Freitag, 15. November 2019

Künstlerinnen fordern Entschuldigung von Festspielen Erl

Die in der Causa Erl betroffenen 5 Künstlerinnen fordern nun eine öffentliche Entschuldigung von den Festspiel-Verantwortlichen. Damit solle die „Reputation als Künstlerinnen wiederhergestellt“ werden. Zuletzt wurde publik, dass die Gleichbehandlungskommission in ihrem Bericht dem ehemaligen künstlerischen Leiter der Festspiele im österreichischen Erl, Gustav Kuhn, sexuelle Belästigung vorwirft.

Bericht erhärtet Vorwürfe gegen Kuhn.
Bericht erhärtet Vorwürfe gegen Kuhn. - Foto: © APA (Archiv) / EXPA/JOHANN GRODER

Die Entschuldigung solle in jener Form erfolgen, „in der unsere Reputation als Künstlerinnen wiederhergestellt und unsere Würde als Frauen respektiert wird“, so die 5 Frauen. Die Entschuldigung erwarte man sich „vonseiten der Tiroler Festspiele Erl Privatstiftung sowie von der Tiroler Festspiele Erl Betriebsges.m.b.H. als deren operativem Organ, für den in Ihrem Unternehmen stattgefundenen und von Ihnen über Jahre geduldeten Machtmissbrauch Ihres Intendanten“, schrieben die Künstlerinnen in dem an Kulturlandesrätin Beate Palfrader (ÖVP), Festspielpräsident Hans Peter Haselsteiner und den Sektionsleiter im Bundeskanzleramt, Jürgen Meindl, gerichteten Offenen Brief.

Die Kommission habe jetzt „in allen 5 von ihr untersuchten und geprüften Fällen in 5 separaten Gutachten zweifelsfrei sexuelle Belästigungen von uns ehemals bei den Festspielen tätigen Künstlerinnen durch den Gründer und langjährigen Leiter Gustav Kuhn festgestellt“, erklärten die Künstlerinnen.

„Wir als Frauen herabgesetzt und als Künstlerinnen diffamiert“

Und kritisierten gleichzeitig die Festspiel-Verantwortlichen: „Nach dem Offenen Brief im Juli 2018, in welchem wir erstmals mit Namen und konkreten Schilderungen massive Übergriffe öffentlich gemacht hatten, war nicht nur und nicht nur von Ihnen, den Verantwortlichen, unsere Glaubwürdigkeit in Zweifel gezogen, sondern sind wir auch als Frauen herabgesetzt und als Künstlerinnen diffamiert worden“.

Die Gleichbehandlungskommission habe die Vorwürfe hingegen als „authentisch“ und „glaubhaft“ gewürdigt. Es gehe um „vulgäre Anmache, eindeutige Aufforderung zu Sex, unerwünschte Küsse auf den Mund und das Dekolleté, Griff auf den Po, unter den Pullover, an die Brüste, zwischen die Schenkel und direkt an die Scham“.

Die Beweiswürdigungen der Gleichbehandlungskommission würden eine „vollständige Rehabilitierung“ für sie darstellen, so die Künstlerinnen, die von einer „versuchten Täter-Opfer-Umkehr “ nach dem damaligen schweren Schritt an die Öffentlichkeit sprachen. In den Gutachten sei bestätigt worden, dass in Erl eine „einschüchternde, feindselige bzw. demütigende Arbeitsumwelt“ geschaffen wurde.

apa