Donnerstag, 13. Mai 2021

10 Jahre transdisziplinäre Kulturarbeit in Lana und Umgebung

Seit 2012 bespielt das Kulturfestival LanaLive unter der künstlerischen Leitung von Hannes Egger und Katrin Klotz transdisziplinär und thematisch das Dorf Lana und seine Umgebung. Zum 10-jährigen Jubiläum legt LanaLive nun einen Kunstparcours seiner thematischen Ausrichtung quer durch Lana und darüber hinaus.

Alp.bär ist eine cineastische Expeditions-Tour die von der Regisseurin Franziska Guggenbichler, der Autorin Maria C. Hilber und der Musikerin Lale Rodgarkia-Dara 2018 im Rahmen von LanaLive für das Knottenkino entwickelt wurde.
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Alp.bär ist eine cineastische Expeditions-Tour die von der Regisseurin Franziska Guggenbichler, der Autorin Maria C. Hilber und der Musikerin Lale Rodgarkia-Dara 2018 im Rahmen von LanaLive für das Knottenkino entwickelt wurde. - Foto: © Philip Flyle Unterholzner
10 Tage lang, vom 13. bis 23. Mai 2021, wird das 10-jährige Jubiläum seit der Neuausrichtung von LanaLive mit einem Best-of der vergangenen Jahre gefeiert. Anhand von 14 Installationen werden Momente und Inhalte der letzten Festivalausgaben neu kombiniert und reflektiert, Veranstaltungen und Projekte der letzten Jahre in Installationen umgewandelt und in einem über Lana hinausgehenden Kunstparcours wieder gezeigt.

Von Beginn an verstand sich das Kulturfestival als kultureller Nahversorger. Ortsspezifische Kunst und Kultur, die sich vor Ort auf die Gegebenheiten einlassen, erlebbar für alle zu machen, war und ist ein großes Anliegen des Veranstaltungsteams. So wurden in den vergangenen neun Jahren viele Auftragsarbeiten vergeben und Künstler*innen eingeladen, sich mit den jeweiligen Festivalthemen auseinander zu setzen. Im Anschluss daran wurde das Festival jedes Jahr im „LanaLive Report“ zusammengeführt.

Alle 9 Ausgaben des Reports ergänzen sich, erzählen eine Geschichte und ergeben eine manchmal schöne, manchmal gegenläufige Charakterisierung der Gegend. Im Lauf der Zeit wurden verschiedenste Aspekte, von der Topografie über die Siedlungsgeschichte bis hin zum Untergrund, untersucht. In der Jubiläumsausgabe 2021 wird der Report im Vordergrund stehen. Er ist es auch, der das Verhandelte reflektieren und beobachten lässt. 10 Jahre LanaLive als Reflexion über das Gewesene, als Nachbereitung oder, um es mit Worten eines Berufeneren zu sagen, als Beobachtung der Beobachtung.

2021 zeigt LanaLive unter dem Titel „Best-of“ ein buntes Potpourri aus allen thematischen Ausgaben mit insgesamt 14 Installationen im Dorf und darüber hinaus, die neu kombiniert werden, sowie neuen Auftragsarbeiten und neuen Reflexionen.


Programmüberblick

Simon Perathoner: 46.576114, 11.077966 / Ulten – trifft – Lana (Roundabout, 2019)

Der Grödner Künstler Simon Perathoner übergab 2019 einen mit einem GPS-Sender versehenen Baumstamm in Ulten der Falschauer und fischte ihn in Lana wieder heraus. Den „gestrandeten“ Baumstamm zeigt er nun wie ein Artefakt längst vergangener Zeiten, im Sand vergraben.
Standort: Unter der Falschauerbrücke beim Teiss, orographisch Links, Lana.

Matthias Keitsch & Manuel Oberkalmsteiner: UNHEARD PLACES / Lana (Underground, 2020)

Ein Stollen in der Gaulschlucht als mögliche Munitionsfabrik: Journalist Matthias Keitsch und Musiker Manuel Oberkalmsteiner lassen untergründige Geschichten aus den Tiefen des Felslochs erklingen welche sie 2019 in Lana gesammelt haben.
Standort: Gaulschlucht, Stollen gegenüber dem Eisstock-Platz, Lana. Täglich von 10 bis 18 Uhr.

