Mittwoch, 13. Juli 2016

2015 wurden 640 gestohlene Kulturgüter in Österreich sichergestellt

640 gestohlene oder illegal ausgegrabene Kulturgüter sind im vergangenen Jahr in Österreich sichergestellt worden. Das geht aus dem Kulturgutbericht des Bundeskriminalamtes (BK) hervor, der am Mittwoch erstmals veröffentlicht wurde. So sind vermehrt Gegenstände aus den Kriegsgebieten Syrien und Irak aufgetaucht und bereiten den Ermittlern viel Arbeit, sagte der BK-Sprecher.

Die in Völs bei Innsbruck auf einem Flohmarkt wiedergefunde "Ushebti" aus dem Grab des Hor-ir-aa in Ägypten. - Photo: BK
Die in Völs bei Innsbruck auf einem Flohmarkt wiedergefunde "Ushebti" aus dem Grab des Hor-ir-aa in Ägypten. - Photo: BK

In diesen Ländern wurden Kulturgüter in Museen vor laufender Kamera zerstört, archäologische Stätten geplündert und zerstört. Um die Kriegskassen aufzufüllen, wurden die wertvollen Gegenstände auch in den Westen verkauft. So tauchte etwa in Tirol eine ägyptische Grabfigur auf, die von den Ermittlern sichergestellt wurde. Das in Ägypten aus dem Grab des Hor-ir-aa gestohlene „Ushebti“ wurde von zwei Männern in Innsbruck zum Verkauf angeboten.

Fundort: Flohmarkt

Die Ägypter gaben an, die etwa 15 bis 20 Zentimeter große Grabfigur in Mumiengestalt auf einem Flohmarkt in Völs in Tirol gemeinsam mit einer weiteren Statue um insgesamt 100 Euro gekauft zu haben. Nachdem sie versucht haben, im Internet einen Experten zu kontaktieren, um die Statue schätzen zu lassen, wurde ein verdeckter Ermittler auf die Ägypter aufmerksam. Im September 2015 wurde den Männern deshalb in Innsbruck der Prozess gemacht. Sie glaubten, dass die Einfuhr ägyptischer Kulturgüter bis in die 1980er-Jahre legal gewesen sei, immerhin sei das „Ushebti“ mit einer Zeitung aus dem Jahre 1981 umwickelt gewesen. Sie wurden im Zweifel freigesprochen. Im November 2015 konnte die Figur im Kunsthistorischen Museum Wien an den Botschafter der Arabischen Republik Ägypten zurückgegeben werden.

Anzeigen rückläufig

Die Anzahl der Anzeigen wegen Kulturgutdiebstähle waren 2015 in Österreich leicht rückläufig: Es wurden insgesamt 179 Fälle angezeigt. So wurde bei der routinemäßigen Kontrolle bei einem Kunsthändler eine gestohlene Standuhr entdeckt. Der Händler informierte die Ermittler über den Verkäufer. Bei diesem wurden dann auch noch vier gestohlene Bilder sichergestellt. Details über den Fall wollte Kriegs-Au nicht bekannt geben. Die Ermittlungen sind noch am Laufen. Weil die Ermittlungen im Kulturgüterbereich sehr schwierig sind, ist die regelmäßige Schulung der vier BK-Mitarbeiter besonders wichtig. Die Kulturgutsachbearbeiter werden alle zwei Jahre in den Landeskriminalämtern geschult. Erst im November 2015 hat das Referat einen Bildungsgang zum Thema Syrien und Irak absolviert, sagte Sprecher Vincenz Kriegs-Au.

Zusammenarbeit mit Interpol

In Kunst-Kriminalfälle sind oft mehrere Staaten involviert, gemeinsame Datenbanken sind da enorm wichtig. Die österreichischen Kunstdiebstähle, ebenso wie Fahndungen nach Schmuck, werden auf der Website des Bundeskriminalamtes veröffentlicht und sind für jeden zugänglich. Inzwischen sind mehr als 1.000 Fahndungen in der Kategorie „Kunst- und Wertgegenstände“ zu finden. Das Interpol-Generalsekretariat hat ebenfalls eine Kunstdatenbank entwickelt, auf die von allen 190 Interpol-Mitgliedstaaten zugegriffen werden kann. Auch Privatpersonen wie etwa Antiquitätenhändler können sich dort anmelden und sich über gestohlene Kulturgüter informieren, so Kriegs-Au.
Das Kulturgutreferat ist im Bundeskriminalamt als Zentralstelle zur Bekämpfung der Kulturgutkriminalität eingerichtet. Die Abteilung bearbeitet deliktsunabhängig sämtliche Fälle im Kulturgutbereich und ist Anlaufstelle für Kulturgutfragen innerhalb der österreichischen Polizei, aber auch für entsprechende Kontakte zu Museen, Organisationen oder Künstlern zuständig. Einen wichtigen Bereich stellen auch die Überprüfungen von angebotenen Kunstgegenständen, die Marktbeobachtung und die Überprüfung von bedenklichem Kulturgut, wie etwa Fälschungen, dar.

stol