Donnerstag, 22. Juni 2017

2 Südtiroler Architekten auf der „documenta“ in Kassel

Es ist das erste Mal, dass die „documenta“, eine der bekanntesten Ausstellungen für zeitgenössische Kunst, an 2 Standorten stattfindet: in Kassel und in Athen. Zum Kasseler Programm gehört die Architektur-Ausstellung „ways of life“. Und an dieser beteiligen sich die Bozner Architekten Andreas Profanter und Lukas Rungger.

Das „Aufzug-Haus“ soll Leben und Arbeit in der Natur an die unterschiedlichen Bedürfnisse seiner Bewohner anpassen. - Rendering: noa*
Das „Aufzug-Haus“ soll Leben und Arbeit in der Natur an die unterschiedlichen Bedürfnisse seiner Bewohner anpassen. - Rendering: noa*

20 internationale Architekten wurden mit ihren Projekten zur „documenta 14“ nach Kassel eingeladen. Darunter auch das Bozner Studio noa* und ihr „From roots to crowns“-Entwurf. Ein Entwurf, der eigentlich gar nicht für Kassel geplant war.

"Wohnen" als Konzept hinterfragen

Der deutsche Architekt Christoph Hesse war beim „World Architecture“-Festival auf die Bozner aufmerksam geworden – etwa wegen der neuen Völser-Weiher-Hütte. Er lud noa* und andere 19 Studios zu einem großangelegten Architekturprojekt im hessischen Edersee ein. Die Aufgabe: Ein 90 Quadratmeter großes Haus am Seeufer zu gestalten. Ein Haus, in dem eine Familie leben, aber auch arbeiten kann.

„Wir wollten mit unserem Projekt das Konzept ‚Wohnen‘ hinterfragen“, erklärt der 31-jährige Andreas Profanter im Gespräch mit STOL.

„Da uns die Lage am Seeufer und der schöne Ausblick besonders gefallen hat, wollten wir die Wohnung zunächst weiter oben, also in der Höhe, ansiedeln“, beschreibt Profanter den Ausgangspunkt des Projekts.

From roots to crowns“ 

Die noa*-Architekten reizte aber auch die Idee, die Landschaft zu integrieren. „Deshalb haben wir uns für ein flexibles Wohnen entschieden“, erklärt der Bozner Architekt. Der Zustand der Wohnung kann der jeweiligen Aktivität angepasst werden – will die Familie den lauen Sommerabend mit Seeblick genießen, dann geht´s etwa nach oben. Und möchten die Kinder am Ufer spielen, geht’s zurück auf den Boden. Das ganze Haus kann aber auch in der Wiese versenkt werden, übrig bleibt dann nur die Grünfläche.

Das „Aufzug-Haus“ in der Variante mit ebenerdigem Zugang. - Rendering: noa*

Futurismus, nicht Spielerei

Das habe nichts mit Spielerei zu tun, entgegnet der Architekt auf die STOL-Nachfrage. Die Umsetzung sei technisch möglich. Wenn, dann müsse man es ein „futuristisches Projekt“ nennen. Noa* habe ganz bewusst einen unkonventionellen Ansatz gewählt. „Wenn die Projektleiter mutig sind, dann nehmen sie unseres“, sagt Profanter und lacht.

Er freut sich. Und dazu hat er allen Grund. Profanter und Lukas Rungger werden ihren „From roots to crowns“-Entwurf am 5. Juli bei der documenta 14 in Kassel präsentieren.

Dort wird das Projekt, wie alle Edensee-Entwürfe, ausgestellt. „Und das“, sagt Andreas Profanter, „ist wirklich eine große Sache.“

stol/aw

stol