Sissa Micheli beherrscht die Raffinesse und die Zweideutigkeit, Geschichten zu erzählen. Es sind poetische Etüden elementarer Leidenschaft, alltäglicher Qualen, intimer und seltener Momente eindrucksvoller emotionaler Intensität. Michelis ist eine komplexe Welt von stark kinomatografischer Qualität, in der Wirklichkeit und Fiktion Komplizen im Aufbau einer narrativen Struktur eines psychologischen Dramas sind. Manchmal autobiografisch, manchmal auf Erfahrungen anderer beruhend, wie es in Zeitungen berichtet wird, sind diese Narrationen von unangenehmer Intimität autonome Fragmente eines Lebens am Rande eines Nervenzusammenbruchs, bedroht durch ein oft tragisches Geschehen, prekär in ihrer Aufmachung als eine Serie von Traumata, von der Kindheit, durch die Bildungsjahre und Reife hindurch, bis hin zu den Gefahren eines frühreifen Alters. In einem sanften, fast unmerklichen Prozess der Sublimierung ikonisiert Micheli Matrizen von menschlichen Grundbeziehungen und erstellt so für den Betrachter und die Betrachterin ein Lexikon „erhaltener Gefühle“, die – obwohl allgemein verbreitet – ihre Ehrlichkeit und unglaublich kraftvolle Authentizität beibehalten. Ihre Arbeit ist beides, voyeuristisch und sezier-ähnlich: Hier performt die Autorin, gleichzeitig Subjekt und Objekt ihrer eigenen privaten Studie und soziologischen Analyse, ein Ich im Aufbau zwischen Unschuld und Erfahrung, Traum und Erwachen, Exzess und Leere, in einer Maskerade karnevalesker Identität. Biographie1975 BruneckSchule für künstlerische Photographie, Wien Diplomstudium an der Akademie der bildenden Künste Wien bei Prof. Franz Graf, Gunther Damisch und Matthias Herrmann Foto, Video, InstallationAusstellungen2011 28 changes of address – passage project, Künstlerhaus passagegalerie, WienZeichnung und Fotografie II im Rahmen der Reihe Zeitgenössische Kunst im Parlament, Wien 2010 Triennale Linz 1.0 Gegenwartskunst in Österreich, Lentos, Linz