vision ist ein Künstlerbund, der noch klarer als Plattform funktioniert: verbindend zwischen Generationen, Disziplinen und auch zwischen Kunst und Gesellschaft. Schwerpunkte werden sein, interne Dialoge zu fördern, interdisziplinäre Projekte zu stärken und die Rolle des Künstlerbundes als kulturpolitische Stimme weiter zu schärfen. Gleichzeitig geht es weiterhin darum, alternative Beteiligungsmöglichkeiten zu schaffen.<BR /><BR /><b>Es hat im Künstlerbund eine „Verjüngung“ gegeben. Eva Gratl, die lange im Vorstand mitgearbeitet hat, hat bewusst ihre Position jungen Kunstschaffenden überlassen, die unterschiedliche Positionen und Bedürfnisse vertreten. Dafür hat sie bei den Mitgliedern viel Zuspruch bekommen und auch die meisten Stimmen bei der Wahl als Kassierin erhalten. Welche Ansätze verfolgen gerade die jungen Frauen für die Bildende Kunst?</b><BR />Zoeggeler: Mir ist es wichtig zu betonen, dass Eva Gratl auch weiterhin mit ihrem wertvollen Fachwissen inhaltlich mitarbeitet. Mit Ali Paloma, Mirijam Heiler oder Hubert Kostner kommen neue, unterschiedliche Perspektiven zusammen: konzeptuell, gesellschaftskritisch sowie mit Blick auf Professionalisierung und faire Vergütung. Gemeinsam mit Gerd Bergmeister und Hannes Kerschbaumer wird das Interdisziplinäre noch stärker gefördert. Was sie auch mit den bestehenden Vertretern im Vorstand – Stefano Peluso und Ferruccio Delle Cave – eint, ist ein erweitertes Kunstverständnis, das über klassische Formate hinausgeht.<BR /><BR /><b>Die neue Präsidentin des Museion, Tanja Pichler, hat sich bereits zu Wort gemeldet und will verstärkt mit dem Künstlerbund zusammenarbeiten. Werden Sie auch mit anderen Institutionen im Land und außerhalb, die sich mit zeitgenössischer Kunst beschäftigen, vermehrt den Dialog suchen? Inwiefern?</b><BR />Zoeggeler: Der Dialog mit dem Museion ist essenziell. Die Signale von Tanja Pichler begrüße ich sehr. Kooperationen mit Institutionen – lokal wie international, mit privaten wie öffentlichen Partnern, auch in Form von Pilotprojekten – zählen bereits zu den größten Stärken des SKB. Unsere Mitglieder sind unser Netzwerk, aus dem wir schöpfen. Mit den Residenzen im SKB Lab wird dieser Austausch disziplinenübergreifend weiter ausgebaut, was uns im internationalen Kontext stärkt und klar positioniert. Gleichzeitig ist es wichtig, dass der Künstlerbund seine europaweite Einzigartigkeit behält und als Stimme der Kunstschaffenden agiert. Unser Potential liegt vor allem in der Eigeninitiative und der Bereitschaft, sich für den Verein sowie für interdisziplinäres und bereichsübergreifendes Denken und dem Bilden von Synergien einzusetzen.<BR /><BR /><b>Sie haben bereits gesagt, dass es Ihnen nun auch darum gehe, die Wirkung der Arbeit des Künstlerbundes weiter zu stärken – und zwar für jede einzelne Disziplin. Gerd Bergmeister und Stefano Peluso sind für den Bereich Architektur zuständig, Ferruccio Delle Cave für die Literatur und Hannes Kerschbaumer für die Musik. Einige Mitglieder sind nun neu im Vorstand bestellt, andere nicht. Was erwarten Sie von ihnen für die Zukunft?</b><BR />Zoeggeler: Ich sehe den Vorstand als ein Team, das aus unterschiedlichen Perspektiven heraus gemeinsam Impulse setzt. Mir ist wichtig, dass jede Sparte eigenständig Akzente entwickelt und gleichzeitig der Austausch zwischen den Disziplinen wächst. Für die Zukunft wünsche ich mir, dass die einzelnen Verantwortlichen ihre Bereiche aktiv weiterdenken, neue Formate anstoßen und den Künstlerbund als Plattform sichtbar mitprägen.<BR /><BR /><b>Auf der Webseite liest man: Der Künstlerbund ist 1946 in Bozen gegründet worden und sieht sich als offenes Portal zwischen Kunstschaffenden und Kunstkonsumenten. Glauben Sie, es gab auch Momente, in denen die Kunst schneller war als die Institution – oder umgekehrt?</b><BR />Zoeggeler: Das Spannungsverhältnis gehört zur Natur solcher Institutionen. Kunst ist oft radikaler und experimenteller, während Institutionen stabilisieren, strukturieren und vermitteln müssen. Entscheidend ist, dass es vor allem seit den Covid-Jahren gelungen ist, noch genauer hinzuhören, Bedürfnisse schneller aufzugreifen und die Eigenverantwortung der Mitglieder zu unterstützen, indem wir wichtige Entwicklungen früh erkannt haben. Der SKB hat an Einfluss gewonnen. Einfluss bedeutet, gehört und gesehen zu werden und vor allem ernst genommen zu werden. Die Relevanz unserer Mitglieder in der Gesellschaft spielt dabei eine zentrale Rolle. Künstlerinnen und Künstler leisten einen wichtigen Beitrag zur Reflexion aktueller Themen, eröffnen neue Perspektiven und schaffen Räume für kritischen Diskurs. <BR /><BR /><b>Zwischen Atelier, Öffentlichkeit und Kulturpolitik: Wo war Ihr Amt bisher für Sie eher Bürde, wo Geschenk?</b><BR />Zoeggeler: Beides. Die Verantwortung, unterschiedliche Interessen zu bündeln und auch kulturpolitisch Position zu beziehen, kann fordernd sein. Als belastend empfinde ich Phasen, in denen Diskussionen sehr emotional oder nicht immer sachlich geführt werden. Gleichzeitig ist es ein großes Privileg, so nah an den Künstlerinnen und Künstlern zu sein, künstlerische Prozesse zu begleiten, Entwicklungen mitzugestalten und Menschen zu vernetzen. Das gemeinsame Gestalten macht das Amt für mich so wertvoll.<BR /><BR /><b>Und wenn Sie Ihre Präsidentschaft als Kapitel in der Geschichte des Südtiroler Künstlerbundes lesen – wie möchten Sie definiert werden?</b><BR />Zoeggeler: Wenn ich es mir wünschen darf, als das Kapitel der Möglichkeitsräume, der Öffnung, der Entwicklung und der Verbindung. Eine Zeit, in der der Künstlerbund stärker in die Gesellschaft hineingewirkt hat, physisch aber auch gesellschaftlich mehr Raum bekommen hat und gleichzeitig intern vielfältiger und durchlässiger geworden ist. Nicht als Bruch mit der Tradition, sondern als klare Weiterentwicklung.<BR /><BR />Am Samstag bei der Wahl des SKB-Vorstandes wurden die Bilanz in Höhe von rund 1.170.000 Euro genehmigt und die Ehrenmitglied- schaften vergeben an: Helga von Aufschnaiter, Benno Simma, Sieglinde Tatz Borgogno und Hubert Stuppner vergeben.