Martin Hanni: Taxi69 (Zone, 2015)

Der Journalist Martin Hanni entwickelte 2015 für LanaLive das Live-Hör-Feature „Zone69“, in welchem er die Geschichte der Industriezone Lana recherchierte. Neu bearbeitet kann das Hörstück unter dem Titel „Taxi69“ während einer Taxifahrt wiedererlebt werden.
Standort: Imbiss 2000, Industriezone, Lana. Buchung: Taxi Günther Fischer: 335 52 12 795

Annika Terwey, Sophie Lazari: Zueinander (finden) – Trovarsi (Best-of, 2021)

Nach 2019 wollen die beiden Künstlerinnen Annika Terwey und Sophie Lazari erneut auf das Thema der psychischen Gesundheit aufmerksam machen um die soziale Inklusion von Menschen mit einer psychischen Erkrankung zu fördern. Zu diesem Zweck haben sie in Zusammenarbeit mit dem Verband Ariadne eine Bank entwickelt bei der nicht nebeneinander, sondern zueinander gesessen wird. Standort: Hoffmannplatz, Lana, ab 19.05.2021

Markus Breitenberger, ALMA, Laura Zindaco (Fotos): Vom Gasthaus Teiss zum Mitterbad (Hotel, 2013)

Eine Kulturwanderung vom Gasthaus Teiss in Lana bis zum Mitterbad in Ulten, wo einst Kaiserin Elisabeth, General Otto von Bismarck und Schriftsteller Thomas Mann Urlaub machten, fand 2013 statt. Den musikalischen Höhepunkt bildete der Auftritt der zeitgenössische Volksmusikformation ALMA unter der Buche beim verfallenen Bad. Standort: Warteraum im Mobilitätszentrum A.L.M., Lana.

Joachim Knobloch: Final Destination (Holy Land, 2014)

Der deutsche Künstler Joachim Knobloch bespielte 2014 die Freiluftgalerie mit Bildern und Texten und schuf die Bushaltestelle mit der Zieldestination „Himmel“. Ob und wann das versprochene Verkehrsmittel vorbei kommt bleibt auch diesmal ungewiss. Standort: Innenhof Thalerhof, Griesplatz, Lana.

Ultner Fünfgesang (The Settlers, 2016)

Eine der bewegendsten Veranstaltungen von LanaLive fand 2016 in der für Rückoptanten gebauten Mautsiedlung statt. Der Ultner Fünfgesang wanderte von Garten zu Garten und sang heimisches Liedgut. Mit der App ARTIVIVE können die beiden rot umrandeten Fotos gescannt werden und der Ultner Fünfgesang beginnt zu singen – wie vor vier Jahren.
Standort: Mautstraße 5, Lana.

DJ Raffaele Virgadaula: 100 Zone Songs (Zone, 2015)

Für LanaLive befragte DJ Raffaele Virgadaula 100 Werktätige in der Industriezone nach ihren Lieblingsliedern. Aus diesen Liedern erstellte er den „100 Zone Song Remix“, mit dem die menschliche Arbeit gefeiert werden soll. Nun sind die „100 Zone Songs“ in einem Diskosetting erneut zu hören.
Standort: Dal piastra 24h, Maria Hilf Strasse 10. Täglich von 10 bis 18 Uhr.

Nemanja Cvijanovic: Tutti uniti contro muri e steccati (Via Lombarda, 2017)

Die Gampenstraße wurde 1938 für den Verkehr freigegeben und in Lana mit einem Obelisken mit faschistischen Symbolen markiert. An die ursprüngliche Position des Obelisken – in der Mitte des Gampen-Kreisverkehrs – setze der kroatische Künstler Nemanja Cvijanovic einen Aufruf gegen jegliche Form von Grenzen. Jetzt flattert seine Fotoarbeit am Gampenpass.
Standort: Gampenpass, ANAS-Haus, St. Felix.

Franziska Guggenbichler, Maria C. Hilber, Lale Rodgarkia-Dara: Alp.bär (Aussichten, 2018)


Alp.bär ist eine cineastische Expeditions-Tour die von der Regisseurin Franziska Guggenbichler, der Autorin Maria C. Hilber und der Musikerin Lale Rodgarkia-Dara 2018 im Rahmen von LanaLive für das Knottenkino entwickelt wurde. Verhandelt werden in der dreiteiligen Expedition die Lebensräume und die Sehnsucht nach der tiefsten Wildnis. Den QR-Code mit dem Smartphone scannend kann dem Hörstück bei freiem Blick über das Etschtal gelauscht werden. Standort: Knottnkino, Vöran. Mitzubringen: Smartphone und Kopfhörer.

Hotel Amazonas: Aussichten (Aussichten, 2018)

Dem Künstlerkollektiv Hotel Amazonas - Margareth Kaserer und Simon Steinhauser - oblag es für die Festivalausgabe im Jahr 2018 das Postersujet zu entwerfen. Die Fahnenstange unweit der Jocherkirche, dem mehr oder weniger höchsten Punkt von Lana, mit seiner fantastischen Aussicht und den weit zurückreichenden kulturellen Spuren, wurde als Standort für die Installation der Fahne gewählt. Standort: Fahnenstange Gasthaus Jocher, Vigiljoch, Lana.

Markus Breitenberger: Die Geschichte eines Drachens (Die Falschauer fließt in die Etsch, 2012)

Wanderführer Markus Breitenberger erzählte 2012 eine Geschichte von zwei Drachen und verband so den Weissbrunnsee in Ulten mit der Gaulschlucht Lana, sowie den Sternekoch Giancarlo Godio mit dem koreanischen Bildhauer Moon Byoung Tak.
Standort: Gaulschlucht bei der Skulptur “I am angry“ von Moon Byoung Tak, Lana.

Johannes S. Huber: Wegweisung auf Augenhöhe (Best-of, 2021)

Zu jedem Jubiläum gehört neben dem Blick zurück auch die Aussicht in die Zukunft. LanaLive hat den Buchautor und Hellseher Johannes S. Huber eingeladen „Wegweisungen auf Augenhöhe“ zu geben. Er steht den Festivalteilnehmer*innen für je 30 Minuten zur individuellen Beratung zur Verfügung. Unverbindlich und ohne Erwartungen bietet Huber durch Hellsehen reflektierende Gespräche, die neue und zukunftsweisende Richtungen vorgeben.
Datum: Samstag, 22.05.21, verschiedene Uhrzeiten, Anmeldung: [email protected]

Manuel Pellegrini: Falschbier – Eine Hommage an die Falschauerwiesen (Best-of, 2021)
Für LanaLive „Best-of“ ist Manuel Pellegrini eingeladen sich nach 2021 erneut mit den Wasserläufen zu beschäftigen. Sein Interesse weckten dabei die Falschauerwiesen, deren Geschichten er in einem eigens gebrauten Falsch-Bier verdichtet. Das Getränk bildet das Festbier der Jubiläumsausgabe von LanaLive.
Datum: Sonntag, 23.05.21, Uhrzeit und Standort werden mitgeteilt

LanaLive Report (2012–2020)
LanaLive versteht sich als forschendes Kulturfestival. Um die Forschungsergebnisse zu sichern entstehen seit 2012 jährlich im Anschluss an das Festival die LanaLive-Reports. Zur freien Entnahme stehen die neun LanaLive-Reports – die sich auch als alternatives Dorfbuch verstehen – zur Verfügung. Sie sollen einerseits erinnern, aber auch auf neue Zusammenhänge hinweisen und unerwartete Aussichten hervorrufen.
Standort: Buchladen Lana, Am Gries 5, Lana.


Rückblick
Entstanden aus der BigBand84 übernahmen Hannes Egger und Katrin Klotz 2012 von Thomas Holzner die künstlerische Leitung von LanaLive und richteten das Festival neu aus, indem sie entschieden, jedes Jahr ein bestimmtes Thema zu bearbeiten, aufzuwerfen und mit künstlerischen Mitteln zu untersuchen.

Die erste von ihnen kuratierte Ausgabe beschäftigte sich unter dem Titel „Die Falschauer fließt in die Etsch“ mit der geographischen Definition des zu untersuchenden Gebiets.
Im Anschluss an diese geographische Einordnung wurden weitere Themen untersucht, die Lana charakterisieren: So spürte das Festival 2013 mit „Hotel“ dem Tourismus in Lana nach. Es begab sich auf die Spuren des Hotels Royal, das 1906 eröffnet wurde, und führte zu den historischen Bädern im Ultental. Mit einem sehr speziellen Musikprogramm setzte sich LanaLive 2014 unter dem Titel „Holy Land“ mit der Geschichte von Kirchen und Religiosität auseinander, die diesen Landstrich sichtbar und hörbar geprägt haben. „Zone“ nannte sich die Festivalausgabe 2015 und bespielte die Industriezone von Lana mit einer ganzen Reihe von Veranstaltungen rund um die Themenkomplexe Industrie, Geschichte der Industrie, Arbeit und Industrie in Lana und die Zukunft der Arbeit. Im Mai 2016 erarbeitete sich LanaLive unter dem Titel „The Settlers“ die Siedlungsgeschichte von Lana: Wie hat sich die Marktgemeinde Lana die letzten 60 Jahre verändert? Wo entstanden Siedlungen und wer lebte dort? Was sind die Besonderheiten der verschiedenen Siedlungen? Was sind ihre Geschichten? Wie funktioniert das Zusammenleben?

Mit der „Via Lombarda“ thematisierte LanaLive im Jahr 2017 die direkte Verbindung von Lana über den Gampenpass in das Trentiner Val di Non. Ein Jahr später stieg LanaLive in die Höhe und widmete sich den „Aussichten“. Die Geographie des Gebiets legte es nahe, in die Höhe zu steigen, um weiter zu sehen, Neues und Visionäres zu entdecken. 2019 machte sich LanaLive „Roundabout“ auf den Weg: Es drehte sich alles um den Verkehr und die verschiedenen Verkehrsmittel. 2020 hingegen stieg LanaLive mit „Underground“ in den Untergrund hinab und erkundete wörtlich und im übertragenen Sinne alles, was in Lana und Umgebung unter der Erde lag und liegt. Es ging dabei nicht nur um Keller, Kavernen, Gräber und Garagen, sondern auch um eine Archäologie des Vergessenen und des Verdrängten.

stol

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